Sachwerte stehen bei den Menschen hoch im Kurs, seit sich die US-Immobilienmisere durch die Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September vergangenen Jahres zu einer weltweiten Finanzkrise ausgewachsen hat. Das Misstrauen gegenüber dem System ist gross. Die immer neuen, viele Milliarden schweren Rettungspakete der Regierungen für Banken und Industrie unterhöhlen das Vertrauen in die Stabilität der Währungen und lassen Anleger nach Alternativen zu herkömmlichen Investments suchen.

Schrumpfende Zielgruppe

So nennen laut einer Umfrage im Auftrag des Maklerverbandes IVD unter deren Mitgliedsunternehmen Käufer die Sorge vor einer Geldentwertung als Hauptgrund für den Erwerb einer Immobilie. Makler berichten von einer spürbar steigenden Nachfrage. Ausserdem ermittelte die Studie, dass 54% der Befragten Grundbesitz für den besten Schutz gegen Inflation halten. Drei Viertel der Immobilienbesitzer halten zudem ihr Haus oder ihre Wohnung für eine werthaltige Vermögensanlage.

Wohnungen und Häuser sind als Anlage aber durchaus differenziert zu sehen. Denn je nach Lage und Art des Objekts kann die Rechnung aufgehen - oder eben nicht. Trends wie die Alterung und die Singularisierung der Gesellschaft sowie die wachsende Attraktivität der Grossstädte und steigende Energiekosten werden die Nachfrage nach Immobilien - und damit ihren Wert - in Zukunft stark beeinflussen.

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Während also die Preise um die Ballungsräume herum durchaus Potenzial versprechen, muss in ländlichen Regionen mit Einbussen gerechnet werden. Hinzu kommt, dass die für die Nachfrage relevante Zielgruppe der 30- bis 45-Jährigen deutlich schrumpft.

Verlässliches Krisenbarometer

Auch der Goldpreis hat in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt durch die Nachfrage von Investoren, stetig zugelegt.

Bereits kurz nach der Jahrtausendwende im Aufwärtstrend, kletterte das Krisenbarometer in den vergangenen zwei Jahren zweimal über die Marke von 1000 Dollar, zuerst nach dem Kollaps der US-Bank Bear Stearns im März 2008, dann noch einmal Ende Februar dieses Jahres. Seither bewegt sich der Preis zwischen 850 und 950 Dollar je Feinunze. «Der Preis zeigt sich relativ stabil», sagt Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er hält ein erneutes Überschreiten der Marke von 1000 Dollar bei anhaltender Nachfrage von Investoren für möglich. Für besonderes Aufsehen sorgte zuletzt die Nachricht, dass die Volksrepublik China in den letzten sechs Jahren gut 450 t Gold für seine Devisenreserven akkumuliert habe.

Dollarrisiko im Goldpreis

In einem Inflationsszenario, das angesichts der dramatisch wachsenden Verschuldung vieler Staaten weltweit mittelfristig Marktbeobachter für durchaus realistisch halten, könnte das Edelmetall zusätzlich an Attraktivität gewinnen. Da der Goldpreis allerdings in Dollar notiert wird, unterliegen Edelmetall-Anlagen neben dem Kurs- auch einem Währungsrisiko. Über weite Phasen verhält sich der Goldpreis zum Dollar wie eine Devise: Fällt der Greenback, so steigt der Wert des Edelmetalls.

Anleger sollten auch beachten, dass Gold keine Zinsen abwirft. Vermögensverwalter empfehlen inzwischen vermehrt, physisches Gold als Kapitalschutz in ein diversifiziertes Portefeuille aufzunehmen. Dazu eignen sich neben Barren und Münzen auch Gold-Indexfonds (ETF) wie jene der Zürcher Kantonalbank oder von Julius Bär, die mit Gold unterlegt sind. Der Goldanteil sollte maximal 5 bis 10% des Portefeuilles ausmachen.