Verschiedene Ankündigungen von Neuemissionen deuten daraufhin, dass in den Markt für Unternehmensanleihen das Leben zurückkehrt. «Das ist positiv für Investoren und deren Vertrauen in die Emittenten», sagt Sandro Näf, Partner von Capital Four und Portfoliomanager von Nordea im Anleihenbereich.

Firmen, welche die Möglichkeit haben, Anleihen zu platzieren, würden dies nun wieder vermehrt prüfen, so Näf. Emissionen wie die des Agrochemiekonzerns Syngenta über 350 Mio Fr. vor wenigen Tagen bahnen den Markt für andere Unternehmen, die sich derzeit noch abwartend verhalten.

In der Tat zeigt sich Syngenta zufrieden mit der Nachfrage nach der Anleihe ? ursprünglich wurde die Transaktion mit «nur» 200 Mio Fr. angekündigt. Noch gäbe es keine konkreten Pläne für weitere Tranchen. Syngenta werde aber die Entwicklung auf den Kreditmärkten weiterhin verfolgen, heisst es von Unternehmensseite.

Marktbeobachtern zufolge gibt es vermehrt Gerüchte um die Platzierung einer grösseren Anleihe von Roche. Das Pharmaunternehmen könnte für die komplette Übernahme der Tochter Genentech nicht genügend Kredite erhalten und darum im nächsten Jahr mit einer Anleihe zusätzliches Kapital beschaffen.

Verhaltener Optimismus

Aus der Sicht der Anleiheninvestoren sind dies gute News: Sie lassen auf den lang ersehnten Aufschwung der geplagten Anlageklassen hoffen. «Schlimmer als in diesem Jahr kann es gar nicht mehr kommen», fasst Capital-Four-Mann und Nordea-Portfoliomanager Näf die Situation zusammen. Das nächste Jahr werde nicht einfach, dennoch ist er zuversichtlicher. «Die Finanzmärkte werden sich erholen», so Näf. Sie würden zwar nicht in der ersten Hälfte 2009 anziehen, aber er erwartet gegen «Ende des nächsten Jahres eine spürbare Erholung».

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Kommt es dazu, zeigen gerade High-yield-Bonds – spekulativere hochverzinsliche Anleihen – Potenzial. Denn sie bieten im Gegensatz zu den als sicher geltenden Staatsanleihen nicht nur eine Zinsertragskomponente, sondern auch eine Prämie für das Ausfallrisiko. Sollte eine der spekulativen Anleihen tatsächlich definitiv ausfallen, kann zumindest ein Teil davon zurückgeholt werden.

Ausfallrisiko: 1 Prozent

Im Durchschnitt erholen sich aber rund 40% der einmal insolvent gewordenen Schuldner. Die höchste jemals verzeichnete Ausfallquote, gemessen während der grossen Depression in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, lag bei 16%. Wenn derzeit von 20% ausgegangen wird, ist ein deutlich zu hohes Risiko einkalkuliert. Momentan fällt etwa 1% der Anlagen aus. «Ich gehe davon aus, dass die Ausfallrate auf höchs- tens 10% steigen wird», sagt Näf. Die Risikoprämie ist daher exzessiv.

Die Erstrangigkeit des Bonds ist bei einem Investment im risikoreicheren High-Yield-Sektor von hoher Bedeutung. Die Rendite ist bei solchen Bonds zwar geringer als bei nachrangigen Anleihen, doch wird dadurch auch das Risiko wesentlich geringer. High Yields haben noch immer den Ruf, vergleichsweise riskant zu sein. «Vielmehr sind sie eine gute Anlage zur Diversifikation», sagt Näf.

Konservative Anlagen bevorzugt

High-Yield-Bonds verfügen gegenüber Aktien über einen deutlich kürzeren Anlagehorizont. Ausserdem sind Aktionäre im Konkursfall schlechter gestellt als Anleiheninvestoren. Das wird von Anlegern häufig vernachlässigt. Obligationen sind daher fast immer defensiver als andere Anlageformen.«Ich empfehle derzeit eher konservative Sektoren», sagt Näf. Der Bereich Kabelfernsehen sei interessant, da das Ausfallrisiko nicht so gross ist wie in anderen Branchen. Die Rendite fällt daher auch etwas kleiner aus, doch sind die Gewinnchancen intakt. Kabelfernsehen gilt als vergleichsweise rezessionsresistent.

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Konsumenten verzichteten eher auf ein neues Auto oder auf eine Ferienreise als auf Unterhaltung in den eigenen vier Wänden, so die Hoffnung der Investoren. Bonds von Kabelnetzbetreiber Cablecom gelten daher als attraktiv. Gleiches gilt für Unity Media, das deutsche Pendant zur Cablecom. Es bietet im fragmentierten TV-Markt Deutschland defensive Gewinnchancen von um die 15%. Interessant könnte zudem der Telekombereich sein. Dieser habe zwar zu Beginn des Jahres gelitten, doch wird, trotz eines allfälligen Abschwungs, nicht bei der Kommunikation gespart.

Von Zinssenkungen profitieren

Auch wenn das Comeback der High-Yield-Bonds gelingen sollte: Anleger sollten Staatsanleihen, deren Rendite wegen der hohen Nachfrage zuletzt stark abgenommen hat, jetzt nicht vorschnell abschreiben. «Wir bevorzugen derzeit Staatsanleihen mit vier bis sechs Jahren Laufzeit», sagt Kars-ten Linowsky, Fixed-Income-Stratege bei der Credit Suisse. Die Zinsen sind zwar relativ tief, aber Anleger sind bei den sicheren Papieren gut aufgehoben.

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«Wir haben über die letzten Monate eine Rally gesehen, doch das Umfeld ist noch immer positiv für Staatsanleihen», sagt Linowsky. Investoren könnten noch immer von der steilen Zinskurve profitieren. Die Experten von Aquila Investment erwarten, dass Staatsobligationen von der schwächeren Konjunktur, rückläufiger Geldentwertung und von «Sicherer-Hafen»-Überlegungen der Anleger profitieren könnten. Auch weitere Zinssenkungen könnten sich positiv auswirken. Solche werden bereits diesen Donnerstag von der EZB und der Bank of England erwartet.