Solange die Nachfrage bei den Anlegern nach Unternehmensanleihen weiter stark bleibt, strömen Unternehmen auf der ganzen Welt auf den Anleihenmarkt. Sie fürchten, dass der Geldhahn für sie jeden Moment zugedreht werden könnte. Es gebe echte Besorgnis darüber, was passieren könnte, sollten die Regierungen die Konjunkturprogramme einstellen, gibt Brian Hessel zu bedenken. Er ist Generaldirektor bei Global Credit Advisers LLC, das in hochverzinsliche und ausfallbedrohte Kredite investiert.

Konjunkturprogramme als Sorge

«Sollten die Programme zur Ankurbelung der Konjunktur ohne grossen Ersatz rasch zu Ende gehen, wird es eine schwierige Situation für die Märkte», so Hessel. Unternehmen profitieren davon, dass die Anleger bis jetzt noch Unternehmensschulden regelrecht an sich reissen. Das Satellitenkommunikationsunternehmen Inmarsat PLC, die amerikanische Spielwarenkette ToysRUs und der polnische Radiosender TVN SA sind nach Angaben des Datenanbieters Dealogic unter den niedrig eingestuften Emittenten, die vergangene Woche hochverzinsliche Risikoanleihen im Wert von mehr als 9,5 Mrd Dollar verkauften.

Alles in allem veräusserten die Unternehmen in den Vereinigten Staaten in der vergangenen Woche Verbindlichkeiten von mehr als 24,1 Mrd Dollar. Bei den europäischen Emittenten waren es 21,33 Mrd - der höchste Wert seit der Woche vom 26. Oktober. Laut Dealogic lagen die Ausgaben in diesen Regionen zusammengenommen also bei über 45 Mrd Dollar.

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Bis jetzt haben Anleger dieses Jahr weltweit mehr als 2,7 Billionen Dollar in neue Unternehmensanleihen gesteckt. Ein Rekord, so Dealogic, denn 2008 waren es nur 1,7 Billionen. Damals legte die Finanzkrise grosse Teile der Kapitalmärkte auf Eis.

Beunruhigend ist für manche Experten die Leichtigkeit, mit der einige Marktteilnehmer Anleihen herausgeben können. Sie fragen sich, was mit weniger kreditwürdigen Emittenten passieren wird, wenn in ein paar Jahren die Rückzahlungen der Anleihen fällig werden.

Die erneute Risikolust kommt Emittenten von Anleihen mit schwächerem Rating recht gelegen. «Etwa 1,4 Billionen Dollar an älteren Anleihen und Krediten dieser Unternehmen werden in den nächsten fünf Jahren zur Rückzahlung fällig», weiss Dominic DiNapoli, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens FTI Consulting. Käufer von Unternehmensanleihen bieten diesen Unternehmen eine Art Rettungsanker. Denn durch sie kann der Stichtag zum Ausgleich der Schuldenlast nach hinten hinausgezögert werden. Im Gegensatz zu Anlegern steigen die Banken ausserdem erst langsam wieder ins Kreditgeschäft ein. Anleihen gewähren den Firmen üblicherweise längere Fristen als Bankkredite. Und sie haben meist laxere Konditionen. Doch kommen Ängste auf, dass der Anleihenboom nur eine Art Galgenfrist für die Unternehmen darstellt, die zu viele Schulden mit sich herumschleppen.

Zu viel blindes Vertrauen

Emittenten von Junk-Bonds, also hochverzinslichen Anleihen für Schuldner mit schlechter Bonität wie der Kasinobetreiber Harrahs Entertainment oder der Bauträger für Eigenheime, Beazers Homes USA, benutzten 75% der Mittel aus neuen Anleihen für die Refinanzierung ihrer bereits bestehenden Ausstände. Laut Merrill Lynch der höchste Prozentsatz aller Zeiten. «Investoren sind leicht zu überzeugen. In einigen Fällen haben sie es Firmen, die anders in die Pleite geschlittert wären, ermöglicht, wieder an Geld zu kommen», sagt James Lee, Analyst für festverzinsliche Wertpapiere bei Calvert Asset Management. «Da ist eine Menge blindes Vertrauen mit im Spiel.»