Mit Blick auf ihre Konjunktur haben Halbleiter den falschen Namen: Die Ausschläge des Marktes werden von den Halbleitern an der Börse nämlich nicht etwa vermindert, sondern vielmehr intensiviert; im Börsenjargon ist diesbezüglich von «Halbleiterzyklen» die Rede.

Gewinnverdoppelung

Die Entwicklung des an der Schweizer Börse kotierten Halbleiter-Herstellers Austriamicrosystems (AMS) nimmt sich exakt nach diesem Schema aus: Verzeichnete die Firma im letzten Quartal 2008 und das ganze Jahr 2009 über ein minimales Wachstum, steigerte sich AMS im 1. Quartal 2010 plötzlich drastisch von 2% im letzten Quartal 2009 auf 89% im 1. Quartal dieses Jahres. «Stellt man die beiden Quartale gegenüber, wurden die Verluste mit einem doppelten Gewinn kompensiert», sagt Michael Foeth, Analyst bei Vontobel. «Das indiziert, dass der Zyklus wieder nach oben ausschlägt.»

Die exzessiven Ausschläge am Halbleiter-Markt lassen sich erklären: Weil die Endproduzenten wie etwa Dell oder HP in der sich abzeichnenden Hochkonjunktur Engpässe vermeiden wollen, bestellen sie mehr, als der eigentliche Verbrauch erfordern würde. Nimmt die Nachfrage nach Handys, Computern und dergleichen aber ab wie dies in der Krise geschah , erteilen die Endverteiler weniger Aufträge. Weil sie in der Folge auch ihre eigenen Lager abbauen, bestellen sie weniger Mikrochips, als dies aufgrund der effektiven Nachfrage eigentlich angemessen wäre. Foeth von der Bank Vontobel sagt: «So ergeben sich Zyklen, die nicht direkt an den Endverbrauch gekoppelt sind.»

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In Anbetracht der Tatsache, dass sich der Gesamtwert des Halbleiter-Marktes auf rund 290 Mrd Dollar beläuft und der Branchenverband der Chiphersteller SIA für das laufende Jahr ein Wachstum von rund 28% prognostiziert, könnten bald noch mehr Investoren auf den gegenwärtigen Zyklus aufspringen. Zwar sei ein Teil der Erfolgsaussichten vom Markt bereits vorweggenommen worden, doch die Aktien bieten laut Beobachtern noch Potenzial: So auch im Fall vom AMS, deren Valoren Foeth zumindest risikofreudigen Anlegern empfiehlt. Die Theorie über den Halbleiter-Zyklus ist allerdings kein Passepartout, was sich am Beispiel eines anderen Schweizer Halbleiter-Werts zeigt. «Die Entwicklung des Unternehmens Micronas folgt einer eigenen Dynamik, die von der generellen Halbleiter-Nachfrage abgekoppelt ist», sagt Foeth.Weil sich der Mikrochips-Hersteller 2009 ? nachdem er in den vergangenen drei Jahren einen kumulierten Verlust von fast 800 Mio Fr. erwirtschaftet hatte ? aus dem Bereich Konsumelektronik verabschiedet hat, wird der Puls seiner Performance vom Automobilmarkt dirigiert. Dabei setzt Micronas auf die steigende Nachfrage nach Autos mit diversen elektronischen Gadgets, welche die Sensoren von Micronas verwenden.

Wachstum bei Sensorik

Bezüglich der Nachfrage verweist Micronas auf Marktstudien, welche den Absatz von Autos in den nächsten fünf Jahren um 8% ansteigen sehen. Die in Kraftfahrzeugen verwendeten Sensoren würden ? so die Einschätzung von Micronas ? innert zwölf Monaten gar um 14% mehr nachgefragt. Das alles untermauert eine Erholung der Aktie. Nach dem Sturzflug des Kurses in den letzten Jahren gibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) für die Aktie Micronas ein Kursziel von 6.50 Fr. vor, was derzeit einen Anstieg von einem Franken impliziert.

Sowohl AMS wie auch Micronas bieten also derzeit Chancen.Auch wenn sich der Zyklus zugunsten der Investoren gedreht hat: Nervenstärke wird diesen immer noch abverlangt.