Die Genussscheine des Basler Pharmamultis Roche lagen zu Wochenbeginn wieder einmal an der Tabellenspitze des SMI. Die Valoren legten teilweise bis zu 2% an Wert zu, nachdem Roche positive Studiendaten vorlegte. Neue Daten belegten die Wirksamkeit des Medikamentes Actemra bei rheumatoider Arthritis, heiss es in der Medienmitteilung. Die in zwei Jahren erhobenen Resultate hätten gezeigt, dass Actemra bei den meisten Patienten das Fortschreiten der strukturellen Gelenkschäden hemmt, wird der Pharmadivison-CEO William M. Burn zitiert.

Kursavancen waren für die Anleger des Pharmaunternehmens in den letzten Wochen aber ein eher seltenes Bild. Während der SMI seit Jahresbeginn mit 2,3% in den roten Zahlen liegt, hat Roche 10,9% an Wert verloren. Konkurrentin Novartis büsste gar 17,2% ein. Auch von der jüngsten Erholung des Aktienmarktes konnten die beiden defensiven Valoren nur unterdurchschnittlich profitieren. Seit einem Monat treten die Genussscheine von Roche auf der Stelle, Novartis kletterte auch nur um 2,8%. Der SMI stieg in der gleichen Periode um 4,5%.

Konferenz könnte Kurse treiben

Bald könnte den Kursen jedoch wieder Schub verliehen werden. Vom 29. Mai bis 2. Juni findet in Orlando (USA) die Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (Asco) statt. Die Vontobel-Analysten Andrew Weiss und Silvia Schanz empfehlen im Vorfeld der Krebsforscherkonferenz Roche zum Kauf: «Da die Erwartungen in Bezug auf Roche niedrig sind, halten wir das Risiko-Rendite-Profil für interessant», so die Erklärung. Roche und deren Tochter Genentech sind führend im Bereich Marketing und Research bei Krebsmedikamenten und werden entsprechend in Orlando den Ton angeben.

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Die Basler werden mehr als 500 wissenschaftliche Studienzusammenfassungen zu 20 Krebsarten veröffentlichen. Neue klinische Daten sollen unter anderem zeigen, dass Blockbuster wie Herceptin, Avastin und Tarceva sowie der neue Wirkstoff Trastuzumab-DM1 die Behandlung von Patienten mit inoperablem Magenkrebs, fortgeschrittenem Melanom, Lungen- und Brustkrebs wesentlich verbessern.

Afinitor wird unterschätzt

In den letzten beiden Jahren wurden die Roche-Anleger nach den Asco-Tagungen dennoch enttäuscht: In Anbetracht der neuen Konkurrenzprodukte waren die Umsatzerwartungen an Roche zu hoch ausgefallen und mussten folglich nach unten korrigiert werden. «Dieses Jahr rechnen wir jedoch im Vorfeld der Asco damit, dass den hohen Erwartungen bereits durch die Veröffentlichung negativer Ergebnisse von Roche/Genentech der Wind aus den Segeln genommen wurde», so Weiss und Schanz.

Das Gros der Analysten ist angetan von Roche: 72% empfehlen den Titel zum Kauf: Jüngst hat die Credit Suisse die Abdeckung von Roche mit dem Rating «Neutral» gestartet: «Im Peer-Vergleich zeigt Roche ein starkes Umsatz- und Gewinn-pro-Aktie-Wachstum, getrieben von ihrem Krebsmedikamenten-Portefeuille», so der Analyst. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 für 2009 liegt der Pharmariese leicht über dem Sektor (8,3).

Auch für Novartis sind die Analysten zuversichtlich: 62% würden die Aktie zukaufen. Vielversprechend ist das Krebsmedikament Afinitor: An der Asco-Konferenz werden mehrere Präsentationen stattfinden. «Afinitor scheint das meist unterschätzte Medikament in der Pipeline von Novartis zu sein», so Helvea-Analyst Karl-Heinz Koch.

Jüngst übernahm die Novartis-Tochter Sandoz das Spezialgeschäft generischer Arzneimittel der österreichischen Ebewe Pharma. Damit solle das Portefeuille von Krebsmedikamenten massgeblich ausgebaut werden, so die Mitteilung. Der Kaufpreis belief sich auf 925 Mio Euro. Die Aktien schlossen am Publikationstag höher.

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