Am 15. Januar wird das amerikanische Biotech-Unternehmen Genentech seine 4.-Quartals-Zahlen publizieren. Die Konsensschätzungen gehen von einem Umsatz von 3,64 Mrd Dollar und einem Betriebsergebnis von 1,54 Mrd Dollar aus. Derzeit beschäftigt die Anleger jedoch weniger das bevorstehende Ergebnis, als die mögliche Übernahme durch die Muttergesellschaft Roche.

Anfang Woche sagte der Roche-CFO Erich Hunziker an einer Healthcore Conference von J.P. Morgan die 45 Mrd Dollar schwere Übernahmeofferte für die ausstehenden 44% der Genentech-Aktien sei auf Kurs. Gerüchte, wonach Roche die Dividendenausschüttung streichen und für den Kauf von Genentech einsetzen wolle, wurden dementiert: Die Dividende werde weiterhin kontinuierlich erhöht.

Dennoch gingen die Valoren von Roche zum Wochenauftakt mit einem Minus von 3% aus dem Handel: Anleger befürchteten, dass der Schweizer Pharmamulti einen zu hohen Preis für die Übernahme bezahlen könnte. Für Aufsehen hatte zuvor ein Artikel der «Financial Times» gesorgt: Roche bereite eine neue Kaufofferte für einen Preis von 95 Dollar pro Aktie vor. Das Angebot solle dem Genentech-Verwaltungsrat noch vor der Bilanzmedienkonferenz am 4. Februar vorgelegt werden.

Anzeige

Zeichen für die Kreditmärkte

Ob Roche tatsächlich noch vor dem 4. Februar für 95 Dollar pro Aktie Genentech ein Angebot unterbreitet, ist bisher unbestätigt. Auf Anfrage liess Genentech-Sprecher Geoff Teeter lediglich verlauten, man lehne eine Stellungnahme ab.

Doch wie wahrscheinlich ist das Übernahmeszenario? «Es wäre ein sensationelles Zeichen», so der Vontobel-Analyst Andrew C. Weiss. Sollte sich Roche für ein Aufbessern des Angebots entscheiden, wäre dies laut Weiss nicht nur ein positives Signal für das Geschäft zwischen Roche und Genentech, sondern auch für den Kreditmarkt insgesamt.

Karl-Heinz Koch, Analyst bei der Helvea, kann sich vorstellen, dass der Deal in «naher Zukunft» über die Bühne gehen wird. «Roche hat Anreize, noch vor Publikation des Jahresergebnisses für Klarheit zu sorgen», so Koch. Der Grund dafür: Roche führt in der Regel intensive Investorenmeetings. Da ist die Gefahr, in einem Meeting etwas zu viel zu sagen, relativ gross.

Der Preis gilt als fair

Den gehandelten Preis von 95 Dollar pro Genentech-Aktie hält Weiss für fair. Auch Koch kann sich aufgrund der nach wie vor angespannten Marktsituation vorstellen, dass Genentech dem Angebot von 95 Dollar zustimmen wird. «Ein Preis von 105 bis 110 Dollar, wie er von Genentech ursprünglich angestrebt wurde, ist nicht mehr realistisch heute.»

Genentech spielt für Roche eine Schlüsselrolle. Sie liefert Roche unter anderem die drei umsatzstärksten Medikamente: Das Medikament Rituxan gegen Lymphknotenkrebs, das Brustkrebsmittel Herceptin und das Darmkrebsmedikament Avastin. «Aufgrund der Mehrheitsbeteiligung von Roche kommen eigentlich keine weiteren Käufer in Frage», so Weiss. Ein Bieterwettbewerb dürfte sich damit erübrigen. Der Zeitpunkt für die Akquisition ist auch im Hinblick darauf sinnvoll, dass die Verträge zwischen Genentech und Roche 2015 auslaufen werden. Es sei eine «etwas brisante Situation», so Koch.

Anzeige

Roche ist an Genentech auch wegen deren Stellung in den USA interessiert. «Genentech hat bisher relativ unabhängig agiert und Roche selbst hat ein relativ kleines Geschäft», so Koch. Deshalb sei Roche bisher stark von Genentech abhängig gewesen.

Der Aktienkurs von Genentech kann sich sehen lassen: Trotz Finanzkrise haben die Titel des Biotech-Hauses 2008 satte 23,6% an Wert zugelegt. Über 80% der Analysten empfehlen Genentech zum Kauf. Die Gespräche rund um eine Übernahme durch Roche stützen nun den Kurs zusätzlich.