Der Pulsschlag wird schneller: Wenige Tage noch, bis Roche und Novartis zum Gesundheits-Check des Marktes antreten und den Investoren ihre 3.-Quartals-Bilanzen offenbaren (am 14. resp. 21. Oktober).

Thomas Kaufmann, Analyst bei Credit Suisse, erwartet von Novartis in Lokalwährungen ein Umsatzwachstum im «höheren einstelligen Bereich». Dabei dürfte insbesondere die Division Pharma im höheren einstelligen Bereich gewachsen sein und die Sparte Generika ein solides Wachstum verzeichnen. ZKB-Analyst Michael Nawrath ist ähnlich optimistisch und attestiert Novartis auch Widerstandskraft etwa beim Patentablauf des blutdrucksenkenden Medikaments Diovan: «Novartis kann Rückschläge durch neue Medikamente auffangen.» Fast 25% des Umsatzes erwirtschafte der Konzern nämlich gegenwärtig mit den neuesten Medikamenten, die Wachstumsraten von 100, 150, 200% und mehr verbuchten, so Nawrath.

Und auch von den aktuellen Währungsturbulenzen könne das Unternehmen profitieren, da es in Dollar rapportiere, so Kaufmann von der Credit Suisse. Auf 2 bis 3% schätzt er die positiven Währungseffekte auf den Gewinn. Trotz diesen Aussichten hat sich der Kurs der Novartis-Aktien kaum bewegt: Seit Jahresbeginn verlief die Entwicklung neutral.

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Bangen um Umsatztreiber

Bei Roche hingegen mehren sich scheinbar die Beschwerden: Kaufmann hält einen Umsatzverlust durch negative Währungseffekte von rund 5% für möglich, und das Grippe-Mittel Tamiflu, das im 3. Quartal 2009 fast 1 Mrd Fr. Umsatz einbrachte, falle in diesem Jahr finanziell kaum ins Gewicht. Trotzdem ist Kaufmann mit Blick auf die 3.-Quartals-Zahlen zuversichtlich: «Wir schätzen, dass Roche in Lokalwährungen ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich erzielt. Dabei profitiert das Unternehmen einerseits von einem verstärkten Wachstum in den Regionen ausserhalb der USA, insbesondere im Raum Asien. Anderseits rechnen wir mit einem 10%igen Wachstum in der Sparte Diagnostik.»

Den Anlegern aber ist der Genuss am Roche-Schein offensichtlich vergangen: Seit Jahresbeginn haben die Papiere fast 21% an Wert verloren. Gewiss ist dieser Unmut auch auf den chronisch anmutenden Disput um Avastin zurückzuführen. Das Krebsmedikament, das im Jahr 2009 6 Mrd Fr. Umsatz generierte, musste inzwischen in Studien zu weiteren Indikationen Rückschläge einstecken. Und das Gros der Analysten hat Avastin als Heilmittel am US-Markt abgeschrieben, wiewohl die Gesundheitsbehörde den definitiven Zulassungsentscheid auf den 17. Dezember vertagt hat.

Nicht zu ihnen zählt Michael Nawrath von der ZKB, der glaubt, dass es im Dezember zu «einer Überraschung» kommen könnte. Insofern nämlich, als die Wirksamkeit einer bestimmten Chemotherapie-Kombination gegen Brustkrebs aus einer ersten Studie erwiesen sei - und dies auch bleibe - und nur in den neuen Kombinationen der beiden Folgestudien keine signifikante Wirksamkeit nachweisbar sei. «Weshalb sonst», fragt Nawrath, «hat die FDA den negativen Entscheid nicht längst gefällt?»

Auch andere Daten relevant

Für den Anleger hierin sind sich Nawrath von der ZKB und Kaufmann von der Credit Suisse einig sind andere Daten noch wichtiger als die anstehenden 3.-Quartals-Bilanzen. So die regulatorischen Fortschritte, die Ausgestaltung der Produkte-Pipeline sowie genauere Angaben zu den Sparplänen der beiden Pharmamultis.

Letztere werden von den Analysten erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartet. Indessen empfiehlt die Credit Suisse, die Novartis-Aktie und den Roche-Schein zu kaufen.