Roelof Salomons ist Chefstratege der ­niederländischen Vermögensverwaltungsfirma Kempen Capital Management in Amsterdam. Salomons setzt voll auf ­Aktien − und erklärt, warum er dabei Schweizer Werte aussen vor lässt.

Kempen Capital hat ihren Sitz in den Niederlanden – und erlebte damit Euro- und Bankenkrise aus nächster Nähe mit. Hat Sie das bei Ihren Investments in Euroland besonders vorsichtig werden lassen?

Roelof Salomons:
Wir sind sicher nicht zu Pessimisten geworden, wenn Sie das meinen. Im Gegenteil, wir sind heute viel optimistischer. Die Euro-Krise ist inzwischen in eine neue Phase gelangt, in der einzelne Länder oder Banken nicht mehr das ganze System bedrohen. Damit sinken die Extremrisiken. Dies beginnen die Märkte nun einzupreisen, ebenso die Gesundung der Weltwirtschaft.

Das heisst?
Die Aktienkurse dürften steigen. Aktien sind unserer Meinung nach generell unterbewertet und bieten eine hohe Risikoprämie, besonders gegenüber Staatsanleihen.

Ist das der Grund, warum die Aktienmärkte jüngst kaum auf den Kursrückgang der Börse in Tokio reagierten?
Den Ausverkauf in Japan sehen wir als Korrektur in einem Aufwärtstrend. Der Rücksetzer war gesund, ­bewegte sich doch der Nikkei-Index seit Ende letzten Jahres in einer schnurgeraden Linie nach oben. Das langfristige ­Potenzial von ­Aktien änderte sich damit nicht. Weil ­europäische Aktienwerte ­zudem eine ­Sicherheitsmarge bieten, ist auch ­nachvollziehbar, warum deren ­Kurse nicht mitstürzten.

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Was lässt Sie so sicher sein, dass es weiter nach oben geht?
Die bessere Konjunktur treibt die Kurse. Gemessen an Zyklus, Bewertung und Marktstimmung, sind Aktien eindeutig die attraktivste Anlageklasse.

Doch die Feierstimmung hat ihren Preis. Die Notenbanken pumpen immer mehr Geld ins System, um Wirtschaft und ­Börsen in Gang zu halten. In Ihrem Nachbarland Dänemark experimentiert man gar mit negativen Zinsen. Wird dieses Ins­trument bald in der ganzen Euro-Zone zur Anwendung kommen?
Darüber wird natürlich spekuliert. Doch greift die Europäische Zentralbank zu Negativzinsen, könnte ihr das als Verzweiflungstat ausgelegt werden. Zudem wäre die Massnahme wohl gar nicht wirksam, weil die Banken einerseits weniger Kredit sprechen, anderseits Firmen und Konsumenten auch kaum Kredite nachfragen. Eher könnte ich mir vorstellen, dass Programme aufgesetzt werden, um KMU direkt mit Kredit zu versorgen.

Wie sich die Europäische Zentralbank auch entscheidet – es hat Einfluss auf den Frankenkurs. In welche Richtung entwickelt sich die Schweizer Landeswährung zum Euro?
Wir gehen nicht aktive Währungspositionen ein. Deshalb kann ich dazu nur so viel sagen – gemessen an der Kaufkraftparität ist der Franken teurer als die meisten Devisen.

Und was halten Sie vom Schweizer Aktienmarkt? Immerhin hat der ja dieses Jahr die meisten anderen Börsen überrundet.
Schweizer Titel erscheinen uns derzeit wenig attraktiv, verglichen mit anderen europäischen Börsen. Das rührt daher, dass dieser Markt stark von ­Finanzwerten, Verbrauchsgüter- und ­Pharmatiteln geprägt ist. Diese Sektoren sind zu hoch bewertet.

Wo finden hiesige Investoren Chancen?
Wir haben viel Vermögen in alternative Anlageklassen investiert, etwa in Fonds, die notleidende Anleihen ­aufkaufen.

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Solche Positionen sind vielen Anlegern zu exotisch. Sie legen ihr Geld lieber in ­Immobilien an. Eine weise Entscheidung?
Der Schweizer Immobilienmarkt ist einer der teuersten in ganz ­Europa. Wir sehen zwar keine grossen ­Risiken, gemessen an den Renditen sind die Immobilienpreise aber zu hoch. ­Besser sind die Ertragschancen etwa am Londoner Büroflächenmarkt oder bei Wohnimmobilien in Deutschland.

Roelof Salomons, Kempen Capital Management