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Rohstoffe
Rohöl: Warum Brent weiter steigen wird

Ölplattform
Ölförderung in der Nordsee: Der Preis der Sorte Brent zeigt nach oben.Quelle: Keystone

Seit Monaten zieht es den Preis für Rohöl nach oben. Grund sind nicht nur Förderkürzungen, sondern auch politische Unsicherheiten. Brent könnte jetzt sogar nach oben ausbrechen.

Veröffentlicht am 02.02.2018

Vor acht Jahren waren manche Experten davon überzeugt: Rohöl kann auch auf 200 Dollar je Barrel steigen. 2010 und 2011 hatte sich der Preis für das 159-Liter-Fass der Nordsee-Rohölsorte Brent immerhin auf knapp 130 Dollar und damit ein Allzeithoch auch schon verdoppelt. Dann aber kam 2014 bis Anfang 2016 der Kurskollaps, die Brent-Notierung wurde nach unten durchgereicht und fiel auf ein Fünftel dieser Rekordwerte zurück.

Bei Kursen um 30 Dollar sagten Analysten dann vor zwei Jahren: Das Barrel wird nie wieder 100 Dollar kosten. Die Redaktion von stocksDIGITAL lies sich von solchen Aussagen aber nicht abhalten und empfahl Brent Mitte Juli 2017. Seither hat Brent 50 Prozent zugelegt und ist mit knapp 70 Dollar so teuer wie zuletzt im Dezember 2014.

Die Lagerbestände fallen…

Der Anstieg der letzten Monate ging dabei fast wie an einer Schnur nach oben. Nach dem Fall der 50-Dollar-Marke Ende Juli zog es Brent in nur drei Monaten auf 60 Dollar und nachdem auch diese Hürde übersprungen war, ging es nochmals um weitere zehn Dollar für das Fass nach oben.

Das fundamentale Umfeld sieht derzeit gut aus. Ende November einigten sich die OPEC-Staaten und weitere wichtige Förderländer insbesondere Russland auf eine Verlängerung der damals bestehenden Förderkürzung bis Ende 2018. Dazu kamen auch noch zeitweise Produktionsausfälle in der Nordsee und in Libyen, politische Spannungen im Iran und gesunkene Öl-Lagerbestände. Immerhin waren die weltweiten Öl-Vorräte in den Lagern laut Monatsreport der Internationalen Energieagentur IEA im November auf 61,4 Verbrauchs-Tage gefallen. Anfang des Jahres waren es danach fast noch 66 Tage, für die Öl in den Lagern der Länder gebunkert war.

… die Ölnachfrage soll weiter steigen

Der fallende Deckungsgrad geht neben der Förderkürzung der OPEC und nicht-OPEC-Länder auch auf das steigende Tempo der weltweiten Konjunktur zurück. Immerhin ist der Rohölexport dieser Staaten im Schlussquartal 2017 um rund 1,0 Prozent gesunken und die anziehende Weltwirtschaft hat Folgen auf die Ölnachfrage. Zuletzt Mitte Dezember prognostizierte die IEA einen Anstieg der täglichen weltweiten Ölnachfrage in diesem Jahr um 1,3 Prozent.

Und obwohl die Forderung nach einem Aus von herkömmlichen Verbrennungsmotoren  bei Autos und Lastwagen im Rahmen der Klimadiskussion immer lauter wird, ist auf lange Sicht nicht mit einem Einbruch bei der Ölnachfrage zu rechnen. So erwartet die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD bis 2040 einen Anstieg der weltweiten Energienachfrage um 96 Prozent – also eine Verdopplung. Die Nachfrage nach Rohöl soll dabei um 0,6 Prozent jährlich wachsen. Das entspricht einem prognostizierten Gesamtanstieg der Ölnachfrage bis 2040 um rund 15 Prozent.

Rückenwind durch den Dollar und politische Unsicherheitsfaktoren

Aktuell bekommt der Ölpreis sogar noch Rückenwind seitens des Dollars. Denn wegen der schwächeren US-Devise können Spekulanten ihre Long-Positionen in Brent am Terminmarkt leichter aufrechterhalten. Zudem können politische Entwicklungen jederzeit die Angebotsseite schwächen und dem schwarzen Gold so zusätzlichen Schub bringen. Da sind zum einen erneut drohende US-Sanktionen gegen den Iran. Ein wichtiger Termin ist der 13. Mai, an dem international über das weitere Prozedere gegenüber dem Staat entschieden werden soll.

Auch die Entwicklung im krisengeschüttelten Venezuela hat Einfluss auf die Ölversorgung. Schon im Dezember meldete das Land einen Rückgang seiner Ölförderung um rund zwölf Prozent auf 1,6 mb/d – also 1,6 Millionen Barrel pro Tag. Das war die niedrigste Produktion seit 30 Jahren. Zum Vergleich:  Die weltweite Ölversorgung lag im Dezember bei 97,8 mb/d. Da der staatliche Ölkonzern Venezuelas PDVSA Petróleos de Venezuela derzeit seine Rechnungen etwa gegenüber wichtigen Öldienstleistern nicht bezahlen kann und auch eine Reihe von Erneuerungsinvestitionen bei den Produktionsanlagen nötig wären, erwarten Rohstoffexperten in diesem Jahr weitere Rückgänge bei der Ölproduktion des Landes.

Fracking könnte den Preisauftrieb abbremsen

Im Moment könnte wohl einzig ein erneuter Fracking-Boom in USA und Kanada die Angebotssituation am Ölmarkt verbessern und so den Preisanstieg bei Rohöl bremsen oder umkehren. Denn auf dem aktuellen Preisniveau lohnt es sich für US-Fracking-Firmen wieder in das Geschäft einzusteigen und die Produktion auszuweiten oder aufzunehmen.

Dennoch setzen risikofreudige Anleger kurzfristig auf weitere Preissteigerungen. Denn charttechnisch gesehen könnte Brent nach dem Sprung über die 70 Dollar-Marke ganz schnell weiter nach oben marschieren. 75 Dollar könnten für das 159-Liter-Fass aus der Nordsee bald erreicht sein. Mit einem Call (ISIN: CH0389700235, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 62,29 Dollar) auf Brent lassen sich bei einem aktuellen 9er-Hebel auch schon verhältnismässig kleine Kurssteigerungen bei der Nordseeöl überproportional stark in Gewinne münzen. Ein Preisanstieg bei Brent auf 75 Dollar verspricht mit dem Call immerhin ein Plus von über 50 Prozent.

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