Der Preissturz bei den Rohstoffen hat in der vergangenen Woche bei Händlern in aller Welt für Aufregung gesorgt. Nach immer neuen Rekordwerten und anhaltenden Höhenflügen waren die Preise für Rohstoffe auf breiter Front eingebrochen. Sogar von einer geplatzen Blase war zeitweise die Rede – bis sich zum Wochenbeginn die Preise wieder stabilisierten.

 „Die Aufregung der letzten Woche war schon etwas übertrieben“, sagt Eliane Tanner, Rohstoff-Analystin bei der Bank Sarasin. Den Rückgang sieht sie daher eher als vorübergehend an.  „Längerfristig dürften die Preise weiter steigen.“

Enttäuschende Wirtschaftsdaten

Für den Preisverfall der letzten Woche hat die Analystin eine einfache Erklärung: „Relativ enttäuschende Zahlen aus der US-Wirtschaft und ein gegenüber dem Euro stärkerer Dollar haben den Effekt mit hervorgerufen“, so Tanner. Der US-Arbeitsmarkt hatte sich in der vergangenen Woche etwas eingetrübt: Bei den wöchentlichen Erstanträgen zur Arbeitslosenhilfe hatte man überraschend eine Erhöhung gegenüber der Vorwoche um 43'000 auf 474’000 gemessen. Das war der höchste Stand seit August 2010 und lag deutlich über den Erwartungen.

Beim Ölpreis hatte die geopolitische Entwicklung Auswirkungen auf die Preise:  Die Meldung über den Tod des Al-Kaida-Anführers Osama Bin Laden hatte den Rückgang eingeleitet, der Trend setzte sich im Wochenverlauf fort. Aber auch hier dürfte die Entwicklung längerfristig nach oben zeigen.

Rücksetzer und kein Rückgang

Auch die Experten der Picard Angst Commodity AG sehen in der vergangenen Woche eher einen Rücksetzer als einen Rückgang. In den kommenden Tagen dürfte ihrer Einschätzung nach die Nervosität an den Rohstoffmärkten zwar noch anhalten, eine Blasenbildung sehen sie aber nicht. „Bis Ende des Monats Mai dürfte sich die Lage wieder beruhigt haben“, so die Analysten in einem Communiqué.

„Höchstens beim Silber könnte man von einer Blasenbildung sprechen“, sagt Sarasin-Expertin Tanner. Nachdem das Edelmetall in den vergangenen Wochen das Allzeithoch von 49,51 Dollar erreicht hatte, war der Preis um ein Viertel abgestürzt. Die Höhenflüge dürften Tanners Einschätzung nach nun zu Ende sein. Das bleibt aber die Ausnahme. Beim Gold etwa, das noch stärker von strukturellen Treibern wie den Zentralbanken abhängt, sieht die Expertin weiterhin „moderates Aufwärtspotential“.

(tno)