Eine Krise eröffnet Chancen: Diese Volksweisheit bestätigt sich auch im Geschäft mit strukturierten Produkten. Vorausgesetzt natürlich, dass Berater und Emittenten zur Selbstreflektion bereit sind und aus dem vergangenen schwierigen Börsenjahr einige Lehren gezogen haben. Der Markt für strukturierte Produkte hat zwischen 2003 und 2008 eine beeindruckende Dynamik an den Tag gelegt: Die Produktvielfalt und Euphorie über ansprechende Produktkonditionen waren kaum zu bremsen. Einige Jahre lang ist die Markterwartung aufgegangen, die mit den eingesetzten Strukturen verbunden war. Nach den Marktturbulenzen und dem Ausfall eines grösseren Emittenten im letzten Herbst kam jedoch die grosse Ernüchterung. Indessen besinnt man sich wieder auf Qualität, und zwar nicht nur, was die Produktauswahl betrifft, sondern vor allem auch in Bezug auf Beratung.

Marktmeinung festlegen

Der Beratungsprozess in Bezug auf strukturierte Produkte ist mehrschichtig und sollte verschiedenen Anforderungen genügen. Im Dialog müssen neben der Funktionsweise des Produktes die Chancen und Risiken ausgewogen und verständlich dargestellt werden. Dazu gehört auch, dass die Struktur nicht isoliert vom Basiswert betrachtet wird. Die Auseinandersetzung mit dem Basiswert bedingt nämlich, dass sich im Beratungsprozess eine Marktmeinung herauskristallisiert. Sich von interessanten Konditionen wie von einem hohen Coupon verleiten zu lassen, bringt nicht selten unbefriedigende Resultate. Denn auch hier gilt, je höher die Gewinnmöglichkeit, desto höher das Risiko.

Im Zusammenhang mit der Wahl des Basiswertes und der Definition der Marktmeinung ist die Berücksichtigung des Portfoliokontextes entscheidend. Als Richtlinie gilt dabei die Diversifikation über Anlageklassen, Sektoren, einzelne Titel und Emittenten. So ist es beispielsweise sicher weniger sinnvoll, einen Multi Barrier Reverse Convertible, bei dem eine Aktienlieferung möglich ist, auf drei Bankaktien zu kaufen, wenn ein bedeutender Anteil der Portfoliozusammensetzung bereits in Finanzwerte investiert ist.

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Mit dem Kauf des Produktes ist der Beratungsprozess jedoch nicht beendet. Da sich die Risiken eines strukturierten Produktes aufgrund der Marktparameter während der Laufzeit ändern können, ist eine regelmässige Überwachung von Vorteil.

Verantwortung der Emitenten

Anforderungen ergeben sich aber nicht nur im Beratungsprozess, sondern auch für den Emittenten von strukturierten Produkten. Diese beziehen sich auf die Produktqualität sowie auf die Dienstleistungen rund um das Produkt. Was sich in puncto Produktqualität besonders in der Krise herauskristallisiert hat, ist, dass komplexe Strukturen nicht marktfähig sind. Produktqualität zeichnet sich durch Verständlichkeit und durch eine gute Handelbarkeit, also durch Liquidität aus. Anleger müssen jederzeit Umschichtungen vornehmen können und entsprechend die nötige Flexibilität haben. Diese Anforderung haben strukturierte Produkte auch in schwierigen Zeiten weitgehend erfüllt.

Neben der Produktqualität hat der Emittent bezüglich Dienstleistungen rund um das Produkt verschiedene Anforderungen zu erfüllen, denn mit dem Verkauf des Produktes ist es nicht geschehen. Eine möglichst grosse Vielfalt oder Vielzahl an Produkten zu emittieren, ist kein Leistungsausweis mehr. Emittenten sind daran interessiert, die Anleger auch nach dem Kauf eines Produktes zu begleiten. So müssen, was Information und Aufklärung betrifft, die Stossrichtungen, die bereits vor der Krise initiiert wurden, weiter verstärkt werden. Dazu gehören übersichtlich gestaltete Internetseiten mit aktuellen Kursen oder dynamischen und täglich aktualisierten Factsheets mit den wichtigsten Produktinformationen sowie periodisch erscheinende Publikationen. Die Performanceanalyse von bereits emittierten Produkten, die Erklärung ihrer Bewertungen und vor allem die Beurteilung bestehender Produkte im Portfolio müssen für den Anleger zugänglich gemacht werden. Information schafft schliesslich Vertrauen in den getätigten Anlageentscheid.

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Das Zusammenspiel zwischen einem kompetenten Beratungsprozess und hoher Produktqualität wird auch in Zukunft Mehrwert für den Anleger bringen.