INVESTMENT. In den vergangenen vier Jahren nahm das Angebot an Aktien aufgrund von Aktienrückkäufen in Milliardenhöhe, rekordverdächtigen Übernahmen und einer grossen Zahl von Fusionen um Hunderte von Mrd Dollar ab. Ein geringeres Aktienangebot und eine starke Nachfrage führten zu einer Rally – doch angesichts der sich abschwächenden Konjunktur und der Probleme auf dem Kreditmarkt wünscht sich manches Grossunternehmen, es hätte mehr Cash behalten, anstatt Aktien zurückzukaufen.

Als beispielsweise bekannt wurde, dass Hypothekenaufkäufer Freddie Mac seine Dividende halbieren wolle und eine Kapitalspritze für seinen Rekordverlust suche, fiel der Kurs um 29%. Zu Jahresanfang hatte Freddie mindestens 1 Mrd Dollar für Aktienrückkäufe aufgewendet und sie durch Vorzugsaktien ersetzt. Fannie Mae, die grösste amerikanische Hypothekenbank, sammelte in knapp zwei Monaten 1,5 Mrd Dollar durch die Ausgabe von Vorzugsaktien ein. Der Kurs fiel innert einer Woche um 25% auf den tiefsten Stand. Die Trendumkehr zeigt den Fehler in der Rückkaufstrategie. Vom 3. Quartal 2002 bis zum 2. Quartal dieses Jahres verschwanden nach Angaben der Fed Aktien von Unternehmen ausserhalb der Finanzbranche im Wert von über 1,5 Billionen Dollar vom Markt. Der Höhepunkt war im 2. Quartal dieses Jahres erreicht, als saisonbereinigt netto 192,5 Mrd Aktien aus dem Markt genommen wurden. Ein Teil des dafür notwendigen Geldes (156,5 Mrd ) kam aus dem Kreditmarkt.

Investoren schätzen Rückkäufe normalerweise sehr, da sie zeigen, dass ein Unternehmen über viel Cash verfügt. Viele Unternehmen liessen sich allerdings auch dazu hinreissen, für die beliebte Rekapitalisierung neues Geld aufzunehmen.

Diese zusätzlichen Schulden haben «zu Herabstufungen von etwa einem Dutzend Investment-Grade-Unternehmen geführt», weiss Analyst Nick Riccio von S&P. Home Depot wurde von der Ratingagentur S&P im Juli von A-plus auf BBB herabgestuft. Hauptgrund: Die Pläne des Baumarktbetreibers, ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von insgesamt 22,5 Mrd Dollar unter anderem mit 12 Mrd Dollar Schulden zu finanzieren. Das Programm wurde inzwischen gestoppt.

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Aktienrückkauf bleibt dennoch ein beliebtes Mittel, um die Gewinne der Aktieninhaber zu erhöhen, berichtet Howard Silverblatt, Indexanalyst von S&P. Die Unternehmen im S&P 500 werden in diesem Jahr mehr als eine halbe Billion für Aktienrückkäufe ausgeben (Vorjahr: 436 Mrd ). «Die Unternehmen haben noch ausreichend Kapazitäten dafür», so Silverblatt. Die Target Corp. hat vergangene Woche Rückkäufe in Höhe von 10 Mrd Dollar angekündigt.