Die Derivatebranche meldet sich aus der Versenkung zurück. Nach einer längeren Durststrecke mehren sich nun positive Signale von Seiten der Emittenten. «Jetzt ist ein Level erreicht, auf dem sich Investitionen für die Emittenten wieder lohnen», sagt Daniel Manser, Geschäftsleiter von Derivative Partners. Die Belebung des Geschäfts hängt unmittelbar mit der Erholung der Aktienmärkte zusammen. «Steigen die Märkte, dann profitieren die strukturierten Produkte überproportional», so Manser.

Positive Nachrichten zu den Volkswirtschaften von Deutschland, Frankreich und Japan stimmten die Anleger ebenfalls zuversichtlich. Paolo Vanini, Leiter Strukturierte Produkte und Cross Assets bei der Zürcher Kantonalbank ZKB, führt auch die schlechten Konditionen auf den Sparkonti sowie verfügbares Bargeld als Grund für die Entspannung bei einzelnen Emittenten an.

Risiko ist wieder gefragt

Entspannt zeigen sich auch die Anleger: Hoch im Kurs stehen wieder die Renditeoptimierungsprodukte. Dies deutet darauf hin, dass die Risikobereitschaft wieder etwas gestiegen ist. Auch das aktuell tiefe Zinsumfeld macht die Vehikel zu einer interessanten Anlagemöglichkeit. Nach wie vor gefragt sind aber auch Kapitalschutzprodukte.

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Bei den Basiswerten ist laut Buck von Scoach eine Verschiebung weg von Aktienprodukten und hin zu Papieren mit Anleihen oder Zinsen als Basiswert zu beobachten. Ein Hinweis darauf, dass viele Investoren noch nicht überzeugt sind von einer Fortsetzung der Erholung der Aktienkurse. Zwar sind die Umsätze an der Derivatebörse Scoach nach wie vor stagnierend, doch scheint bei den monatlich durchschnittlich gut 2,8 Mrd Fr., die von März bis Juli erzielt wurden, ein stabiler Boden gefunden. Und dies in den üblicherweise eher flauen Sommermonaten: «Die Volumen und die Anzahl Abschlüsse haben sich in den letzten Monaten auf gutem Niveau gehalten und das Interesse von Emittenten und von Kunden hat sich stabilisiert», sagt André Buck, Head of Sales and Marketing bei Scoach. Manser kann sich sogar eine weitere Erholung vorstellen: «Der August wird voraussichtlich umsatzmässig der bisher beste Monat dieses Jahr», so der Derivate-experte. Beim derzeitigen Marktführer Vontobel ist man mit dem Geschäftsgang sehr zufrieden. «Im Vergleich zum 1. Quartal hat sich in den Sommermonaten die Nachfrage nach strukturierten Produkten auf Aktien spürbar verstärkt», sagt Roger Studer, Leiter Investment Banking bei Vontobel und Präsident des Schweizerischen Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP).

Bei ABN Amro liefen die Telefone im Sommer ebenfalls heiss: «Dies schlägt sich innerhalb weniger Tage auf die Umsätze nieder. Sie sind trotz der Sommerferien höher als zum Jahresbeginn ausgefallen», sagt Irène Brunner, Head Public Distribution Switzerland bei ABN Amro. Nachdem die Emittenten monatelang sowohl personell wie auch beim Marketing auf der Kostenbremse gestanden haben, lässt jetzt auch hier der Druck nach. «Ich weiss von drei Emittenten, die ihre Derivate-teams jetzt wieder aufstocken», berichtet Manser. Auch Vontobel braucht mehr Kapazitäten: «Mit der steigenden Nachfrage nach unseren Produkten benötigen wir vermehrt Personal, um unseren bestehenden und neuen Kunden den gewohnten Service zu bieten», so Studer.

Neue Stellen und Re-Branding

Bei der ZKB, der aktuellen Nr. 2 im Derivategeschäft, heisst es: «Wir haben bereits vor einem Jahr begonnen, uns personell zu verstärken, das Team wurde um 5% aufgestockt.» Bis auf eine Position sei dieser Prozess jetzt aber abgeschlossen. Bei ABN Amro fühlt man sich personell zwar gut aufgestellt, jedoch steht eine grössere ReBranding-Kampagne bevor. Ab 7. September übernimmt ABN Amro nämlich den Namen ihrer Besitzerin, Royal Bank of Scotland. Aus Kundensicht ändert sich vorerst jedoch nur der Name.

Bei den kotierten Vehikeln geben die Grossen den Ton an

Auf die Frage, welche Emittenten im aktuellen Marktumfeld gut aufgestellt seien, antwortet Manser: «Profitieren können jetzt jene Anbieter, die in schlechten Zeiten Verlässlichkeit und Transparenz bewiesen haben.» Für diese hat sich das Durchhalten gelohnt. Den Kuchen müssen sie heute nämlich mit weniger Mitbewerbern teilen.

Der Anteil «Übrige» hat sich von fast einem Drittel im Juli 2008 auf rund 19% im Juli 2009 reduziert (siehe Grafik). So hat etwa die US-Investmentbank Merrill Lynch ihr Derivategeschäft in der Krise stark reduziert. Marktanteile eingebüsst hat auch die Deutsche Bank, nachdem sie noch vor einem Jahr mit tiefen Preisen Anleger für ihre Produkte gewinnen konnte. Weiter ist die Dresdner Bank von der Commerzbank übernommen worden. Die Platzhirsche im Schweizer Segment der strukturierten Produkte sind heute die ZKB und Vontobel. Letztere vermochte ihren Marktanteil von 20% im 2. Halbjahr 2008 auf 30% im 1. Halbjahr 2009 zu steigern. Seit nach der Lehman-Pleite vom letzten September die Diskussionen um Emittentenbonität bei strukturierten Produkten entbrannten, profitiert die ZKB von ihrer De-facto- Staatsgarantie. (maj)

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