Es läuft wieder an der Wall Street. Laut Gehaltsprognose für 2009 will die Goldman-Sachs-Gruppe in diesem Jahr 20 Mrd Dollar (700 000 Dollar pro Angestelltem) auszahlen - fast doppelt so viel wie die durchschnittliche Zahlung von 363 000 Dollar im vergangenen Jahr. Analysten schätzen, dass das Unternehmen im Geschäftsjahr 2007 durchschnittlich 661000 Dollar pro Angestelltem ausgab. Auch Morgan Stanley wird in diesem Jahr wahrscheinlich 11 bis 14 Mrd Dollar für Gehälter und Boni lockermachen, prognostizieren Analysten.

In der Regel gehen bei den US-Finanzunternehmen etwa 50% der Einnahmen für Gehälter drauf. Am meisten wird in den aufstrebenden Geschäftsbereichen geboten, wie zum Beispiel im Investment Banking und im Junk-Bond-Handel.

Russ Gerson vermittelt Führungskräfte an die Wall Street. Für ihn ist es noch zu früh zu sagen, ob sich die guten Ergebnisse des 1. und 2. Quartals am Ende des Jahres entsprechend auf die Gehaltsabrechnungen auswirken. «Die ganze Euphorie über Extrazahlungen basiert auf der Erwartung, dass der Handel zur Normalität zurückkehrt und wir uns wieder in einem stabilen Umfeld bewegen. Sollte das 4. Quartal deutlich schlechter ausfallen, werden die Bonuszahlungen so niedrig wie 2008», so Gerson.

Diese Entwicklung zeigt, wie schwer es für die Wall Street ist, ihre alten Muster zu durchbrechen. Die Rückzahlung der Finanzspritze an die US-Regierung befreite Goldman, Morgan Stanley und andere grosse Finanzunternehmen von den Beschränkungen bei den Gehältern. Die Deutsche Bank soll potenziellen Händlern und Verkäufern sogar auf zwei Jahre garantierte Vergütungen anbieten, heisst es aus gut informierten Kreisen.

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Die jüngsten Lohnsteigerungen reflektieren die Bemühungen der Wall-Street-Chefs, die Zahlungen hoch genug zu halten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Und niedrig genug, um den Zorn der Gesetzgeber fernzuhalten.