Ende März fiel der VSMI, der Index, der die Volatilität der SMI-Optionen erfasst, auf unter 14%. Das entspricht dem tiefsten Stand seit drei Jahren und ist ein weiteres Zeichen für die Beruhigung an den Finanzmärkten.

Für Derivateanleger ist die Volatilität aus zwei Gründen wichtig: Einerseits weist die historische Volatilität, die durch den VSMI erfasst wird, auf die Schwankungsbreite der letzten Handelswochen hin. Je ruhiger die Lage, desto kleiner - in Prozentwerten gemessen - die Schwankungen, die an der Börse stattgefunden haben.

Wichtiger als Vergangenheitsdaten sind an den Aktienmärkten aber die Prognosen für das kommende Jahr. Ähnlich funktioniert es mit der «impliziten» Volatilität. Sie drückt die Schwankungsbreite aus, welche die Marktteilnehmer für Indizes, Aktien oder weitere Basiswerte erwarten. Die implizite Volatilität ist für die Preisberechnung von Call- und Put-Warrants, Reverse Convertibles, Discount-Zertifikaten oder Aktienanleihen von grosser Bedeutung.

Anzeige

Bei Warrants gilt: Je höher die Volatilität, desto «teurer» der Schein. Wenn die Börse steigt, geht oft auch die Volatilität zurück. Dadurch legt ein Call-Warrant zumeist etwas weniger zu, als es der Anstieg des Basiswertes und der Hebel erwarten lassen. Bei starken Einbrüchen, in denen die Volatilität oft rasant zunimmt, verteuern sich die Put-Warrants dagegen überproportional.

Einheitspreise dank Konkurrenz

Die tiefe Volatilität macht Warrants auf Einzelaktien wieder attraktiv. Unter den 20 meistgehandelten Hebelprodukten der letzten Handelstage befinden sich gleich 17 Call-Warrants auf Einzelaktien. Sehr beliebt sind gegenwärtig die Roche-Calls ROGJR und BKROGA, die ABB-Papiere ABBEB und ABBDG sowie die UBS-Scheine UBSZW und UBSJL. Bei rege gehandelten Produkten wie ROXDB und ROGKC, deren Ausübungspreis, Verfalldatum und Ratio identisch sind, kann es sich lohnen, auf die Volatilität zu achten, um das günstigere Produkt zu finden. Bei ROGKC liegt sie bei 20,7%, bei ROXDB bei 22%. Dies schlägt sich im Preis nieder, weshalb ROGKC gegenwärtig 1 Rp. billiger ist. Allerdings sorgt gerade der intensive Wettbewerbsdruck unter den Emittenten dafür, dass die Preise bei Standardprodukten nur minimal streuen.

Ungleich grösser sind die Differenzen bei Renditeoptimierungsprodukten, wo es oft schon schwierig ist, vergleichbare Produkte zu finden, und bei pfandbesicherten Produkten (mit Zusatz «Cosi»), die generell etwas teurer sind. Hier gilt als Regel: Je höher die Volatilität des Basiswertes, desto grösser die Coupons bzw. desto grösser die Abschläge. Nestlé-Produkte beispielsweise weisen aufgrund dieser Faktoren kleinere Coupons aus als Produkte auf schwankungsanfällige Finanzwerte.

Etwa alle drei Jahre wird die Volatilität selber als Produkt von Emittenten «wiederentdeckt», weil ihre Eigenschaften sie zu einem möglichen Absicherungsprodukt als Ergänzung und/oder Ersatz für Index-Puts machen. Die letzten Produkte dieser Art wurden von den Emittenten vor zwei Jahren unauffällig vom Markt genommen, weil sie sich aufgrund der asymmetrischen Eigenschaften des Basiswertes (die Volatilität ist meistens relativ niedrig und nur kurzfristig sehr hoch) auch von erfahrenen Anlegern nur bedingt sinnvoll einsetzen liessen. Besser sind die einfachen Indextracker wie VXFC auf den in Chicago gehandelten Volatilitätsindex der US-Börse. Dieser Schein ist zwar ebenfalls stark gefallen, weil auch an den US-Börsen die Volatilität auf Rekordtief liegt, aber hier gilt das Gleiche wie für die Depotabsicherung durch Index-Puts: Man muss sie kaufen, wenn die Lage ruhig ist und die Preise im Keller stehen.

Anzeige