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SAP mit fragwürdiger Wende

Die SAP kauft eine grössere andere Softwarefirma – und schwenkt damit auf den gleichen strategischen Kurs wie Konkurrent Oracle ein. Weil sie aber dafür wesentlich mehr Geld zahlt, verleiht sie der Or

Von Matthias Niklowitz
am 10.10.2007

SOFTWARE. Noch beim Analysten-Konferenzgespräch zum Halbjahresergebnis Ende Juli liess das SAP-Management verlauten, dass man ein weitgehend organisches Wachstum den Akquisitionen vorzieht. Die Zahlen gaben SAP bisher Recht – im letzten Quartal wuchs der wichtige Lizenzumsatz bei Applikationen um 21% gegenüber 18% bei Oracle, wenn man beim US-Konzern Akquisitions- und Währungseffekte herausrechnet.

Diese Woche hat SAP eine strategische Kehrtwende vollzogen. Für 4,8 Mrd Euro kauft SAP das französisch-amerikanische Softwarehaus Business Objects, das sich auf Software für die Analyse von Geschäftsdaten spezialisiert hat. Der Kaufpreis entspricht einer Prämie von 20% gegenüber dem letzten Kurs von Business Objects vor der Ankündigung.

Einen stolzen Preis bezahlt

SAP bezahlt damit das 4,4-Fache des für 2007 zu erwartenden Umsatzes. Oracle hatte vor neun Monaten bereits Konkurrent Hyperion gekauft und dafür das 2,9-Fache des Umsatzes ausgelegt. Der höhere Preis erscheint in einem besonderen Licht, weil Business Objects just am Morgen der Übernahme vor einem enttäuschenden Lizenzumsatz im gerade abgeschlossenen Quartal gewarnt hatte. Laut SAP reduziert sich durch den Kauf der Gewinn pro Aktie im kommenden Jahr um einen «mittelhohen einstelligen Cent-Betrag». Das entspricht einer Reduktion des von den Analysten prognostizierten Betrags um schätzungsweise 2,5%. Die hohe Bewertung von SAP – sie wurde vor dem Kauf von Business Objects mit dem 21-Fachen der Gewinnerwartung für 2008 gehandelt, 50% mehr als die grossen drei Softwarehäuser Oracle, Microsoft und IBM – macht die Aktien sehr anfällig für Gewinnmitnahmen. Hinzu kommen laut den Analysten von BNP Paribas, der Société Générale und von Cowen weitere Fragen um die strategische Wende bei SAP. Anders als bei Oracle hat SAP kaum Erfahrung bei der Integration grosser Softwarefirmen. Zwar lief auch bei Oracle bei der Integration von PeopleSoft, dem ersten wirklich grossen Kauf, nicht alles gut, aber mit jeder weiteren Akquisition gelang die Integration besser, und vor allem konnten die Umsätze und die allermeisten Kunden der gekauften Firmen gehalten werden. SAP bleiben jetzt als Späteinsteiger im Übernahmekarussell die weniger attraktiven und teuren Firmen – wobei Business Objects zwar attraktiv ist, aber eben auch seinen hohen Preis hat. Schliesslich hat SAP, anders als Oracle, nicht die finanziellen Muskeln, um eine aggressive Strategieänderung zu finanzieren. Die Oracle-Aktie erscheint im Licht der jüngsten Strategiewende bei SAP zum ersten Mal seit Jahren attraktiver als die von SAP.

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