Die Aktien der Bank Sarasin tendieren im frühen Geschäft deutlich schwächer. Der Mehrheitseigner der Bank, die niederländische Rabobank, hatte am Freitag nach Börsenschluss den Verkauf ihres Aktienpakets an die Safra Group für 36 Franken pro B-Namenaktie gemeldet.

Mit einem Verkauf an Safra hatten die Marktteilnehmer nicht gerechnet. Analysten bewerten die Transaktion für Sarasin als positiv, erwarten für die Minderheitsaktionäre aber kein Angebot von über 27 Franken pro Aktie.

Die Aktien der Bank Sarasin, die den Handel mit einem Minus von 14,6 Prozent aufgenommen haben, kosten am Montag bis gegen 11.10 Uhr 29,15 Franken (-15,01 Prozent). Die Valoren der Bank Julius Bär, die von der Gerüchteküche als Favorit bei einer möglichen Übernahme genannt worden war, notieren 0,35 Prozent tiefer auf 31,43 Franken. Der Gesamtmarkt (SMI) steht dagegen 1,96 Prozent höher.

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36 Franken pro B-Namenaktie

Seit Wochen hatten sich im Markt Gerüchte hartnäckig gehalten, wonach sowohl Julius Bär und als auch die Raiffeisen-Gruppe von der Rabobank das Aktienpaket kaufen wollten, das die Niederländer an der Basler Privatbank bisher hielten. Den Spekulationen zufolge soll Julius Bär 39 Franken pro B-Namenaktie geboten haben.

Nun kam weder Julius Bär noch Raiffeisen zum Zug, sondern die brasilianisch-schweizerische Safra Group. Diese bietet pro B-Namenaktie 36 Franken und wird künftig - die Zustimmung der Wettbewerbsbehörde vorausgesetzt - 46,07 Prozent des Kapitals und 68,63 Prozent der Stimmen halten. Ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre wird später vorgelegt.

Mit Safra als neuen Hauptaktionär habe im Markt kaum jemand gerechnet, obwohl einige Marktbeobachtern dem Vorstoss von Julius Bär wegen des Steuerstreits der Zürcher Bank mit den US-Behörden und einer ablehnenden Haltung des Sarasin-Managements gegenüber einer Übernahme durch Julius Bär geringe Chancen gegeben hätten, meinte ein Händler.

Gut kapitalisierte Privatbank von hoher Bonität

Sarasin und Safra würden sich geografisch ergänzen und eine grössere Restrukturierung, wie dies im Falle eines Kaufs durch Julius Bär zu erwarten gewesen wäre, sei nun nicht nötig, heisst es in einem Kommentar der Privatbanken-Einheit einer ausländischen Bank.

Teresa Nielsen, Analystin der Bank Vontobel, geht ebenfalls nicht von grösseren Restrukturierungen aus. In Europa, wo beide Unternehmen eine starke Präsenz aufweisen würden, könnten nun Grössenvorteile genutzt werden. Deshalb glaube sie nicht, dass es zu grösseren Personalkürzungen bei Sarasin kommen werde. Vielmehr dürfte der Fokus auf einem gezielten Ausbau der Geschäftsfelder liegen, schreibt Nielsen.

Safra sei im weiteren eine gut kapitalisierte Privatbank von hoher Bonität, die den guten Ruf von Sarasin weiter verbessern könnte.

Glück für Julius Bär?

Nach Zustimmung der Wettbewerbsbehörden zur Übernahem wird Safra pflichtgemäss den Minderheitsaktionären ein Angebot unterbreiten. Das Angebot dürfte sich gemäss UBS auf 27 Franken pro B-Namenaktie belaufen. Das entspricht 75 Prozent des von Safra an Rabobank bezahlten Preises je B-Aktie und bewegt sich damit regelkonform auf dem Minium des Durchschnittskurses der vergangenen 60 Tage. Da Safra die Kotierung der Sarasin-Valoren aufrecht erhalten wolle, rechnet die UBS nicht mit einem höheren Angebot.

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Dass Julius Bär bei Sarasin nun nicht zum Zuge gekommen ist, bewertet Kepler für die Bär-Aktionäre als positiv. Sollten die Gerüchte bezüglich des Bär-Angebots korrekt gewesen sein, dann hätte die Zürcher Bank Sarasin vermutlich überbezahlt, heisst es in einem Kommentar.

Zudem wäre es wohl angesichts dem Sarasin-Management nicht genehmen Käufer schwierig gewesen, Synergien zu realisieren. Ohne diese Akquisition könne Julius Bär nun Aktien zurückkaufen und eine ordentliche Dividende zahlen. Das sei möglicherweise von grösserem Interesse für die Aktionäre, als eine Übernahme, schreibt Kepler weiter.

(tno/kgh/awp)