Für die Investmentbanker der Credit Suisse sah die Zukunft im Januar 2009 noch rabenschwarz aus. Das Investment-Banking wurde von vielen für tot erklärt. Vorbei waren die Boomzeiten, in denen die Investmentbanker der Credit Suisse Geschäftsimmobilien und Kredite für Unternehmensfinanzierungen im grossen Stil verbrieft und an ihre Kunden weiter verkauft haben. Im Zuge der Finanzkrise ist das Geschäft zum Stillstand gekommen. Die Bank blieb auf den Papieren sitzen, die zunehmend an Wert verloren und damit die CS jedes Quartal erneut zu hohen Wertberichtigungen zwangen.

Um die Bilanz zu entlasten, hatte das CS-Management die Idee, die toxisch gewordenen Papiere an die beteiligten Investmentbanker zu übertragen. Die Papiere wurden in einen Fonds ausgelagert. Rund 2000 Investmentbanker erhielten 80% des gesperrten Teils von ihrem Bonus für das Jahr 2008 in Form von Anteilen an diesem Fonds namens Partner Asset Facility (PAF) mit einem Wert von insgesamt 686 Mio Fr. Die restlichen aufgeschobenen 20% wurden in Form von Credit-Suisse-Aktien entrichtet (siehe Zweittext).

2009 ist der Wert der PAF-Ansprüche um 72% gestiegen. Gemäss Recherchen der «Handelszeitung» ist der Wert zwischenzeitlich etwas gesunken, per Ende Juni 2010 verbuchen die Investmentbanker aber noch immer einen Gewinn von über 60% auf ihren Anteilen.

«Diese Wertentwicklungen sind lediglich Momentaufnahmen mit beschränkter Aussagekraft, denn die Auszahlungen von PAF-Ansprüchen kann frühstens 2014 erfolgen», sagt dazu CS-Sprecher Marc Dosch.Bis die Schrottpapier-Boni ausbezahlt werden, müssen sich die CS-Banker tatsächlich gedulden: Der PAF-Fonds hat eine Laufzeit von acht Jahren. Auf dem Papier hat sich der Bonus für die Investmentbanker per Ende Juni 2010 allerdings im Durchschnitt bereits auf schätzungsweise 550 000 Fr. zusammengeläppert. Zudem erhalten die Banker halbjährliche Zinszahlungen.

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Massive Gewinne für Banker

Als der Fonds im Januar 2009 lanciert wurde, ahnten wohl die wenigsten Investmentbanker, dass der Tiefpunkt an den illiquid gewordenen Märkten schon sehr nahe war. «Ab März 2009 ist die Liquidität in die Verbriefungsmärkte zurückgekehrt», sagt Daniel Riediker, CEO von Alegra Capital, einem im Bereich Strukturierte Kreditverbriefungen tätigen Asset Manager. Danach ging es stetig aufwärts.

Bis heute hat sich der Fonds ähnlich gut entwickelt wie die Aktien der Credit Suisse, die im gleichen Zeitraum etwa 60% an Wert zugelegt haben. Die Schrottpapiere der Credit Suisse wurden massiv abgeschrieben, bevor sie in den Bonitopf gelegt wurden. «Um die Aktionäre nicht zu benachteiligen, hätten diese zum Anfangswert eingesetzt werden sollen», sagt Norbert Thom, Professor am Institut für Organisation und Personal (IOP) an der Universität Bern.

Parallelen zu UBS-Rettung

Andere Banken haben keine Boni-Systeme, die mit dem Konzept der Credit Suisse vergleichbar sind. Parallelen gibt es vielmehr zu den Rettungspaketen, wie es die UBS beanspruchte.

Auch die Grossbank hat ihre «toxischen» Papiere an die SNB ausgelagert. Im Fonds lagern aber vor allem Subprime-Papiere, die ebenfalls an Wert gewonnen haben und die Verluste auf den Euro-Beständen der Notenbank abfedern konnten. Die Subprime-Papiere, die der UBS fast das Genick gebrochen haben, standen im Brennpunkt der Krise.

Ein früherer Top-Investmentbanker erwartet nicht, dass die Subprime-Papiere weiter stark an Wert gewinnen werden. Besser sieht es bei Papieren aus, welche im Fonds der Credit Suisse sind. In den letzten zwei Monaten hätten sich die Märkte wieder deutlich erholt, sagt Riediker. Ein weiteres erhebliches Aufwärtspotenzial sieht er bei den verbrieften Krediten für Unternehmensfinanzierungen.

 Rund 2000 CS-Manager kriegten PAF-Anteile

Die Bankenspitze machte rund 2000 Top-Leute im Rang von Managing Directors oder Directors der CS-Investmentbank zu Beteiligten. Die hochbezahlten Investmentbanker erhielten neben ihren Fixsalären, die oft über 1 Mio Dollar lagen, einen Grossteil ihres für 2008 aufgeschobenen Bonus in Form von PAF-Anteilen.

Einer von ihnen ist CS-Direktor Keenan Choy, der laut Insidern mitgeholfen haben soll, das PAF-Konstrukt in die Welt zu setzen. Choy war einst Analyst beim US-Broker Kidder Peabody, früher eine führende Adresse bei der Verschreibung von amerikanischen Hypotheken. Über einen Job im Handelsgeschäft der Deutschen Bank stiess Choy zur CS, wo er heute in der Kapitalmarktgruppe in New York tätig ist. Choy und seine Kollegen könnten sich mit ihren PAF-Anteilen eine goldene Nase verdienen. Die Chancen stehen vor allem wegen der Laufzeit von acht Jahren gut. Erinnerungen an den umstrittenen Performance Incentive Plan (PIP) der CS werden wach. Dieser führte diesen Frühling zu einer Rekordauszahlung von 71 Mio Fr. für CS-CEO Brady Dougan. Auch der PIP-Erfolg hing massgeblich mit der langen Laufzeit von fünf Jahren zusammen.(lh)