Aus Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen des Falls Jamal Khashoggi ziehen sich Anleger aus dem Aktienmarkt Saudi-Arabiens zurück. Investoren befürchteten wegen der internationalen Empörung über die mutmassliche Ermordung des regimekritischen Journalisten einen versiegenden Zufluss ausländischen Kapitals, sagten Börsianer. Der Leitindex der Börse Riad fiel am Dienstag um bis zu vier Prozent. Auch der Schweizer Petrochemiekonzern Clariant, mit dem saudischen Ankeraktionär Sabic, befürchtet eine Auswirkung auf das Geschäft. 

Saudi-Arabien steht Medienberichten zufolge vor dem Eingeständnis, dass der verschwundene Journalist Jamal Khashoggi bei einem schief gelaufenen Verhör ums Leben gekommen sei. Eine entsprechende Erklärung sei in Arbeit, berichteten der US-TV-Sender CNN und die «New York Times» unter Berufung auf Insider.

Am Devisenmarkt löste die Aussicht auf ein Eingeständnis der Regierung in Riad Erleichterung aus. Dadurch könne der wirtschaftliche Schaden der Affäre begrenzt werden, sagte ein Börsianer. Dies gebe der saudi-arabischen Währung Auftrieb. Der Dollar verbilligte sich am Dienstag auf 3,7511 Rial, nachdem er am Montag die saudi-arabische Währung am Montag auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren abgestürzt war.

Der Fall hatte die Beziehungen Saudi-Arabiens zum Westen in den vergangenen Wochen belastet. Auch die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich und kostete am Dienstag nur noch 80,09 Dollar je Barrel. Das Königreich hatte mit Vergeltung gedroht, sollte es mit Wirtschaftssanktionen belegt werden. Aus Furcht vor Ausfällen saudiarabischer Lieferungen hatten sich Anleger mit Rohöl eingedeckt und den Ölpreis in die Höhe getrieben. 

Verhör ausser Kontrolle

CNN berichtete, Saudi-Arabien bereite eine Erklärung vor, dass Khashoggi ohne Genehmigung verhört worden sei. Demnach soll das Verhör des «Washington Post»-Kolumnisten ausser Kontrolle geraten und der Regierungskritiker dabei gestorben sein.

Die Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Die » New York Times» berichtete dagegen, dass Kronprinz Mohammed bin Salman einem Verhör oder einer Überstellung von Khashoggi zurück nach Saudi-Arabien zugestimmt habe. Die Regierung in Riad wolle den Prinzen schützen, indem sie einen Geheimdienstmitarbeiter für den vermasselten Einsatz verantwortlich mache, hiess es in dem Blatt weiter.

Im Zusammenhang mit dem Verschwinden des regimekritischen Journalisten am 2. Oktober wurde inzwischen das saudiarabische Konsulat in Istanbul durchsucht. Nach neun Stunden verliessen die Teams türkischer und saudiarabischer Ermittler am Dienstagmorgen die diplomatische Vertretung wieder. Zu neuen Erkenntnissen wurde zunächst nichts bekannt. Die Türkei beschuldigt Saudi-Arabien, Khashoggi getötet und seine Leiche fortgeschafft zu haben. Die Regierung in Riad hatte dies bislang zurückgewiesen. Der amerikanische Präsident Trump hatte Saudi-Arabien mit ernsten Konsequenzen gedroht. US-Aussenminister Mike Pompeo reiste nach Saudi-Arabien, um mit König Salman über den Fall sprechen.

Saudische Konferenz mit CS-Beteiligung

Aufgrund der Ereignisse sagte zahlreiche hochkarätige Besucher einer Investment-Konferenz in der saudischen Hauptstadt Riad Ende des Monats ihre Teilnahme an. Die Future Investment Initiative (FII) in Saudi Arabien ist eine der grössten Investoren-Gipfel weltweit, der von der Credit Suisse gesponsert wird. Konzernchef Tidjane Thiam, selbst im Advisory Board von FII, sagte nach Information von «Bloomberg» seinen Auftritt nun ebenfalls ab.

(mlo, mit Material von Reuters)

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