Die Weltmeere bergen noch riesige unentdeckte Schätze, davon ist man auch beim südafrikanischen Minenbetreiber AngloGold überzeugt. Um die Böden der Weltmeere nach Gold und anderen Bodenschätzen abzusuchen, machen sie nun gemeinsame Sache mit dem Diamantenförderer De Beers.

Im Gegensatz zu Offshore-Bohrungen und der Gasindustrie steckt der Abbau in der Tiefsee noch in den Kinderschuhen. Die führenden Unternehmen bei der Jagd nach Bodenschätzen und unedlen Metallen, Neptune Minerals aus Sydney und Nautilus aus Toronto, haben mit dem Abbau noch gar nicht begonnen. Neptune forscht vor der Küste von Neuseeland. Den ersten Abbauantrag stellte es im Juli 2008. Nautilus erwartet eine Erlaubnis von Papua-Neuguinea in diesem Jahr.

AngloGold ist einer der grössten Goldproduzenten der Welt. Die Partnerschaft mit De Beers, weltweit führend beim Abbau in der Tiefsee, sieht das Johannesburger Unternehmen als einen Pionierschritt, der ihm Vorteile verschafft. Das Geschäftsfeld wird von beiden gleichermassen betrieben, AngloGold wird die Anschubfinanzierung bereitstellen.

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48,1 Tonnen Meer-Diamanten

Die Edelsteingewinnung aus dem Meer hat bei De Beers eine langjährige Erfolgsgeschichte. Die Tochter De Beers Marine Namibia holte vergangenes Jahr fast 1,06 Mio Karat aus einer Wassertiefe von 90 bis 140 m. Insgesamt gewann das Unternehmen 48,1 Mio Karat.

«Durch die Partnerschaft eines der erfolgreichsten Goldproduzenten der Welt mit den führenden Meeresbergbauern schaffen wir starke Voraussetzungen, um neue Grenzen überschreiten zu können», sagt der AngloGold-Vorstandsvorsitzende Mark Cutifani. Nautilus Minerals, an denen Anglo American 11% Anteil halten, will den Pazifik vor Papua-Neuguinea beackern - mithilfe ferngesteuerter Unterwasserfahrzeuge und durch Einsatz von Offshore-Technologien. So wird Erz auf ein Schiff gepumpt und dann zur Verhüttung an Land gebracht. Das Unternehmen schätzt, dass sein wichtigstes Projekt, Solwara 1, das 1600 m unter Wasser liegt, ein Kupfer-, Gold-, Silber- und Zinkvorkommen von 870000 t aufweist. Vergangenen Monat wurde Nautilus von Papua-Neuguinea im Prinzip die Umweltgenehmigung erteilt. Jetzt werde alles darangesetzt, eine Abbauerlaubnis zu bekommen, so das Unternehmen.

Laut AngloGold wird das Joint Venture mit De Beers nach Metall- und Minerallagerstätten forschen - zwischen Küste und Kontinentalrand. Und das weltweit. Nach Diamanten wird nicht gesucht, es sei denn, sie werden mit anderen Mineralen gefunden.

Zwei Forschungsschiffe

Das gemeinsame Unternehmen wird zwei Forschungsschiffe von De Beers Marine Namibia, Douglas Bay und Cora Sea, einsetzen, die schon den Meeresgrund nach Diamanten abgesucht haben.

De Beers, das zu 45% von Anglo American, zu 40% von der Oppenheimer-Familie und zu 15% von der Regierung von Botswana gehalten wird, ist sicher, dass seine Expertise auch für die Erkundung anderer Mineralien benutzt werden kann. AngloGold-Pressesprecher Alan Fine sagt, das Venture habe schon eine Anzahl von Forschungsprojekten ausfindig gemacht. Er wollte allerdings nicht sagen, wo sich diese befinden, solange sich das Unternehmen noch in Verhandlungen mit Regierungen und Regulierungsbehörden befindet.

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