Für manche Aktien fällt die Performance seit Jahresbeginn verheerend aus. Eine Minusperformance von über 70% ist keine Seltenheit und trifft nicht nur die viel gescholtenen Finanzwerte, sondern auch Industrie-, Biotech- oder Medientitel (siehe Tabelle).

Doch könnte sich nun, angesichts der drastischen Kursrückgänge auf breiter Front, der Blick in die Niederungen des Swiss Performance Index (SPI) trotz der anhaltenden Finanzkrise wieder lohnen? «Es besteht die Chance, dass man einen Titel findet, der in Sippenhaft gezogen und übermässig abgestraft wurde», erklärt Christian Arnold, Leiter Equity Re-search Schweiz bei der Bank Sal. Oppenheim. Er gibt aber zu bedenken, dass man sich dabei nicht auf die grössten Loser im SPI konzentrieren soll, sondern den Fächer etwas breiter aufschlagen sollte. «Bei Titeln mit einem Minus von 80 bis 90% ist mit grosser Wahrscheinlichkeit wirklich etwas nicht in Ordnung», so der Analyst. Offensichtlich wird dies bei der Biotech-Firma Arpida, die erst vergangene Woche einen weiteren dramatischen Kurssturz erlebte, nachdem die US-Gesundheitsbehörde FDA der Firma die Zulassung für ihr Medikament Iclaprim verweigert hatte (siehe Seite 40).

Übertreibungen ausnutzen

Neben der erwähnten Sippenhaft sprechen auch zur Liquiditätsbeschaffung erzwungene Verkäufe (Forced Selling) sowie die an der Börse bekannten psychologischen Übertreibungen für eine genaue Analyse der abgestürzten Aktien. Mancher Anleger kann nämlich kaum nachvollziehen, dass eine Firma innerhalb von wenigen Monaten, trotz der veränderten Rahmenbedingungen, nur noch ein Fünftel des einstigen Marktpreises Wert sein soll zumal sich an den Technologien, der Kundenbasis und am Anlagevermögen kaum etwas geändert haben dürfte. «Der Börsenwert einer Firma ist manchmal losgelöst von der unternehmerischen Realität, welche sich über mehr als nur einen Zyklus erstreckt», bestätigt Markus Good, Head of Research bei der Valartis Bank. Insbesondere Unternehmer würden diese Meinung teilen. Und auch Aktionären täte ein etwas längerfristigerer Ansatz bei ihren Investments manchmal gut. Wer eine Aktie kaufe, solle sich nicht als Börsenspekulant, sondern als Teilhaber einer Firma sehen.

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Um eine genaue Analyse der einzelnen Titel aus den Hinterreihen kommt man aber dennoch nicht herum, schliesslich müssen Aktien, die tief gefallen sind, nicht zwangsläufig wieder stark ansteigen. Hinzu kommt, dass die momentane Krise manche Erkenntnisse aus der Vergangenheit widerlegt hat. So lagen in der Automobilindustrie die Schwankungen zwischen einer guten Konjunktur und einer Rezession bei rund 10%, während alleine in diesem Jahr die Umsätze bei den Autobauern um mehr als 20% eingebrochen sind.

Einzelne Analysten sprechen daher von einem abnormalen Konjunkturverlauf, bei dem die Erholung länger auf sich warten lassen könnte. Dies wiederum erfordert auch in Krisenzeiten kontinuierliche Cashflows, da die Firmen ansonsten Gefahr laufen können, in wenigen Jahren Pleite zu gehen.

Auch Bilanzkennzahlen beachten

Wer also unter den Flops des Jahres nach Perlen taucht, sollte daher auf regelmässige Cashflows achten und die Kennzahlen der Firmen exakt analysieren. «Neben den Kennzahlen der Erfolgsrechnung sollte man auch die Bilanzrisiken genau abschätzen», rät Sal. Oppenheim-Analyst Arnold. Von Titeln mit einem hohen Gearing (Verschuldungsgrad) sowie einem hohen Goodwill im Vergleich zum Eigenkapital würde er die Finger lassen. «Die Titel können vordergründig zwar günstig erscheinen, wenn die Bilanz aber zu hohe Risiken ausweist, dann würde ich sie nicht anrühren», so Arnold. Dazu gehört Uster Technologies mit einem Gearing von fast 90%.Schliesslich hilft es, wenn die Unternehmen über einen Trackrecord in Extrembedingungen verfügen und sich bereits in der Vergangenheit erfolgreich in Krisenzeiten behaupten konnten. Zu denken ist dabei an den Aufzug- und Fahrtreppenhersteller Schindler mit seinem wichtigen Service-Geschäft. Solche Firmen finden sich dann allerdings nicht unter den Flops des Jahres.