Nestlé macht ihrem Namen als Fels in der Brandung alle Ehre. Seit einem Tiefstand des Aktienkurses Mitte Januar (458 Fr.), ist der Wert des Titels bereits 10% gestiegen – während der Gesamtmarkt einen deutlichen Abwärtstrend zeichnet. Am Montag publiziert der Food-Riese aus Vevey die Zahlen des 1. Quartals. Die Analysten sind optimistisch. Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zufolge wird das 1. Quartal sehr stark ausfallen, was teilweise auch auf ausserordentliche Faktoren wie Schaltjahr und frühe Ostern zurückzuführen ist.

Wermutstropfen Währungen

Erwartet wird ein Umsatzzuwachs von 4,5% auf 25,3 Mrd Fr. Und: «Das gute organische Wachstum von 7,4% im Jahr 2007 wird sich 2008 fortsetzen. Ich schätze es auf 7,5%», prognostiziert die Vontobel-Analystin Claudia Lenz. ZKB-Analyst Schwendimann geht sogar von einem «ausgezeichneten organischen Umsatzwachstum von 9%» aus. Ein Wermutstropfen in den Nestlé-Resultaten wird der stark negative Währungseffekt sein.

Grund dafür ist der sehr schwache Dollar. Für Schweizer Unternehmen wie Nestlé fällt zunehmend auch der schwächer werdende Euro gegenüber dem Franken ins Gewicht. Für das gesamte Jahr rechnet Lenz mit einem Währungseffekt von minus 10%, im 1. Quartal mit minus 6,5%.

Akquisitionen sind möglich

Eine Freude hat Nestlé ihren Aktionären vor kurzem mit dem Verkauf des Augenpflegemittelherstellers Alcom beschert. Der Nahrungsmittelkonzern veräussert die Alcon-Beteiligung für 39 Mrd Dollar an Novartis. In einem ersten Schritt werden dieses Jahr 25% der Beteiligung für rund 11 Mrd Dollar verkauft. Bis 2010/11 wird Nestlé voraussichtlich spätestens ihre Beteilung von 77% verkauft haben. Die Auflösung der Alcon-Investition passt in die strategische Ausrichtung von Nestlé.

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Die Aktionäre belohnten den Entscheid mit Kursavancen. Nestlé verwendet die Mittel für den Schuldenabbau. Schwendimann schätzt die Nettoverschuldung für 2010 auf 30 Mrd Fr.: «Mit dieser Transaktion wird Nestlé 2010 schuldenfrei», urteilt der ZKB-Analyst. Damit bliebe aber immer noch etwas in der Kasse übrig. Lenz erwartet, dass dieses Geld für einen erneuten Aktienrückkauf in grösserem Umfang verwendet wird.

Nach Bekanntgabe der Transaktion wurden Gerüchte laut, dass Nestlé ihre Beteiligung an L’Oréal von derzeit 28% aufstocken könnte. Der Aktienkurs von L’Oréal kletterte teilweise um 4,6%. «Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt unseres Erachtens unter 50%», schreibt jedoch Schwendimann. Für wahrscheinlicher hält auch Lenz kleinere und mittlere Übernahmen im Nutrition-Bereich. Und: «Wenn ein Unternehmen im Schokoladebereich übernommen wird, dann im Premiumsegment, wie Ruzskaya in Russland.»