Die Anzahl islamischer Funds ist gemäss einer Studie von Booz & Company in den letzten Jahren um durchschnittlich 28% gewachsen und soll 2009 mehr als 900 erreichen. Im Performancevergleich der letzten Jahre schnitt der S&P-Scharia-Index um 18 Prozentpunkte besser ab als der S&P 500.

Der Grund für den Erfolg liegt laut Philipp Wackerbeck, Experte für Islamic Banking bei Booz & Company, in den Auflagen des islamischen Gesetzes Scharia an die Vermögenswerte. «Nur reale Vermögensgegenstände werden verbrieft. Leerverkäufe sind also nicht konform. Auch der erlaubte Verschuldungsgrad ist limitiert.» Diese konservativen Strukturen erwiesen sich gegenüber der Krise als resistent. Weiter sind aus makroökonomischer Sicht islamische Banken nur gering vom Interbankengeldmarkt abhängig und refinanzieren sich über zinslose Kundeneinlagen. Das generelle Verbot von Geldzinsen (Riba) ist ein weiteres kennzeichnendes Merkmal Scharia-konformen Bankings. Dieses wird mit Konstrukten, die den Zins nachbilden, umschifft (siehe Kasten).

Chance für Schweizer Banken

Wackerbeck sieht Schweizer Banken als prädestiniert an, sich im Islamic Banking hervorzutun. Neben einer langjährigen Geschäftstradition verkörperten Schweizer Banken die von arabischen Privatkunden meistgesuchten Qualitäten: Guten Ruf, finanzielle Stabilität und hohe Dienstleistungsqualität. Ein Wachstum der islamischen Assets von durchschnittlich 17% pro Jahr lockt denn auch die Angebotsseite auf den Plan. «Islamic Banking entwickelt sich vom Nischenmarkt zum eigenen Geschäftsfeld», sagt Wackerbeck. Credit Suisse bietet bereits eine eigene Produktpalette an, vermarktet das Geschäftsfeld aber noch nicht aktiv. Die UBS hingegen exponierte sich schon früh im islamischen Finanzmarkt und bietet eine breite Auswahl an Scharia-konformen Produkten an.

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Bei den Privatbanken zeigt Sarasin grosses Interesse am Islamic Banking. «Für uns macht vor allem auch die inhaltliche Nähe zur nachhaltigen Vermögensverwaltung das Islamic Finance interessant», sagt Sarasin-Pressesprecher Benedikt Gratzl. Das Geschäftsfeld werde zurzeit durch den Aufbau eines eigenen Teams ausgebaut. Auf Stufe Wertschöpfung unterscheiden sich die Titel wenig von westlichen nachhaltigen Finanzdienstleistungen. Neben der relativ sicheren Finanzierungsstruktur herrschen wie bei den westlichen «Virtue Funds» Restriktionen in Bezug auf Branchen in den Bereichen Alkohol, Tabak, Glücksspiel und Pornographie. Der Nachteil: Die konservative Struktur bietet in einer Markterholungsphase ein geringeres Upside-Potenzial, da Hebelmechanismen wie Hedging und ähnliche Konstruktionen verboten sind.

Auch Privatinvestoren stehen strukturierte Produkte zur Auswahl. Die UBS bietet Zertifikate auf den Dow Jones Islamic Titan 100 oder die Deutsche Bank auf den Croci Islamic Global Index.