Am 23. April legt der Technologiekonzern ABB sein Ergebnis für das 1. Quartal 2009 vor. Anders als noch zum glänzenden Jahresabschluss im Februar wird sich die Krise diesmal in den Zahlen des Unternehmens widerspiegeln.

Dies liegt einerseits an der sehr starken Vergleichsbasis aus dem Vorjahr. Anderseits hat sich bereits gegen Ende des vergangenen Geschäftsjahrs eine Abnahme der Auftragseingänge abgezeichnet. Und in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres dürfte sich der Trend fortgesetzt haben, wie Angaben der Konkurrenten Siemens, Emerson und Rockwell zeigten. «Trotz der im vergangenen Monat eingegangenen drei Grossaufträge im Umfang von je über 400 Mio Dollar gehen wir von einer schwachen Entwicklung des Auftragseingangs aus», schreibt Richard Frei, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Den deutlichsten Rückgang dürfte die auf die Automobilindustrie ausgerichtete Sparte Robotics spüren, auch wenn diese jüngst einen Rahmenvertrag mit BMW über die Lieferung von 2100 Robotern abgeschlossen hat. Eine geringere Abnahme wird in der Energietechnik erwartet, wo Megatrends wie Stromversorgung oder Energieeffizienz die Nachfrage stützen.

Solider Umsatz erwartet

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds rechnen die Analysten bei ABB mit einem soliden Umsatz im 1. Quartal 2009. Dies liegt insbesondere am starken Auftragsbestand, der zum Teil im laufenden Jahr abgebaut wird. Andererseits belasten negative Währungseinflüsse sowie ebenfalls ungünstige Rohstoffpreisentwicklungen auf der Top-Line.

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Auf Ebit-Stufe ist dagegen mit einem Rückgang zu rechnen, sodass die mit 15,9% hohe Marge aus dem Vorquartal nicht mehr erreicht werden dürfte. «Wir erwarten, dass die Ebit-Marge aufgrund von Restrukturierungskosten und eines härteren Preisdrucks auf 13,4% sinkt», schreibt Sal.-Oppenheim-Analyst Beat Füglistaller. Für das Gesamtjahr sind Restrukturierungskosten in der Höhe von 300 Mio Dollar vorgesehen. Mit den Kostensenkungsmassnahmen will ABB bis 2010 Einsparungen in der Höhe von 1,3 Mrd Dollar erzielen. Sollte sich die Marktlage noch weiter verschlimmern, hat CEO Joe Hogan bereits eine Ausweitung der Massnahmen angekündigt. Von Kostensenkungen weitgehend verschont werden sollen laut dem ABB-Chef die Forschung und die Entwicklung sowie der Verkauf.

Unter dem Strich liegt die Konsensschätzung der Analysten bei rund 670 Mio Dollar, was einem Gewinnrückgang um mehr als 30% gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Rückgang bereits eingepreist?

Angesichts der scharfen Wirtschaftskrise erstaunen solche Zahlen allerdings wenig. «Eine Abnahme der Auftragseingänge und ein Gewinnrückgang wird allgemein erwartet und sollte eigentlich in den Markterwartungen eingepreist sein», ist Füglistaller überzeugt. Der Sal.-Oppenheim-Analyst hält deshalb an seiner Kaufempfehlung fest. Für ABB spricht insbesondere, dass das Unternehmen vor allem im Bereich der Elektrotechnik frühzeitig von den Konjunkturförderprogrammen profitieren dürfte, zudem über eine sehr gesunde Bilanz verfügt und dank des hohen Auftragsbestandes bereits einen Grossteil der Umsätze für 2009 in den Büchern hat.

Zurückhaltender gibt sich ZKB-Analyst Frei, der von einem stärkeren negativen Einfluss der Wirtschaftskrise auf den Technologiekonzern ausgeht. Er stuft die ABB-Papiere auf «Marktgewichten» ein. Seine Wertung deckt sich damit mit einer knappen Mehrheit der Bloomberg-Analystenschätzungen.

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