Wenn Jonathan Vanderkar aus dem Fenster schaut, dann blickt er direkt auf die Rückseite des UBS-Gebäudes am Zürcher Paradeplatz. Ein Anblick, der bei ihm derzeit gemischte Gefühle auslösen dürfte. Denn einerseits sind die Schweizer Banken wichtige Kunden des Londoners mit niederländischen Wurzeln. Andererseits haben gerade Institute wie UBS dafür gesorgt, dass Offshore-Finanzplätze nun ins Kreuzfeuer der Politik geraten sind.

Und genau in diesem Bereich verdient Vanderkar sein Geld. Als Managing Partner leitet er die Schweizer Niederlassung von Appleby - hinter dem feinen britischen Namen steht der nach eigenen Angaben weltweit grösste Anbieter von Dienstleistungen an Offshore-Plätzen wie den Cayman Islands, Bermudas, den Jungferninseln und Jersey. Seit 2008 ist Appleby auch in der Schweiz vor Ort. «Wir arbeiten mit den grossen Anwaltskanzleien zusammen, aber auch oft direkt mit den Schweizer privatbanken», sagt Vanderkar. Offshore-Vehikel für private Einzelpersonen aufzusetzen, sei dabei ein wichtiger Teil der Tätigkeit hier in der Schweiz. Daneben ist Appleby auch zu Diensten, wenn Firmen etwa die Ausgabe einer Anleihe über die Cayman Islands abwickeln.

Magnet für Trustees

Und jetzt das: «Mit dem gegenwärtigen Steuerkrieg zwischen der Schweiz und der EU sind einige Privatbanken vorübergehend zurückhaltend geworden, die Anliegen ihrer Kunden mit Offshore-Produkten zu strukturieren», berichtet Vanderkar. Bei den angefragten Schweizer Privatbanken will man sich dazu nicht äussern, grosse Anwaltskanzleien möchten sich ebenfalls nicht zitiert sehen. Nicht von ungefähr: Das Thema der Offshore-Vehikel, im Fokus sind insbesondere die sogenannten Trusts, ist heiss.

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So soll der Münchner Industrielle Robert Schuler-Voith über einen Trust Millionen vor dem Fiskus versteckt haben; an der Erstellung dieses Vehikels waren auch die Bank Julius Bär und die Kanzlei Bär & Karrer beteiligt. Auch im Fall des deutschen Steuerflüchtlings P.S., der jetzt gegen die UBS klagt (HZ vom 3. Februar), waren Trusts im Spiel.

Abseits aller Polemik sind Trusts nach klaren Vorgaben aufgesetzte rechtliche Strukturen, die besonders in angelsächsischen Ländern weit verbreitet sind, aber seit dem Haager Trust-Übereinkommen von 2007 auch für die Schweiz stark an Bedeutung gewonnen haben.

Zwar sind hierzulande noch keine solchen Vehikel zu finden - wohl aber vermehrt auf das Amt des «Trustee» spezialisierte Firmen. Die Swiss Association of Trust Companies (SATC) zählt mittlerweile 22 Vollmitglieder. Sie wirken als Treuhänder des vom Stifter in den Trust eingebrachten Vermögens.

300 Abkommen im Jahr 2009

Trusts eignen sich besonders zur Nachfolge- und Nachlassregelung für Vermögen ab 10 Mio Fr. Steuerfragen seien bei solchen Strukturen dabei meist Nebensache, erklärt Vanderkar. «Wenn es aber um Steuerplanung geht, bestehen wir darauf, dass alle Vermögensteile deklariert werden und die Strukturen den steuergesetzlichen Anforderungen entsprechen.» Bei Ernst & Young Schweiz ist die Offenlegung aller Daten gar Voraussetzung für jegliche Beratung bezüglich Offshore-Vehikeln, sagt Dominik Bürgy, Leiter Steuer- und Rechtsberatung beim Wirtschaftsprüfer.

Transparenz und Zusammenarbeit: Darum kommen die Trusts, aber auch die Offshore-Zentren je länger, je weniger herum. «Die Offshore-Vehikel müssen sich so ändern, wie es die Regulatoren verlangen», sagt Bürgy klipp und klar. Die Umwälzungen sind gewaltig: Allein 2009 wurden über 300 neue Steuerabkommen getroffen. Auch der automatische Datenaustausch könnte zunehmen. «Die grossen Offshore-Plätze werden sich gerne den neuen Regeln anpassen, denn das legale Geschäft würde damit ja nicht belastet», sagt Vanderkar.

Auf neue Regeln bezüglich grenzüberschreitender Finanzgeschäfte sinnt auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma. «Wir schauen uns einzelne Akteure genauer an, da sich gezeigt hat, dass solche Geschäfte Risiken bergen», sagt Finma-Sprecher Alain Bichsel. Und die Schwarzgelder? Die fliehen jetzt, so munkelt man in der Branche, nach Plätzen wie Panama, die noch keinerlei Doppelbesteuerungsabkommen kennen.