Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Innovationsgeschwindigkeit in der Mobilkommunikation eher noch beschleunigt. So plant SonyEricsson die Einführung von Handies mit 8- und 12-Megapixel-Kameras. Das dürfte im Markt der Kompaktdigitalkameras einige Umwälzungen hervorrufen. Bei den Betriebssystemen findet jetzt eine Schlacht zwischen Symbian (Nokia u.a.), Microsoft Mobile, Android (Google), RIM (Blackberry) und dem Betriebssystem Palm OS statt. Auch bei den Webbrowsern stehen mit Opera und Bolt zwei Hersteller im Mittelpunkt, die bei anderen Hardwareplattformen keine führende Rolle spielen. Und Nokia startet den Ovi-Store – eine Kopie des Apple-Stores.

Zu Wochenbeginn und am ersten Tag der Mobile World-Konferenz Barcelona präsentierten sich Nokia, Ericsson, SonyEricsson, Microsoft, Alcatel-Lucent, Samsung, HTC und LG an Präsentationen und Cocktails den Analysten und Finanzmedien. Für die Handy-Industrie dürfte es ein düsteres Jahr werden. Die Ausrüster stehen besser da. Netzbetreiber waren generell zugeknöpft und sprachen nur dann über Details, wenn sie anonym bleiben konnten. 

Gemischtes Bild bei Handy-Herstellern

Das Nokia-Management sagte, die Bedingungen seien weiterhin «herausfordernd». Analysten rechnen mit einem Markteinbruch von 12% in Bezug auf die Stückzahl und 20% beim Verkaufsvolumen. Nokia-Sprecher verwiesen auf das schlechte wirtschaftliche Umfeld – in Helsinki rechnet man mit einer wirtschaftlichen Baisse, die zwei weitere Jahre dauern könnte.



Einige Umfragen bei anderen Herstellern wie Samsung oder LG weisen darauf hin, dass sich der Preisdruck wenigstens nicht weiter verschärft. So hiess es bei SonyEricsson, die Visibilität bezüglich des Consumergeschäfts sei nach wie vor sehr limitiert, aber der Preisdruck halte sich in Grenzen und sei nicht aussergewöhnlich hoch. Bei Samsung erwartet man zwischen 5 und 10% weniger Verkäufe, bei den Wiederverkäuferketten einen Rückgang von 7 bis 8%. Es gab aber auch eine kleine positive Nachricht. Bei HTC erwartet man für dieses Jahr ein Wachstum bei Smartphones von 15% auf Stückzahlbasis.



Ein Hersteller wollte offenbar hier gleich Flagge zeigen: Nokia lancierte gleich fünf neue Smartphones: Die Modelle E75, E55, N86, 6710 und 6210. Es sind indes keine Touchscreen-Modelle dabei, die gegenwärtig bei Apple, Palm oder Samsung die Besucher anziehen. Laut Industrieanalysten ist das Nokia-Produkteportfolio damit deutlich besser als noch vor einem Jahr.



Ein Touchscreen-Modell stellte dagegen Samsung vor. Das neue Omnia i8190 basiert technologisch auf dem Nokia-Symbian-Betriebssystem (Version S-60) und nicht mehr auf dem Windows-OS, wie das Vorgängermodell. Auch SonyEricsson wartete mit dem Modell W995 auf, das eine 8-Megapixel-Kamera hat. Das «Idou»-Smartphone hat sogar eine 12-Megapixel-Kamera und läuft unter Windows OS.



Um die jüngste Version dieses OS zu lancieren, war Microsoft-CEO Steve Ballmer eigens nach Barcelona eingeflogen. «Keine Industrie ist immun gegen den wirtschaftlichen Reset» sagte er, «aber die Mobilindustrie wird ihr Innovationstempo deswegen nicht verlangsamen.»   



Nokia lancierte derweil seine Antwort auf die Apple-Stores – den Ovi-Store. Dieses Portal, bei dem User Applikationen herunter laden können, soll dem Apple-Pendant Konkurrenz machen. Allerdings ist das Portal bisher erst ein Konzept. Im Mai sollen die virtuellen Türen geöffnet werden. Der Umsatzsanteil von 70%, der für die Entwickler bestimmt ist, gleicht dem Apple-Modell. Und für unterschiedliche Benutzergruppen auf unterschiedlichen Erdteilen sollen massgeschneiderte bzw. angepasste Downloads angeboten werden. 



Das gleiche gilt auch für Research-in-Motion, auch hier soll ein Applikations-Laden im Mai die virtuellen Pforten öffnen. Hier spricht man von einem 80/20-Modell, der Grossteil der Einnahmen wird an die Entwickler weiter geleitet.



Dass das Handy-Geschäft unter Druck steht, ist auch bei den Kontraktfertigern spürbar. So sprachen Vertreter von Jabil (Nokia lässt hier fertigen) und Flextronics (der Partner von Motorola) von spürbar weniger Aufträgen. Grossaufträge vergibt gegenwärtig noch der Blackberry-Hersteller Research-in-Motion. Flextronics fertigt das Flip-Modell, Jabil das «Storm»-Gerät und CLS weitere Blackberries.

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Zuversicht bei Netzausrüstern

Beim Ericsson-Cocktail war die Stimmung deutlich besser als beispielsweise vor sieben Jahren, als – damals noch im südfranzösischen Cannes – die Netzbetreiber ihre Investitionen massiv zurück geführt hatten und den schwedischen Ausrüster ins Schlingern gebracht hatten. Bisher sieht man bei Ericsson keine massiven Ausgabenkürzungen bei den Netzbetreibern und fühlt sich beim Servicegeschäft für die Netzbetreiber ausgesprochen wohl, weil hier die Verträge langfristig sind. In der Schweiz teilen sich Ericsson und Alcatel-Lucent den Service-Kuchen im Mobilgeschäft. Ericsson hat Swisscom unter Vertrag, Alcatel-Lucent Sunrise und Orange.



Allerdings dauert es laut Vertretern von Alcatel-Lucent jeweils zwischen sechs und zwölf Monaten, um Serviceverträge aufzusetzen, insofern dürfte sich eine Abschwächung der Auftragsvolumina erst mit Verzögerung zeigen. Genaue Prognosen dazu mochten weder Vertreter von Ericsson noch von Alcatel-Lucent machen.