Die Turbulenzen an den Aktien- und Devisenmärkten sind auch für John Paulson in diesem Jahr zu viel gewesen. Der Manager des Advantage-Hedge-Fonds hatte im Mai mit diesem Vehikel knapp 7% des Vermögens verloren und damit noch deutlich schlechter als die Branche insgesamt abgeschnitten, die laut den Marktforschern von Hedge Fund Research (HFR), einer auf Hedge-Fonds spezialisierten Firma, 3% eingebüsst hatte.

Paulson gilt als Star in der Branche, seit er 2008 auf fallende Häuserpreise in den USA gesetzt und damit Milliarden für sich und seine Kunden verdient hatte. Sein Fonds gewann damals 25%, der US-Aktienmarkt verlor dagegen mehr als ein Drittel. Kleiner Trost für Paulson: Auch andere bekannte Namen wie der Viking Global Fund von Andreas Halversen, der Global-Fund von Louis Moore Bacon sowie die 12 Mrd Dollar schweren Fonds SAC Capital Advisors oder Brevan Howard Asset Management, der grösste europäische Fonds, büssten zwischen 3 und 7% an Wert ein.

Anti-Euro-Wette geht nicht auf

«Jüngst verloren praktisch alle Strategien», fassen die Analysten von HFR das Geschehen im Mai zusammen. Der Mai war für die Branche der schlechteste Monat seit November 2008. Als Grund für die schwache Leistung nennen die Analysten der Bank of America den Abbau von Risiken auf dem Hintergrund der Turbulenzen um die Stabilität des Euro sowie die Schuldenkrise in Griechenland, Portugal und Spanien.

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Etliche Medien hatten in den letzten Monaten die Hedge-Fonds für diese Krise verantwortlich gemacht. Eine Goldgrube können die Anti-Euro-Wette und die Spekulation mit Kreditderivaten gemäss den Performance-Daten nicht gewesen sein. Verschiedene Hedge-Fonds, vor allem die Macro-, Fixed-Income- und Arbitrage-Strategien und Long/Short Credit Funds, die fundamentale Ungleichgewichte, Arbitrage bei Obligationen und Schuldverschreibungen handeln, haben laut Hedge-Fonds-Experten zwar seit Jahresbeginn mit Short-Anlagen auf den Euro und CDS-Kreditderivaten auf griechische Staatsanleihen gut verdient.

Je länger die Korrektur beim Euro und den CDS andauerte, desto grösser wurden jedoch auch die Risiken dieser Positionen, weshalb viele Manager bereits vor diesem Mai Gewinne realisiert und Positionen reduziert haben. Hinzu stieg auch das Risiko von politischen Interventionen wie der EU-Stützungsaktion von Anfang Mai, weshalb Hedge-Fonds ihre Anlagerisiken weiter reduziert hatten. «Es gab viele Zeitungsartikel, in denen wir mit einem Atemzug mit anderen bei den Short-Wetten gegen griechische Staatsanleihen genannt wurden» sagt der Hedge-Fonds-Manager Louis Moore Bacon, «aber wir haben netto eine Long-Position, was auch erklärt, warum unsere Performance nach unten gezogen worden ist.»

Short-Positionen nicht dominant

Überschätzt wird laut den Experten auch die Rolle der Hedge-Fonds bei den Short-Anlagen gegen den Euro. Auch die jetzt ausstehenden 13,2 Mrd Dollar sind laut Experten in diesem Devisenmarkt, bei dem täglich Billionen von Euro gegen den Dollar gehandelt werden, viel zu klein, um hier die Preise zu bewegen. Generell würde in der Diskussion um die Short-Positionen vergessen, dass mit diesen Positionen auch Risiken verbunden sind. Während die Euro-Short-Position darauf basiert, dass die Währung fundamental überbewertet ist, könne die Marktbewertung jederzeit auch über einen längeren Zeitraum vom fundamentalen Wert abweichen. Deshalb sind solche Short-Positionen lediglich eine von etlichen Handelspositionen und alleine schon aufgrund der Risiken «meist keine dominante Position», wie ein Experte sagte.

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Anleger sind oft über «Fund of Funds», über spezielle Fonds, die ihrerseits in mehrere Hedge-Fonds investieren, bei Hedge-Fonds investiert. Die zwei Dutzend in der Schweiz erhältlichen Fonds haben in den letzten sechs Monaten zwischen 8% («Reichmuth Hochalpin») gewonnen und 2,7% (CS SICAV One) verloren. Durchschnittlich gewannen die Fund of Funds 2%. Zum Vergleich: Der SMI hat in diesem Zeitraum 1,3% verloren, der Swiss Bond-Index für Bundesobligationen 2,6% zugelegt. Anleger, die 80% Bundesobligationen und 20%-Index-Tracker auf den SMI gemischt hätten, wären auf eine vergleichbare Performance gekommen.

Es dürfte laut Experten eine Frage der Zeit sein, bis eine neue Debatte um die Management-Gebühren bei Hedge-Fonds entsteht. John Paulson dürfte es laut Analysten schwer haben, den Rückstand bis Jahresende wieder aufzuholen.

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