Wenn die grösste Schweizer Fachmesse für Anlagefonds, die Fonds 09, am 4. Februar ihre Tore öffnet, dann wird wenigstens rund um die Stände alles beim Alten sein: Auch dieses Jahr hat die Messeleitung rund 100 Aussteller angekündigt, gleich viele wie im Vorjahr.

In der Fondsbranche hat die Finanzkrise jedoch unübersehbare Spuren hinterlassen. Nicht nur sind die verwalteten Vermögen stark zurückgegangen, auch mussten Fonds geschlossen werden, zum Teil wurden ganze Divisionen und Anbieter übernommen. So geschehen im letzten Jahr mit der viel beachteten Übernahme des Asset Management von ABN Amro durch die belgische Fortis-Gruppe oder in der Schweiz mit dem geplanten Verkauf von Teilen des globalen Fondsgeschäfts der Credit Suisse an die britische Aberdeen Asset Management (siehe Kasten). 2009 dürfte der Trend nun noch zusätzlichen Schwung erfahren, schätzen Kenner des Schweizer Fondsmarktes.

Happige Verluste als Auftakt

«Sinkende Kurse führen zu sinkenden Erträgen und verstärken den Kostendruck auf die Fondsanbieter. Fonds mit zu geringem Volumen oder ohne klare Positionierung werden im Rahmen von Kostensenkungsmassnahmen wohl vermehrt geschlossen», sagt Markus Signer, Country Manager Switzerland bei Pictet Funds. Michael Partin, CEO der unabhängigen Fondsanalyse-Firma ifund services, schätzt seinerseits: «Bis zu 10% der hiesigen Fonds könnten verschwinden.»

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Keine guten Nachrichten für Anleger. Denn obschon solche Transaktionen in einem aufsichtsrechtlich überwachten Rahmen ablaufen, sind Verluste und Ärger programmiert. Dies schon deshalb, weil einer Schliessung meist happige Verluste vorangegangen sind. Drastische Beispiele dazu lieferten die Absolute-Return-Vehikel der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, die 2008 fast das gesamte Vermögen verloren und deren Tranchen in der Folge zum Teil stillgelegt wurden.

Folgt auf eine Schliessung die Eingliederung in ein gesundes Vehikel, sehen sich die Investoren mit einem neuen Problem konfrontiert: Die Zusammensetzung des Portefeuilles entspricht nicht mehr dem ursprünglich eingekauften Produkt. Auf der positiven Seite fallen die Gebühren ins Gewicht; wenigstens sie dürften bei einem Merger in einen grösseren Fonds eher fallen.

Ausgesetzte Rücknahmen

Doch das kann die Fondsanteilbesitzer kaum beruhigen. Bei den Anlaufstellen für Anleger heisst es, die Beschwerden bezüglich Fondsschliessungen hätten zugenommen. Dabei laufen Grossbankkunden häufiger Gefahr, von einer Schliessung betroffen zu werden, sagt Partin. «Generell dürften eher grössere Player Fondsschliessungen vornehmen, da diese wegen der hohen Fixkosten ihres Anlage- und Beratungsmarktes sensitiv auf schrumpfende Erträge reagieren.»

Immerhin: Bei einer Schliessung oder dem Merger eines Fonds behalten Investoren ihre Handlungsfreiheit; sie können ihre Anteile verkaufen oder vom Emittenten ein faires Angebot zur Weiterführung verlangen - im besten Fall mit vergünstigten Konditionen für den Wechsel in ein neues Produkt. Schwieriger wird die Situation, wenn Fonds vorübergehend geschlossen und die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt wird. Dies war zuletzt bei europäischen Immobilienfonds und Hedge-Fonds der Fall.

Solche Schliessungen sind nicht anfechtbar, wenn sie als Massnahme im Fondsprospekt erwähnt werden. Allenfalls bleibt noch die Möglichkeit, gehaltene Anteile am Sekundärmarkt weiter zu verkaufen allerdings mit einem Abschlag zum tatsächlichen Wert.

 

 


Aberdeen Credit Suisse: Zukunft noch ohne Kontur

Die britische Aberdeen Asset Management war in der Schweiz lange nur einigen Branchenkennern bekannt. Dies hat sich mit der angekündigten Übernahme von Fondsvermögen der Credit Suisse in der Höhe von 75 Mrd Fr. schlagartig geändert. Die Transaktion, die nach Plan kommenden Juli abgeschlossen werden soll, tangiert auch Schweizer Kundenvermögen. Gemäss der Credit Suisse steht es dabei Aberdeen frei, wie sie in Zukunft die Fondsprodukte führen will. Solange aber die Übernahme nicht abgeschlossen sei, werde es keine Veränderung bei Fondspalette und Management der betroffenen Produkte geben, so Credit Suisse weiter. Aberdeen wollte zu ihren Plänen mit den Assets keine Stellung beziehen. Dass aus der Transaktion Unsicherheit bei den Kunden erwachsen könnte, nehmen die beiden Partner offenbar in Kauf. «Wir sehen keinen Handlungsbedarf, sollten sich Kunden zu einem Wechsel zu einem anderen Fonds oder Anbieter entscheiden», so die CS.