Smog über dem chinesischen Meer, trostlose Fabriken mit Kindern, die im Akkord Kleidung für die westlichen Märkte nähen - das sind oft die Vorurteile, die westliche Anleger von asiatischen Produktionsstätten haben. Die Aktien aus der Region gelten zwar als reizvolle Anlagen, doch ist damit häufig auch ein schlechtes Gewissen verbunden.

Tatsächlich können asiatische Unternehmen bezüglich der Nachhaltigkeit, welche die Einhaltung von Umweltschutzbestimmungen genauso wie das Verbot von Kinderarbeit und transparente Berichterstattung einschliesst, rasch aufrücken. «Generell sehen wir in Asien ein Niveau, wie es vor rund zehn Jahren in Europa anzutreffen war. Allerdings entwickelt sich wie so vieles in Asien auch die Nachhaltigkeitsthematik rasant», sagt Vontobel-Analyst Falko Paetzold. Es gebe heute schon etliche Firmen, die westliche Standards sogar überträfen.Ein wichtiger Faktoren bei dieser Entwicklung sind auch die Regierungen. Sie greifen notfalls mit harter Hand ein, wenn es um die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und um Verbesserungen der Umweltstandards geht.

Thema ist noch nicht eingepreist

Aus Anlegersicht ist aber folgender Punkt noch viel gewichtiger: Das Potenzial zur nachhaltigen Entwicklung ist am Markt noch nicht eingepreist. Bisher sind laut Paetzold in Asien erst 20 Mrd Dollar in nachhaltig verwaltete Vermögen investiert worden, das entspricht 0,4% der weltweit nachhaltig angelegten Gelder. Bis 2015 könnte dieser Betrag jedoch auf 1,5 Billion Dollar anwachsen, wenn der Sektor neu entdeckt wird. Das ist Raketentreibstoff für die Kurse.

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Die Bank Vontobel hat inzwischen einen Fonds aufgelegt, der auf nachhaltige Anlagen in Asien spezialisiert ist. «Die drei Bereiche Umwelt, Soziales und Governance sind für uns wichtig», sagt Paetzold, «bei der Bewertung von Unternehmen müssen aber auch lokale Gegebenheiten berücksichtigt werden.» Das macht ein besonderes Research notwendig. «Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern ist zentral, um solche Gegebenheiten zu erkennen», sagt Paetzold weiter, «daneben schliessen wir auch Firmen mit nicht nachhaltigen Geschäftsaktivitäten, oder Verstössen gegen Menschenrechte, aus.»

Investoren schlagen sich allerdings mit einer undurchsichtigen Informationslage herum. «Im Vergleich zu Europa ist die Transparenz geringer», räumt Paetzold ein. Jedoch werde oft unterschätzt, dass dies durch Ressourcen vor Ort überbrückt werden könne und die Transparenz generell enorm zugenommen habe. 2006 berichteten 34 Firmen in den asiatischen Schwellenländern nach dem GRI-Standard der Uno. 2009 waren es schon 156 Firmen, darunter Unternehmen wie Samsung oder Cathay Pacific, die internationalen Ansprüchen genügen. Grosse Unterschiede bestehen laut Paetzold zwischen den einzelnen Staaten. So ist die Transparenz in Vietnam minimal, während Malaysia diesbezüglich weit voraus ist.

Gutes Gewissen, gute Rendite

«Eine Nachhaltigkeitsanalyse ist ein zusätzliches Element und verursacht folglich Mehrkosten, die sich aber im Bereich weniger Basispunkte bewegen», so Paetzold. Doch die Erfahrung in entwickelten Märkten und eine Vielzahl von Studien zeigten, dass durch den Einbezug von Nachhaltigkeitsdaten Mehrwert generiert werde. Eine Quelle für Mehrwert ist die Berücksichtigung von risikominimierenden Faktoren wie die Abkehr von kontroversen und intransparenten Investments und die aktive Selektion der Unternehmen, die den globalen Wandel aktiv einbeziehen. Bei Vontobel werden Sektoren wie IT oder Gesundheit höher gewichtet.

Vom Nachhaltigkeitsaspekt her mache es aber keinen Sinn, auf Sektorprodukte zu setzen, sagt Paetzold. Denn es bestünden massive Unterschiede zwischen proaktiven und riskant positionierten Firmen je Sektor.

Nachhaltig investieren in Schwellenländern

Derivateanleger finden unter dem Label «Sustainable» eine Handvoll Tracker von Anbietern wie Vontobel, Sarasin, EFG oder RBS, die auf entsprechend zusammengesetzte Aktienbaskets, Aktien- oder Obligationenindizes lauten. «Sustainable» bedeutet oft die besten Aktien im jeweiligen Universum - und das kann im Extremfall auch einfach die «sauberste» der stark umweltbelastenden Ölsandfirmen bedeuten. «SRI» bzw. «Socially responsible investing» schliesst auch die sozialen Seiten ein. Hier hat RBS in der Schweiz einen Tracker auf einen Index, der in entsprechenden Aktien aus aufstrebenden Ländern basiert, im Angebot. «Nachhaltige» Anlagen haben meistens den Schwerpunkt bei der Umwelt. So weisen die entsprechenden Produkte von Vontobel und ZKB oft noch wichtige Zusätze wie «Energie», «Solar» oder «Wasser» auf, die Hinweise auf den Schwerpunkt geben. Die Vontobel-«Global Res ponsibility»-Fonds gibt es für Asien, Europa und die USA, teilweise auch gegen Währungskursverschiebungen abgesichert. (mn)