Gestern ist in London zum letzten Mal ein Referenzpreis für Silber nach altem Stil festgelegt worden. Das so genannte Silberfixing wurde eingestellt, weil nach dem Libor-Skandal auch Vorwürfe aufkamen, der Referenzpreis für Silber sei manipuliert worden.

117 Jahren lang wurde an jedem Tag, an dem die Londoner Börse geöffnet hatte, von einer Hand voll Banken ein Referenzkurs für Silber festgelegt. Dieser diente vielen Anlegern und Unternehmen als Grundlage für Edelmetallgeschäfte.

Manipulationsanfällige Absprachen

Festgelegt wurden die Referenzpreise zuletzt mittels Telefonkonferenz von den Finanzinistituten HSBC, Bank of Nova Scotia und Deutsche Bank. Angesichts zahlreicher Untersuchungen der Behörden wegen möglicher Manipulationen an den Zins- und Devisenmärkten hatte die Deutsche Bank zu Jahresbeginn beschlossen, sich nicht mehr an der Feststellung der offiziellen Referenzpreise für Gold und Silber zu beteiligen.

Darauf gab die London Silver Market Fixing Ltd. im Mai bekannt, das Silberfixing nach dem 14. August einzustellen. Die an der Ermittlung des Referenzkurses beteiligten Banken wird der Silber-Richtpreis aber dennoch weiter beschäftigen: Im Juli wurde in den USA wegen angeblicher Manipulation des Referenzwertes eine Klage gegen sie eingereicht.

Transparenterer Referenzwert

Trotz des Endes des Silberfixings wird es weiterhin täglich einen Referenzpreis für Silber geben. Ab (heute) Freitag wird unter der Ägide des Finanzdatendienstleisters Thomson Reuters und des amerikanischen Börsenunternehmens Chicago Mercantile Exchange wie bisher an jeden Werktag um 12 Uhr Londoner Zeit ein Referenzwert festgestellt.

Neu wird der Preis aber elektronisch ermittelt und ist auch überprüfbar. Noch steht zwar nicht fest, wie viele Finanzinstitute und andere im Edelmetallhandel tätige Organisationen schliesslich an den Auktionen zur Silberpreisermittlung teilnehmen werden. Auf alle Fälle wird die Preisermittlung aber auf eine breitere Basis als bisher gestellt und transparenter ablaufen.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters hat die Credit Suisse am Donnerstag mitgeteilt, sich am neuen Prozess zu beteiligen. Die UBS klärt derzeit noch ab, ob sie sich in naher Zukunft daran beteiligen wird.

Reform auch beim Goldpreis

Der Referenzpreis für Gold wird derweil noch im alten Stil zwei Mal täglich von vier Grossbanken ermittelt. Aber auch damit dürfte bald Schluss sein: Derzeit laufen Abklärungen, wie das ebenfalls seit 100 Jahre im gleichen Still durchgeführte Goldfixing durch eine transparentere Methode zur Festlegung eines Referenzpreises ersetzt werden kann.

Reformiert werden sollen auch die Methoden, mit denen die Richtpreise für andere Edelmetalle wie Platin oder Palladium festgestellt werden.

(sda/lur/vst)

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