An der SFX strebt der 1.-Quartals-Reigen einem Höhepunkt zu. Alleine in den kommenden zehn Tagen werden Firmen wie Nobel, Synthes, Geberit, Logitech und Clariant berichten. Meistens zeigt sich dabei das gleiche Reaktionsmuster: Wird die Prognose der Analysten übertroffen, steigt die Aktie. Bleibt eine positive Überraschung aus, fällt sie.

Erst beim genaueren Hinschauen zeigt sich dann, wie dieses Ergebnis zustande gekommen war und ob dabei Einmalfaktoren, die im angelsächsischen Analystenjargon «one-offs» genannt werden, im Spiel gewesen sind.

Lieber konstante Belastung

«Aus unserer Sicht gibt es nur sehr wenige effektive one-offs», sagt Sven Bucher, Leiter des Researchteams bei der ZKB. «Entsprechend rechnen wir viele dieser Faktoren in das operative Ergebnis, dies ist auch eine Philosophie, welche von der Buchlegungsregel IFRS vertreten wird.»

Laut Bucher kommt es insbesonders bei grossen, international tätigen Unternehmungen immer wieder zu Reorganisationen. «Anstatt diese in Krisenzeiten zu tätigen, liesse sich auch während der übrigen Jahre eine kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse durchführen», sagt Bucher weiter. Entsprechend hätten die Anleger dann mit einer konstanten Belastung zu rechnen statt alle vier oder fünf Jahre mit einer grossen Belastung.»

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Doch offensichtlich setzten die Firmen weiter auf die Schocktherapie. «Vor allem in der Industrie, aber auch bei Banken und Versicherungen haben wir jetzt einige Quartale mit solchen Einmalfaktoren gesehen», sagt Panagiotis Spiliopoulos, Leiter des Aktienresearchteams in Zürich. In den defensiven Branchen wie Nahrungsmittel, Pharma oder bei den Stromversorgern kämen solche Einmalfaktoren dagegen weniger häufig vor.

Laut Spiliopoulos sollten Anleger die Gründe genauer analysieren, wenn es über längere Zeit immer wieder zu Abschreibern kommt. «Hier muss man unterscheiden zwischen echten Einmalfaktoren und solchen, die einfach zum operativen Geschäft in bestimmten Branchen oder bei bestimmten Firmen hinzugehören.» Ein klassisches Beispiel aus der Schweizer Unternehmenswelt ist Clariant, wo seit acht Jahren ständig Einmalfaktoren ausgewiesen werden (siehe Text unten). Neben Clariant sind auch Syngenta und Givaudan sowie Bayer in Deutschland Beispiele von Chemieunternehmen, die bei ihren Ergebnissen jahrelang Einmalfaktoren ausgewiesen hatten.

Es gibt aber in diesem Sektor mit Ems-Chemie, Bachem oder Lonza Beispiele von Gesellschaften, die in der Regel ohne Einmalfaktoren ausgekommen sind. Für Clariant erwartet Flückiger jetzt wieder Einmalfaktoren in einer Höhe von 100 Mio. Fr. «Wenn Anleger die Gewinnqualität abschätzen möchten, ist es besser, die Einmalfaktoren herauszurechnen», rät Flückiger.

Wiederholungstäter bestraft

Richtige Einmalfaktoren werden von den Firmen dagegen vorzeitig angekündigt; sie erstrecken sich über einen bestimmten Zeitraum, und die Firmenleitung weist aus, mit welchen Kosten welche Sparziele erreicht werden. So hatte ABB beispielsweise Anfang 2009 ein Einsparprogramm angekündigt, das sich über acht Quartale erstrecken sollte und bei Kosten von 1,1 Mrd. Dollar Einsparungen von 3 Mrd Dollar bringen dürfte. Im Industriesektor sind oft Einmalfaktoren auch noch ins letzte Geschäftsjahr gepackt worden: Beispiele hierfür sind Rieter, Georg Fischer oder Sulzer.

Wenn die Einmalfaktoren überhandnehmen, widerspiegelt sich das auch in den Prognosen. Für Clariant erwarten die Analysten der Citigroup eine weitere Einmalfaktorenrunde. Auch zu Givaudan geben sich die Analysten vorsichtig. «Das Management gab nicht viele Informationen zum Margenpotenzial nach 2010, bestätigte aber, dass das Wachstum mit Kosten verbunden ist», kommentieren die Analysten bei der Deutschen Bank. Und auch bei Lonza dürfte es laut den Analysten der Deutschen Bank wie gewohnt mit ausserordentlichen Restrukturierungskosten weitergehen: «Am Konferenzgespräch sagte das Management, dass sich 10% der Kosteneinsparungen bereits in diesem Jahr erzielen lassen.»