Logitech-Anleger mit gutem Gedächtnis beschleichen im Januar immer gemischte Gefühle – vor genau zwei Jahren hatte das Unternehmen die damals zu hoch gelegte Messlatte verfehlt, der Aktienkurs brach innert Stunden um 20% ein. «Das lag damals daran, dass der Einstieg von Microsoft in das Webcam-Geschäft den Absatz von Logitech deutlich belastet hatte», erklärt Panagiotis Spiliopoulos, «zudem waren die Erwartungen zu hoch gelegen, was dann kombiniert zu einer entsprechenden Reaktion führte», so der Technologieanalyst der Bank Vontobel in Zürich.

In diesem Jahr stehen die Zeichen gut, dass am 16. Januar, wenn die Quartalszahlen publik werden, die Erwartungen erfüllt werden können. Hinweise kommen von einer Umfrage, welche der US-Broker Bear Stearns bei Computerzubehörgeschäften in den USA vorgenommen hat. Die Geschäfte berichteten von einer «robusten» Nachfrage nach Peripheriegeräten für Computer und Notebooks, vor allem bei kabellosen Computermäusen, «obwohl dieses Zubehör kein traditionel- les Weihnachtsgeschenk ist», wie die Analysten anmerken. Drei von fünf Notebookkäufern schafften sich gleich auch eine solche kabellose Maus an – und hier ist Logitech führend. Die US-Elektronik-Retailkette Best Buy berichtet ebenfalls von guten Verkäufen von Spielboxen sowie Laptops – beides ist auch gut für das Zubehörgeschäft von Logitech. Beide Hinweise auf das solide laufende Geschäft kommen aus den USA, wo einige Konjunkturindikatoren auf eine Abkühlung der wirtschaftlichen Grosswetterlage hindeuten und die von höheren Hypothekenzinszahlungen gebeutelten Konsumenten die Anschaffungen von PC-Zubehör zurückstellen könnten. Das Logitech-Management hatte bei den letzten Zyklen immer damit argumentiert, dass das Geschäft mit Computer-Peripheriegeräten einigermassen immun sei gegen konjunkturelle Schwankungen, weil die meisten Produkte weniger als 100 Dollar kosten, damit ein Haushaltsbudget kaum belasten und unter einer Schwelle bleiben, bei der ein Lebenspartner um sein Einverständnis gebeten werden muss.

Auf Kaufgelegenheiten warten

«In der Vergangenheit war es auch immer so, dass keine direkte Korrelation zwischen Konjunktur und Produkteabsatz von Logitech hergestellt werden konnte», erklärt Spiliopoulos, «aber ob es auch diesmal so sein wird, bleibt eine offene Frage.» Bisher habe sich die Kreditkrise schon vereinzelt negativ ausgewirkt, so beispielsweise auf Autoverkäufe, was jedoch auch mit den hohen Bezinkosten zu tun haben kann. «Bisher gibt es jedoch noch keine Anzeichen, dass der Endkonsument massiv weniger konsumiert», sagt Spiliopoulos weiter, «es gibt jedoch anekdotische Hinweise aus dem Konsumelektroniksektor, dass beispielsweise Kabelnetzbetreiber weniger Zusatzabonnemente verkaufen.»Für das 3. Quartal (per Ende 31.12.07) erwartet Loic Sabatier, Analyst bei CA Chevreux, für Logitech einen Umsatz von 769 Mio Dollar und einen Reingewinn von 130 Mio Dollar, entsprechend einem Gewinn pro Aktie von 33 Cent. Die Aktie ist damit auf der Basis der Prognose für 2008 mit dem 23-Fachen des Gewinns bewertet. Das ist deutlich mehr als bei andern Multimedia-Peripheriegeräteherstellern wie Plantronics, Sandisk, Harman oder Bang & Olufsen, aber weniger als den trendigen IT-Multimediageräteherstellern wie Apple oder Nintendo. Konservative Anleger kaufen, wenn der Kurs fällt – und das könnte bei Logitech auch dann passieren, wenn der Gesamtmarkt unter Druck gerät oder die Erwartungen «nur» erfüllt werden.

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Windows ist alles und überall

Die Grundlage aller Medien und der Unterhaltungselektronik wird Software sein», sagte Microsoft-Chairman Bill Gates am Sonntagabend an seiner elften und letzten Rede zur Eröffnung der grössten Computer-Unterhaltungsmesse der Welt in Las Vegas. Ab dem Sommer wird er sich vom Alltagsgeschäft in der Softwarefirma zurückziehen und nur noch der philanthropischen Tätigkeit im Rahmen seiner Familienstiftung widmen wird. Die Microsoft-Software soll künftig nicht nur in Desktops, Notebooks und auf Servern laufen, sondern auch in Autos sowie über neue, tischähnliche Geräte (Surface) beispielsweise den massgeschneiderten Online-Kauf von Snowboards ermöglichen. Neben diesen neuen Schnittstellen, die eine Alternative zu Tastaturen und Computermäusen darstellen, prognostizierte Gates an der Schwelle zur «zweiten digitalen Dekade», dass die modernen Geräte alle Daten über das Netz beziehen werden. Von den dafür erforderlichen Zusatzgeräten profitieren die Hersteller wie Logitech – auch wenn sich längst nicht alle Prognosen von Gates innert der erhofften Fristen materialisiert haben. Immerhin führte der Boom bei den jüngsten Videospielen zu einem abrupten Kursanstieg der Microsoft-Aktien – sechs Jahre nach dem Verkaufsstart und fast sieben Jahre nach der Ankündigung der X-Box in Las Vegas.