Ein Bankrott ist undenkbar.» Das sagte der ehemalige General-Motors-CEO Rick Wagoner Ende 2005. Inzwischen ist alles anders: Die Pleite von General Motors (GM) trifft die Anleger mit Wucht am härtesten die Aktionäre. An deren Adresse veröffentlichten die Analysten von Citigroup nur Stunden vor der Einreichung des Antrags auf Gläubigerschutz (Chapter 11) noch eine letzte Studie mit dem lakonischen Kursziel null Dollar.

Aber auch ein weiteres Umfeld wird die Folgen der Pleite spüren. So wird GM aus dem S&P 500 Index entfernt; Fonds, die diesen Index nachbilden, werden ihre letzten, praktisch wertlosen Bestände ausbuchen. Auch aus dem für Indexfonds weniger relevanten Dow Jones Industrial Average fliegt GM raus.

Der Verlust von GM beim S&P 500 hat verkraftbare Auswirkungen: Mit 880 Mio Dollar Marktkapitalisierung hatte GM das Gewicht eines Basispunktes. Der gesamte Autosektor kommt noch auf 23 Basispunkte und ist damit aus Anlegersicht zum Randthema geworden. Wenn jetzt noch Hedge-Fonds ihre Beteiligungen an GM abstossen - einige hatten auf ein Wunder spekuliert und 1,4% der ausstehenden Aktien aufgekauft -, dürfte die Wirkung gering bleiben, sagt Goldman-Analyst David Kostin.

Wie ein Phoenix aus der Asche

Bemerkenswerterweise hat der Ausschluss von GM noch eine andere Wirkung auf Indexanleger. Weil hier für dieses Jahr eine Verlusterwartung von 19 Mrd Dollar beseitigt wird, steigen die realen Gewinne der anderen Indexkomponenten nicht nur um diesen Betrag, sondern die Ersatzfirmen heben die Gewinne zusätzlich an.

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Am stärksten spürbar ist das am S&P-Teilindex für Konsumgüter. Hier fällt die durchschnittliche Bewertung vom 28-fachen des Gewinns für dieses Jahr auf das 18-fache, weil die GM-Aktie nicht mehr zählt.

Nicht nur für Indexanleger, die über entsprechende Fonds oder Tracker-Produkte investiert sind, spielt die GM-Pleite eine Rolle. Andrew Parmentier, Analyst bei der Analystenboutique Heigt Analytics, glaubt, dass das GM-Nachfolgeunternehmen rasch durch den Bankrottprozess laufen wird und die Anleger anschliessend mit sehr positiven Zahlen überraschen dürfte.

Eine Krise für die ganz Grossen

Das dürfte zulasten des direkten Konkurrenten Ford und einigen Zulieferern gehen. Woori-Analyst Michael Sohn weist darauf hin, dass Pleiten bei den Zulieferern auch die GM-Konkurrenten Toyota, Honda oder Hyundai schwächen könnten. Diese drei Autobauer lassen nämlich viele Teile in den Verkaufsmärkten lokal herstellen. Zudem könnte es jetzt zu einer Ausverkaufswelle bei den nicht mehr zum GM-Kern zählenden Marken kommen, weil die Händler ihre Halden zu Dumpingpreisen abstossen müssen. Damit käme auch das an die Preise gekoppelte Autokreditgeschäft unter Druck.

Bereits im Vorfeld reagiert hatten die grossen Autovermieter Avis und Hertz, die 15% der GM-Produktion abnahmen und die Wagen nach einigen Monaten wieder zurückgaben. Bereits im Sommer 2008 gab es in den USA beispielsweise kaum noch Autos der Marke Pontiac, die nicht mehr zur «neuen» GM zählt, zu mieten.

In die Lücke springen könnten laut den Analysten von Exane die hierzulande weitgehend unbekannten chinesischen Firmen Denway Motors, Great Wall Motors, Minth und Yinyi Glass, die alle zum Kauf empfohlen werden. In Indien ist laut Exane lediglich Mahindra kaufenswert. Die Konkurrenten Maruti Sizuki India und die riesige Tata Motors hingegen bergen zu der Sicht der Analysten zu wenig Gewinnpotenzial.

Auch für die beiden Schweizer Zulieferer hielten sich die Auswirkungen der GM-Pleite in Grenzen, sagt Vontobel-Analyst Patrick Laager. Im Falle eines Chapter-11-Verfahrens sind in der Regel Lieferanten und Kunden durch Versicherungsleistungen abgesichert. Ausserdem dürften laut Laager die Debitorenverluste gering sein, zumal Ex-GM-Konzernteile wie Opel ihre Rechnungen fristgerecht bezahlen. Treffen wird die Schweizer Konzerne aber auch weiterhin, dass die grossen Autohersteller schlicht viel weniger bestellen als in der Vergangenheit.