Die Schuldenkrise und die Angst, dass die Weltwirtschaft erneut einen Dämpfer erleidet, treiben die Aktienmärkte um. Ein überraschend hohes Haushaltsdefizit von Ungarn hat die Sorgen geschürt, dass sich die Schuldenkrise nun auch in den Ländern Osteuropas verschärfen könnte. Investoren fordern bei Staatsanleihen deutlich höhere Risikoprämien und wollen von den Regierungen der überschuldeten Länder einschneidende fiskalpolitische Massnahmen sehen.

Die deutsche Regierung kommt diesem Druck zuvor: Sie hat das grösste Sparpaket in der Geschichte des Landes angekündigt. Deutschland will die Staatsausgaben bis 2014 um 80 Mrd Euro kürzen. Dies entspricht allerdings gerade etwa dem aktuellen Staatsdefizit.

Bisher geringe Einbussen

Ohne die jüngsten Sparankündigungen von Deutschland erwarten die Analysten von Goldman Sachs, dass die bisher bekannten Sparmassnahmen in der Eurozone insgesamt geringe Auswirkungen auf die konjunkturelle Entwicklung in Europa haben werden, zumal auch der schwache Euro die Exportindustrie beflügeln werde. Die Analysten haben errechnet, dass das jährliche Wirtschaftswachstum in der Eurozone aufgrund der Sparanstrengungen um 0,1 bis 0,3% sinken dürfte. Doch weitere Staaten werden wohl in den nächsten Monaten dem Beispiel Deutschlands folgen.

Staaten geraten in Schuldenfalle

Sparen die Regierungen zu früh und zu stark, können sie damit die wirtschaftliche Erholung gefährden. Doch zu lange dürfen sie auch nicht zuwarten. Viele Industrieländer haben im Zuge der Finanzkrise ihre Banken mit Milliarden von Steuergeldern gerettet und mit gigantischen Konjunkturpaketen ein Abgleiten in eine tiefe Rezession verhindert. In manchen Staaten ist deshalb jetzt schon eine Schuldendynamik zu erkennen.

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Sollte sich das Ausgabeverhalten der Staaten nicht ändern, explodieren die Schulden der Industriestaaten selbst bei vergleichsweise tiefen Zinsen und moderatem Wachstum in den nächsten Jahren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die Schuldenberge der Industrieländer von 78% des Bruttoinlandprodukts (BIP) noch in diesem Jahr auf 106% und auf 114% im Jahr 2014 steigen werden.

Sprengstoff liefert dazu eine Untersuchung von Carmen Reinhart, Professorin für Ökonomie an der Universität Maryland, und Kenneth Rogoff, Professor an der Harvard University. Die beiden Ökonomen haben die letzten zwei Jahrhunderten darauf untersucht, wie sich die Staatsschulden auf das Wirtschaftswachstum eines Landes auswirken. Ihr Befund: Staaten, deren Schulden 90% des BIP übersteigen, haben ein deutlich tieferes Wirtschaftswachstum. Die Wirtschaft dieser hochverschuldeten Länder wächst 2 Prozentpunkte langsamer als die Wirtschaft der Staaten, deren Schulden weniger als 30% des BIP ausmachen. Verschiedene Industriestaaten stossen bald an diese kritische Grenze, etwa auch die USA. So betrugen die Staatsschulden der Amerikaner 2009 noch 85% des BIP. Der IMF erwartet aber, dass die Verschuldung bis 2013 auf 98% steigen wird.

Bald historische Ausmasse

Die Autoren der Studie erklären sich das Ergebnis der Untersuchung unter anderem damit, dass die Risikoprämien für die Staatsanleihen massiv steigen, sobald die Schuldenberge historische Ausmasse annehmen. Dann seien die Staaten zu drastischen fiskalischen Massnahmen gezwungen, um die Risikoprämien wieder auf vernünftige Niveaus zu bringen. Dies spricht alles nicht für Staatsanleihen; auch für die Unternehmensanleihen haben sich die Aussichten verschlechtert. Es gibt aber auch Ausnahmen. Laut den Anlagestrategen der Rothschild Bank sind etwa Anleihen von Staaten mit tiefen Defiziten interessant, wie zum Beispiel der Schweiz, Norwegen, Schweden, oder Australien. Zudem kommen Anleihen von Schwellenländern in Frage, die einen günstigen Schuldenausblick haben.

Internationale Multis als Anlage

Bei den Aktien bieten ebenfalls Schwellenländermärkte Chancen. Von den Wachstumsaussichten in den aufstrebenden Ländern kann aber auch mit defensiven Titeln von internationalen Grosskonzernen wie zum Beispiel Nestlé partizipiert werden, die einen Grossteil ihrer Umsätze in den schneller wachsenden Schwellenländern erwirtschaften - und mit einer hohen Dividendenrendite punkten.