Moz Afzal, Investmentchef bei der Privatbank EFG International in London, ist trotz ­allem zuversichtlich. Er rechnet mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage weltweit – und deutlichen Zugewinnen gerade bei europäischen und chinesischen ­Aktien.

Zypern ist vorerst gerettet. Doch die Furcht vor dem Ende des Euro ist zurück. Zu Recht?
Moz Afzal: Seit diese Ängste 2010 erstmals auftauchten, hatten die Märkte viel Zeit, die wichtigsten Probleme einzupreisen. Weil die Regierungen der EU-Mitgliedländer verpassten, entschlossen zu reagieren, handeln die Anleihen von ­Zypern, Griechenland und anderen ­Peripherie-Staaten inzwischen mit entsprechenden Risikoaufschlägen. Dass der Euro aber untergeht, glauben wir nicht. Der politische Wille, ihn zu erhalten, ist viel zu mächtig.

Allerdings macht sich Verunsicherung breit. Immer mehr Beobachter erwarten eine Korrektur an den Börsen. Und Sie?
Europäische Papiere – Aktien wie Bonds – haben in den letzten Wochen sensibel auf den Ausgang der Parlamentswahlen in Italien und die Vorgänge in Zypern reagiert.

Schliessen Sie sich diesem Szenario an?
Wir glauben, dass der Trend zu rückläufigen Firmengewinnen nun ein Ende findet und wir für den Rest des Jahres sowie auch für 2014 bessere Ergebnisse sehen werden. Aus diesem Grund erscheinen europäische Aktien relativ attraktiv.

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Sie würden also jetzt noch Aktien aus der Region zukaufen?
Gemessen am Vergleichsindex ­haben wir Europa immer noch unter­gewichtet. Wir könnten aber tatsächlich unsere Position in diesem Markt erhöhen.

Das würde denn auch für die grosse Rotation aus Anleihen zu Aktien sprechen, oder nicht?
Wir sehen derzeit keine Anzeichen für eine solche Bewegung, auch wenn man die Fondsflüsse hinzuzieht. Wir denken, dass die Rotation nicht vor nächstem Jahr stattfindet, wenn sich der wirtschaftliche Trend verfestigt haben wird. In der Zwischenzeit werden sowohl Aktien wie auch Obligationen Käufer finden.

Ihre Kollegen von der amerikanischen Bank Morgan Stanley debattieren, ob man Anleihen aus Zypern kaufen sollte. Das wäre wohl keine gute Idee?
Zypriotische Bonds erscheinen tatsächlich riskant. Allerdings entschädigen sie den Anleger aus unserer Sicht angemessen für die Risiken – die Rendite für die bis 2020 laufende Anleihe beträgt nicht weniger als 15 Prozent.

Und was ist mit Anleihen anderer Peripheriestaaten?
Vorsichtigeren Anlegern würden wir spanische oder italienische Staats­anleihen empfehlen, welche derzeit eine Rendite von 5 Prozent bieten.

Wo sonst finden Anleger jetzt Chancen?
Bezüglich der Bewertungen sehen chinesische Aktien sehr attraktiv aus. Zieht man den Führungswechsel und die steigenden Einkommen im Land in Betracht, dann darf man einige starke Jahre für die dortigen Börsen ­erwarten. Aus diesem Grund haben wir unser Team vor Ort ausgebaut und auch ­verschiedene Anlageprodukte auf dem Markt lanciert.

Doch es verbleiben noch einige Risiken. Wie können sich Investoren vor Unwägbarkeiten schützen?
Die grundsätzliche Frage ist hier, welche Anlagen künftig auch in ­einem schlechten Marktumfeld Rendite ­abwerfen werden. In einem schwierigen Umfeld erscheinen uns amerikanische Aktien attraktiv. Sie weisen meist gute Fundamentaldaten auf und profitieren von einem Trend zu mehr Wachstum ­sowie tiefen Zinsen und massiger Liquidität in Amerika. Generell sollten sich ­Anleger auf Aktien von Firmen mit ­soliden Bilanzen, starkem Cashflow und hohen Dividenrenditen konzentrieren. Genau aus diesen Gründen sind solche Titel meist nicht mehr günstig – doch ­dafür bieten sie Sicherheit.

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