Die Konjunkturdaten verschlechtern sich wöchentlich und im selben Tempo vergrössern sich die Rettungspakete der US-Regierung. Insgesamt werden fast 2 Billionen Dollar für die Wirtschaft bereitgestellt. Würde ein Land wie China oder Russland solche Zahlen präsentieren, fiele der Wert seiner Währung wie ein Stein. Nicht so im Falle der USA. Im Gegenteil, ihre Währung steigt im Wert.

Dies hängt aber hauptsächlich mit den weltweiten Geldströmen zusammen. «Viele Hedge-Fonds repatriieren derzeit ihr Geld», sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus. Auch andere US-Investoren ziehen sich aus Europa, Asien oder Südamerika zurück, verkaufen ihre Anlagen, kaufen damit Dollar und stärken so die Nachfrage nach dem Greenback.

Hinzu kommen die Binnenprobleme der Eurozone. Vor allem die südeuropäischen Länder kämpfen mit einer massiven Rezession, die zu deutlichen Renditeaufschlägen bei ihren Anleihen führte. Zwar gibt es auch in den USA Staaten, die verstärkt unter der Krise leiden. «Wirtschaftliche Schwierigkeiten, wie beispielsweise in Griechenland, werden aber anders wahrgenommen als die im US-Staat Michigan», so Christian Apelt von der Landesbank Hessen-Thüringen.

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Mittelfristig fällt der Dollar

Doch dies sind kurzfristige Einflüsse. Mittelfristig werden die staatlichen Rettungspakete in den USA ihren Tribut fordern. Die Neuverschuldung wird durch sie in diesem Jahr voraussichtlich auf 10% des Bruttoinlandprodukts steigen. Diese Summen aufzubringen, wird selbst den USA schwer fallen, wie ein Rechenbeispiel zeigt: Der amerikanische Staat muss in diesem Jahr ohnehin rund 2,4 Billionen Dollar an Schulden refinanzieren. Angenommen, die Neuverschuldung wächst um 1,5 Billionen Dollar, so müsste das Land jede Woche über 75 Mrd Dollar an Staatsanleihen ausgeben und unter die Investoren bringen. Dazu müssten alle Erdenbürger fast jeden dritten Dollar, den sie sparen, dem amerikanischen Staat anvertrauen. Da selbst die US-Notenbank daran zweifelt, wird sie im Notfall einspringen und die Anleihen aufkaufen.

Das hiesse letztlich nichts anderes, als dass die USA Geld drucken - und darauf folgt üblicherweise Inflation. Zwar glaubt bisher kaum jemand, dass es so schlimm wird wie in den 20er Jahren. Aber: «Obwohl solch ein Ergebnis nicht unser Hauptszenario ist, kann die Gefahr einer Hyperinflation unserer Meinung nach nicht mehr so einfach vom Tisch gewischt werden», stellt Joachim Felds, Chefvolkswirt von Morgan Stanley, fest.

Ob mit Inflation oder ohne: In jedem Fall dürfte der riesige Schuldenberg die US-Währung auf Jahre hinaus belasten. Das wird inzwischen sogar China klar, das als grösster Gläubiger der USA eine Stabilität des Dollars fordert. Ob die USA dies jedoch überhaupt geben können, ist mehr als fraglich. Daher rechnet Armin Mekelburg von der Unicredit damit, dass der Dollar in den kommenden Wochen zwar noch relativ stark bleibt. Schon zum Jahresende dürfte der Wechselkurs zum Euro jedoch wieder in einem Korridor von 1.35 bis 1.40 Dollar liegen. Stefan Schilbe sieht den Euro dann sogar wieder bei der Marke von 1.50 Dollar.

Auf Dollarverfall setzen

Die klassische Art, sich vor Inflation und einem Dollarverfall zu schützen, ist die Anlage in Gold. Dessen Preis stieg bereits deutlich auf über 940 Dollar je Feinunze. Wer direkt auf einen Dollarverfall spekulieren möchte, kann dies über Knock-out-Zertifikate tun. Ihr Merkmal ist eine individuelle K.-o.-Schwelle, bei deren Erreichen das Papier wertlos verfällt. Dafür vervielfachen sie die möglichen Gewinne, je näher diese Schwelle am aktuellen Kurs liegt.

So hat das Papier von Sal. Oppenheim mit der Wertpapierkennnummer SL130P einen sehr grossen Puffer und verfällt erst, wenn der Eurokurs auf 0.9006 Dollar fällt. Dafür verdreifachen sich Gewinne auch nur, wenn der Dollar schwächer wird. Dieselbe Bewegung verzwölffacht das Plus beim Papier der Commerzbank - dafür ist die Schwelle von 1.1952 Dollar wesentlich näher.