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Anleihen
Schuldverschreibungen aus Schwellenländern

Bananen in Indonesien: In dem südostasiatischen Land sind Zinssenkungen denkbar. Keystone

Im festverzinslichen Bereich bieten nur wenige Segmente interessante Anlagemöglichkeiten – eines davon sind Schuldverschreibungen von Schwellenländern.

Von Charles Zerah*
am 20.10.2017

Die enormen positiven Impulse von Zentralbanken in aller Welt dürften bald abnehmen, sodass nur wenige Segmente des festverzinslichen Universums ein ausreichendes Spread-Polster besitzen, um den Übergang zu einer Zeit «nach der QE» abzufedern.

Schuldverschreibungen von Schwellenländern (EM) bieten nach wie vor interessante Möglichkeiten, unterstützt durch den globalen Konjunkturaufschwung, das für die Rohstoffpreise günstige Umfeld und die sich zweifellos bessernden Fundamentaldaten einiger Schwellenländer.

Anomalien bei EM-Schuldverschreibungen

Während man in den Industrieländern die Inflation verfolgt und eine Erholung erwartet, dürften die Haltung gegenüber den meisten Schwellenländern eine ganz andere sein, ermöglicht der Desinflationsprozess (unter anderem in Brasilien, Indien und Indonesien) den Zentralbanken doch Zinssenkungen.

Schliesslich könnte man zuversichtlich sein, dass eine allmähliche Normalisierung der Geldpolitik durch die Zentralbanken, sofern sie effizient kommuniziert und verstanden wird und aus dem richtigen Grund – geringeres Abwärtsrisiko, stärkeres Wachstum und steigende Inflation – erfolgt, kein Problem für globale risikoreiche Anlagen darstellen dürfte, zumal die EM-Schuldverschreibungen widerstandsfähig erscheinen.

Anleger könnten daher an ihrer Allokation in Staatsanleihen von Peripherieländern, beispielsweise in Italien, festhalten. Sie zählen zu den wenigen Anlagen, bei denen es zu einer ausreichenden Neubewertung gekommen ist, sodass sie eine angemessenere Prämie für die Zeit «nach der QE» widerspiegeln. Tatsächlich ist die Verengung der italienischen Spreads gegenüber Deutschland deutlich schwächer ausgefallen als der Rückgang in anderen Anlageklassen in Europa, darunter italienische Aktien und nachrangige Bankkredite.

Im Kreditbereich bleibt Selektivität entscheidend

Ausgelöst durch politische (und vergängliche) Bedenken, wird dieses Spread-Polster helfen, die Veränderung der Risikoprämien mit Blick auf die Zeit «nach der QE» abzufedern. Was den Portfolioaufbau insgesamt betrifft, sollte für die Anleihenmärkte aber nach wie vor ein umsichtiger Ansatz verfolgt werden, der sich durch eine niedrige modifizierte Duration und eine geringere Allokation in Unternehmensanleihen auszeichnet.

Die kurzfristige Lockerung wird zwar im Wesentlichen von politischen Ereignissen angetrieben, doch könnte man immer noch der Überzeugung sein, dass das Risiko-Rendite-Profil von Short-Zinspositionen in europäischen Kernländern (Deutschland, Frankreich und die Schweiz) eher nach oben verschoben ist. Im Kreditbereich bleibt Selektivität entscheidend. Tatsächlich sind die Kreditspreads angesichts der dürftigen Qualität der Unternehmensbilanzen und der erwarteten, weniger attraktiven globalen Liquiditätsbedingungen zu niedrig.

Finanzanleihen könnten nach wie vor interessant sein, da der mehrjährige Trend bestehend aus Risikoabbau, Schuldenabbau und Neuregulierung der Banken den extrem hohen systemischen Abschlag verringert, der den Sektor nach wie vor belastet. Im Währungsbereich schliesslich könnten Engagements im US-Dollar spürbar reduziert, die Allokation im japanischen Yen indes erhöht werden.

* Charles Zerah, Fondsmananger des Carmignac Portfolio Global Bond bei Carmignac Risk Managers

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