Kapitalschutzprodukte sind trotz der Kontroverse um Lehman gesucht. Aber Kapitalschutzprodukte haben während ihrer Laufzeit einige Tücken.

So gelten alle Garantien nur für den Verfall. Wenn 100% bei Rückzahlung garantiert werden, heisst das nicht, dass der Preis ständig auf dieser Marke bleibt. Daran sind drei Faktoren beteiligt: Ein Teil des abdiskontierten Zinses, die Bonität sowie die nach und nach in den Produktkurs eingepreisten Kosten der Garantie. Zusammen können diese Faktoren zwischenzeitliche Kursverluste bis 15% ausmachen. Die Kurse der meisten Kapitalschutzprodukte liegen aber 3 bis 10% unter ihrem Rückzahlungsbetrag, wenn der garantierte Rückzahlungsbetrag deutlich höher liegt als der aktuelle Kurs des Basiswertes.

«Anleger neigen dazu, während oder nach Marktkorrekturen in kapitalgeschützte Anlagen zu investieren, obwohl diese Produkte genau in diesen Phasen relativ teuer sind», sagt Daniel Manser, Derivate-Experte bei Derivative Partners in Zürich. Eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie der Frankfurter School of Finance & Management verglich die Performance von Fonds mit und ohne Garantie-Features. Auch wenn Fonds rechtlich etwas anders funktionieren als strukturierte Produkte, ermöglicht die Studie längerfristige Vergleiche mit echten Kursdaten.

Die Kosten spielen gerade über längere Anlagezeiträume eine Rolle, die Experten nahmen einheitlich 1,6% für alle an. Der Vergleichsindex war der Dax, das deutsche Gegenstück des SMI, in dem alle liquiden Blue Chips zusammengefasst sind. Über einen Zeitraum von fünf Jahren können sich Garantieprodukte durchaus lohnen. «Das Absichern von während Haussephasen erzielten Gewinnen mit Kapitalschutzprodukten ist sinnvoll, da einerseits ein hohes Kursniveau bzw. ein hoher Indexstand abgesichert werden, und andererseits diese Produkte in steigenden Märkten mit tiefer Volatilität und hohen Zinsen günstig zu haben sind», meint Manser.

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Lange Laufzeit – teure Garantie

Je länger aber der Anlagehorizont ist, desto schlechter schneiden Garantieprodukte im Vergleich mit den konventionellen Fonds ab. So kostet die Garantie rund die Hälfte der möglichen langfristigen Performance von 9,2% (für den Normalfall). Selbst im schlechtesten Szenario (Einstieg auf dem Höhepunkt der Hausse) erwiesen sich die Renditen der nicht garantierten Produkte als doppelt so hoch wie die der Garantieprodukte.

Zudem lag die tatsächliche Rendite der nicht garantierten Produkte höher als die von Garantieprodukten, wenn sie eine garantierte Rendite (bei strukturierten Produkten beispielsweise feste Coupons) aufwiesen. Und im Normalfall erreichen die Garantieprodukte nur im besten Fall die Rendite der nicht garantierten Produkte.Investoren greifen laut den Experten oft dann zu Garantieprodukten, wenn ein plötzlicher Börsencrash befürchtet wird, der das angesparte Kapital mit einem Schlag dezimiert oder den Wert langsam zerfallen lässt. Nach den schlechten Nachrichten aus dem Finanzsektor sowie den sich eintrübenden konjunkturellen Perspektiven traf dieses Szenario in den letzten Monaten zu.

Keine Vollkasko nötig

Gerade langfristig disponierende Anleger haben nichts von Garantien, so die Experten. Im Gegenteil – der Schutz ziehe erhebliche Kosten nach sich und reduziere die Gesamtperformance um rund die Hälfte. Garantieprodukte sind deshalb kurz- und mittelfristig eine Anlageform, mit der sich Verluste vermeiden lassen. Aber wer mit längeren Zeithorizonten und gerade im Hinblick auf die Altersvorsorge spart, kann auf die Garantie verzichten.

Das ist ganz ähnlich wie bei einer Autoversicherung. Wer 25 Jahre lang das gleiche Auto fährt, schliesst keinen Vollkaskoschutz mehr ab.