Die Pleite von Lehman hat Anlegern weltweit gezeigt, dass das Ausfallrisiko eines Emittenten keinesfalls nur theoretisch ist. Professionellen Anlegern steht der Weg zu Credit Default Swaps (CDS) offen, mit denen sie sich gegen den Konkurs eines bestimmten Unternehmens absichern können. Die Berner Kantonalbank hatte das beispielsweise bei Lehman rechtzeitig unternommen und sich mit einem CDS so abgesichert, dass die Anleger, denen über die eigenen Schalter Lehman-Produkte verkauft wurden, entschädigt werden können.

Eine Alternative, die auch Retail-Anlegern offen steht, empfehlen die Analysten von Goldman Sachs. Investoren mit grossen Aktienbeständen raten sie zum Verkauf von Calls auf die eigenen Aktien. Retailanleger können prinzipiell das gleich durch den Kauf von Put-Warrants erreichen.

Scharfe Rezession erwartet

Die Kreditanalysten erwarten für das laufende und das kommende Quartal, dass das Bruttosozialprodukt von 5 und 3% schrumpft das würde bedeuten die schärfste Rezession seit 1982. Bereits jetzt ist die Negativspirale von Entlassungen, tieferem Konsum und niedrigeren Gewinnen in Gang gekommen. Daraus ergibt sich, dass bis Ende 2009 6,3% der Unternehmen von der Stufe «Investment Grade» (Bonität BBB- und höher) auf «risikoreich» (BB+ und niedriger) abgestuft werden dürfte. Die Default-Rate, also der Anteil von Firmenpleiten, dürften auf 10,9% steigen.

Damit sollten generell Anlagen nur in defensiven, nicht zyklischen Sektoren vorgenommen werden, die den globalen Widrigkeiten, Schwankungen an den Commodity-Märkten und denen bei Investitionen wenig ausgesetzt sind. Liquide Retailhändler, Technologiefirmen, Energie- und Minenwerte zählen dazu.

Für viele Unternehmen aus anderen Sektoren sind die Aufschläge für Kreditversicherungen deutlich gestiegen. Und die implizite Volatilität, ein Mass für die erwartete Schwankungsbreite von Aktien, dürfte laut den Analysten von Goldman Sachs bei Firmen, die möglicherweise abgestuft werden, eher noch weiter steigen. «Das eröffnet die Möglichkeit, die Einschätzung bezüglich der Kreditrisiken über Aktienoptionen auszudrücken», sagt Goldman-Sachs-Analyst John Marshall. Hinzu kommt, dass die implizite Volatilität bei einigen Aktien weit hinter der Ausweitung der CDS-Spreads zurückgeblieben ist. Eine solche Ausweitung signalisiert ein steigendes Pleiterisiko.

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Risiko für Totalverlust bei Puts

Puts empfehlen die Analysten beispielsweise für die Aktien von AMR (der Muttergesellschaft von American Airlines), ausserdem für die Aktien des US-Stahlherstellers AK Steel und CSX, des Energiekonzerns Chesapeake, des Studio-, Spielcasino- und Hotelkonzerns MGM, des Baukonzerns KB Home, des Reifenherstellers Goodyear, Eastman Kodaks, der Retail-Elektrokette Radio Shack, des Kabelnetzbetreibers und des Handykonzerns Motorola und des Fernsehsenders CBS. Insbesonders bei CDX, Motorola und CBS, die bisher mit einem «BBB» gerade noch auf der Stufe «Investment Grade» bewertet sind, dürfte eine Abstufung einen überproportionalen Kursverlust bewirken.

Anleger sollten allerdings beachten, dass bei Put-Strategien das Risiko besteht, das eingesetzte Geld zu verlieren. Doch gerade bei den von Abstufungen und Kreditproblemen betroffenen Firmen ist die implizite Volatilität mit Werten zwischen 70 und 100% sehr hoch. Ein drastischer Rückgang der Volatilität dezimiert dann den Wert eines Puts genauso stark wie der Kursanstieg der zugrundeliegenden Aktie.