Gleichzeitig mit der Kehrtwende an den Aktienmärkten hat sich auch der Ölpreis von seinem diesjährigen Höchststand verabschiedet. Noch vor zwei Wochen, am 21. Oktober, hat das schwarze Gold mit rund 82 Dollar pro Barrel den höchsten Wert seit Jahresbeginn erreicht. Das ist immerhin doppelt so viel wie im Januar: Damals lag der Ölpreis noch unter 40 Dollar. Ausschlaggebend für die Entwicklung des Ölpreises scheinen jedoch derzeit weniger Zuversicht oder Skepsis bezüglich der Konjunktur oder die Aktienmärkte zu sein: Eine wichtige Rolle kommt dem Greenback zu.

Laut Tobias Merath, Rohstoff-Analyst bei der Credit Suisse, ist der jüngste Anstieg des Ölpreises vor allem auf technische Faktoren zurückzuführen. Zuvor bewegte sich nämlich der Preis für Öl monatelang seitwärts. Gleichzeitig hat sich der Dollar massiv abgewertet. «Da Öl in Dollar gehandelt wird, ist ein Seitwärtstrend bei gleichzeitig schwächelndem Dollar immer schwerer zu halten», erklärt Merath. Für diesen Zusammenhang spricht auch, dass der Ölpreis jüngst wieder etwas nachgegeben hat, nachdem der Dollar wieder an Stärke gewonnen hatte.

Kurzfristig keine Rally in Sicht

Die Bewegungen des Ölpreises sind also momentan vor allem durch den Dollar geprägt. Ähnlich wie beim Gold flüchten die Anleger vor der Abwertung der Leitwährung auch in Öl: Ein Öl-Investment gilt bei Investoren auch als Schutz gegen Inflation.

Eine deutliche Rally bei den Ölpreisen dürfte allerdings noch etwas auf sich warten lassen. Auf der fundamentalen Seite gibt es wenige Faktoren, die kurzfristig für einen höheren Ölpreis sprechen. «Der Ölkonsum in den USA ist jüngst sogar wieder gesunken», führt Merath an. Dafür verantwortlich ist der Heizölmarkt: Nach der Rezession ergab sich ein deutlicher Lagerbestandüberhang an Heizöl. Mit dem Start der Heizperiode beginnen die Raffinerien die Produktion von Benzin auf Heizöl umzustellen - dies geschieht jedoch wegen der hohen Lagerbestände und entsprechend tiefer Margen verzögert. Und bremst damit die Nachfrage nach dem schwarzen Gold. «Wir sehen den WTI-Ölpreis Ende Jahr bei 70 bis 75 Dollar», prognostiziert der Rohstoffexperte. Für das Jahr 2010 erwartet Merath jedoch wieder sichtbare Anstiege beim Öl. Weil immer mehr Länder ein Ende der Rezession melden, dürften die Nachfrage nach Öl anziehen und die Lagerbestände abnehmen.

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Wer von einem bevorstehenden Anstieg des Ölpreises profitieren will, kann deshalb auf Aktien von Firmen setzen, die auf die Förderung oder Verarbeitung des schwarzen Goldes spezialisiert sind. Eine Studie von Morgan Stanley hat eine Rangierung jener Aktien erstellt, die am stärksten mit dem Ölpreis korrelieren.

Xstrata hängt am Ölpreis

Auf dem Spitzenplatz findet sich das auf Kupfer fokussierte Bergbauunternehmen Kazakhmys (siehe Kasten). Ebenfalls stark abhängig vom Ölpreis ist Vedanta Resources, ein britischer Bergbaukonzern, der schwergewichtig in Indien tätig ist. Auf Platz sechs hat es die schweizerisch-britische Xstrata geschafft (siehe Kasten).

Wer den direkten Weg zum Erdöl-Investment wählt, kann auf Futures setzen. Dabei sollten Anleger einige Knackpunkte kennen und verstehen. Rohstoffe werden in Terminkontrakten gehandelt. Zum Monatsende muss der alte Kontrakt jeweils verkauft und jener des neuen Monats zum Terminpreis gekauft werden - dieser Vorgang wird «rollen» genannt. Ist der Kaufpreis höher als der Verkaufspreis (Contango), entstehen sogenannte Rollverluste. Übersteigt jedoch der Verkaufspreis den Kaufpreis (Backwardation), resultieren Rollgewinne.

Verschiedene Produktanbieter versuchen diese Rolleffekte zu optimieren. Ein interessantes Tracker-Produkt bietet RBS (ehemals ABN Amro) auf den RICI Enhanced WTI Crude Oil Index. Das Open-end-Vehikel ist unter der Valorennummer 4545430 zu finden.

Mit Derivaten oder ETF ins Öl

Ebenfalls in die Sparte strukturierte Produkte fallen die sogenannten Exchange Traded Commodities (ETC). Die Vehikel dürfen trotz der Namensähnlichkeit nicht mit den Exchange Traded Fund (ETF) verwechselt werden: Im Gegensatz zu den Index-Fonds, die rechtlich gesehen ein Sondervermögen bilden, sind ETC Derivate und unterliegen damit dem Emittentenausfallrisiko. Ein Beispiel dafür ist das Vehikel der UBS auf den UBS Bloomberg CMCI WTI Rohölindex, die Gebühren belaufen sich beim Dollar-Vehikel auf 0,3% jährlich (Valor: 3333332).

In der Schweiz ist noch kein ETF gelistet, der einzig in Rohöl investiert. Wer breiter abgestützt in Rohstoffe einsteigen will, dem steht etwa der Lyxor ETF Commodities CRB zur Verfügung. Der Fonds verrechnet eine Total Expense Ratio (TER) von 0,35% jährlich (Valor 2529323). Auch die neue Commerzbank hat ein Rohstoffprodukt (Valor: 10239604) in ihrer Palette, das ComStage ETF Commerzbank Commodity EW, mit einer TER von 0,3%.