Was früher lediglich professionellen Investoren vorbehalten war, ist dank den Retail-Derivaten jetzt auch Kleinanlegern möglich: Währungswetten auf die wichtigsten Devisenpaare Dollar-Franken sowie Dollar-Euro sind inzwischen über unzählige Hebelprodukte abgedeckt, für den Euro-Dollar-Kurs gibt es zudem noch eine Reihe weiterer risikoärmerer Produkte für defensivere Anleger.

Gefürchteter Domino-Effekt

Die Kurse müssen nur ausreichend schwanken, um für Anleger, die auf eine bestimmte Richtung setzen oder die möglichst hohe Coupons anstreben, attraktiv zu sein. Gründe für Bewegungen gab es in den letzten Wochen einige: So ist der Euro aufgrund der Befürchtungen um die desolate Haushaltslage in Griechenland gegenüber dem Franken und dem Dollar unter Druck.

Die Analysten der Bank of America weisen darauf hin, dass es weniger der Griechenland-Faktor alleine ist, der die Gemeinschaftswährung schwächt, als die Befürchtungen um einen Dominoeffekt für Portugal, Spanien und Italien. Einzelne Stimmen erwarten für dieses Jahr den ersten wirklichen Stresstest für den Euro. Für den Dollar spricht laut den Analysten von Standard & Poor’s das grössere Aufschwungpotenzial - auch wenn die Geldpolitik stabilitätspolitisch mittelfristig Fragen aufwirft. Die Währungskurse reflektieren dabei nicht nur Inflations- und Wachstumserwartungen, auch die Notenbanken sprechen hier ein Wort mit. Das ist für in Franken rechnende Anleger vor allem für den Eurokurs wichtig. Dieser sackte letzte Woche kurzfristig auf 1.46 Fr. ab und damit in die Nähe der Zone, wo die Schweizerische Nationalbank (SNB) letzten März eingegriffen hatte.

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Für Derivateanleger wirkt dieser «Peg», die enge Koppelung an eine andere wichtige Währung, ähnlich wie ein Cap-Effekt bei einem Basiswert: Wenn ein wesentlich tieferer Eurokurs nicht nur markttechnisch, sondern auch finanzpolitisch unwahrscheinlich ist, macht es wenig Sinn, auf einen Euro-Kurs von 1.30 Fr. oder 1.70 zu setzen. Calls und Puts, die weit aus dem Geld liegen, sind deshalb vor allem interessant, um den Hebeleffekt zu steigern. CHFAH und CHFBH, die beiden Hebelprodukte mit den höchsten Handelsvolumen in den letzten Tagen, haben denn auch Ausübungspreise von 1.48 und 1.50 und liegen damit am Geld. Calls mit Strikes um 1.52 und mehr sind deshalb (auch) Wetten auf eine SNB-Intervention.

Anders ist die Situation beim Dollar. Hier notierten die Kurse in den letzten zwölf Monaten zwischen 12% über und 5% unter dem aktuellen Kurs. Ein «Double-Dip» der US-Wirtschaft könnte die Wechselkurse laut Analysten wieder Richtung pari mit dem Franken bringen. Eine rasche Erholung in den USA liesse den Dollar gar gegen 1.10 Fr. steigen.

Das widerspiegelt sich auch im gegenwärtigen Derivateangebot: Unter den am meisten gehandelten Hebelprodukten finden sich Call- und Put-Warrants wie USDEX oder USDPS mit Ausübungspreisen beim aktuellen Wechselkurs, genauso wie Mini-Futures wie CHFMD oder MUSDW. Letz-tere haben Ausübungspreise von 1.20 und liegen damit so weit «im Geld», dass sie für Investoren nicht risikoreicher als Aktienanlagen sind.