Noch im Februar sah die Welt für Baustoffhersteller erfreulich aus. Doch inzwischen scheint sich die konjunkturelle Verlangsamung in den industriellen Nationen, vor allem in den USA, stärker als angenommen bemerkbar zu machen. Hinzu kommt der schwächelnde Dollar, der ebenfalls negative Spuren in den Abschlüssen der Firmen hinterlässt.

Entsprechend hat Sika Anfang April ein enttäuschendes Ergebnis für das 1. Quartal 2008 vorgelegt. Der Hersteller von Produkten der Bauchemie und industriellen Klebeanwendungen steigerte den Umsatz gegenüber dem Vorjahr zwar um 3,2% auf 1,02 Mrd Fr., lag damit aber unter den Markterwartungen. «Der März ist wegen zusätzlicher Feiertage sowie Problemen im Automobilgeschäft in Amerika schlechter als prognostiziert ausgefallen», erklärt Helvea-Analyst Patrick Appenzeller.

Sika-Schätzungen sind zu hoch

Trotz des Rückschlags hält Sika am Ziel eines organischen Wachstums in der Bandbreite von 8 bis 10% im laufenden Jahr fest. Die Angaben zur Rentabilität fielen dagegen weniger klar aus. «Um die anhaltend hohen Rohmaterialpreise wettzumachen und die Margen zu verbessern, braucht es weiterhin hohe Volumina, eine bessere Preisgestaltung und weitere Effizienzgewinne», schreibt deshalb Damien Weyermann, Analyst bei der Bank Vontobel. Was die Sika-Aktie betrifft, so ist Helvea-Analyst Appenzeller, wie die Mehrheit seiner Kollegen, zurückhaltend: «Die Schätzungen erscheinen mir derzeit zu hoch, denn sie basieren auf sehr guten Vorjahreszahlen», begründet Appenzeller. Angesichts der Abschwächung der Baukonjunktur, die mittlerweile nicht mehr nur den Wohnungsbau betrifft, sei das Potenzial für eine weitere Korrektur durchaus gegeben.

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Holcim gut aufgestellt

Unter den Baustoffherstellern wird deshalb der Zementhersteller Holcim, der am 6. Mai die Zahlen zum 1. Quartal vorlegt, klar favorisiert. «Wir erwarten ein solides Ergebnis, welches die exzellenten Vergleichswerte aus dem Vorjahr übertrifft», sagt Roger Signer, Analyst bei der Credit Suisse. Der Grund für das anhaltende Wachstum liege in der hohen Nachfrage in den Emerging Markets sowie in der starken Preismacht des global diversifizierten Konzerns, welche Kostenüberwälzungen an den Markt zulassen. Davon dürfte die Nummer zwei im Zementmarkt auch zukünftig profitieren, obschon sich Holcim der Abschwächung in den USA nicht wird entziehen können. Zum Vergleich: Konkurrent Cemex weist in den ersten drei Monaten in den USA einen Volumenrückgang von 20% aus.

Weniger ins Gewicht fallen sollte dagegen die drohende Verstaatlichung des Holcim-Werkes in Venezuela. «Dort wird nur rund 1% des Umsatzes erzielt», sagt Signer. Angesichts der tiefen Bewertung und der insgesamt positiven Aussichten, ist die Holcim-Aktie für die meisten Analysten ein Kauf.