Die Furcht vor einer Abkühlung der globalen Konjunktur hat die Anleger an der Schweizer Börse zum Wochenschluss verstimmt. Der anhaltende Zerfall der Öl- und anderer Rohstoffpreise sowie die Schwäche der chinesischen Währung schürten laut Händlern die Sorgen der Anleger zusätzlich. Vor der am kommenden Mittwoch erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed wollten die Marktteilnehmer keine Risiken eingehen und hätten daher verstärkt Aktien verkauft.

Der SMI schloss am Freitag 1,5 Prozent tiefer bei 8502 Punkten – das tiefste Niveau seit Anfang Oktober. Mit einem Minus von 3,5 Prozent verbuchte der Leitindex die drittschwächste Woche im laufenden Jahr. Nur ein einziger SMI-Titel ist auf Wochensicht im Plus: Syngenta. Die 19 anderen im Index gelisteten Titel sind im Minus. Das Bankentrio UBS (-6,4 Prozent), Credit Suisse (-7,8 Prozent) und Julius Bär (-8,3 Prozent) hat es besonders schwer erwischt.

Banken schmieren ab

Bankentitel kamen vor allem am Freitag unter die Räder: Julius Bär verlor 4,6 Prozent. Händler führten das auf Spekulationen um eine mögliche Übernahme der von der brasilianischen Bank BTG Pactual zum Verkauf gestellten Privatbank-Tochter BSI zurück. Zudem gebe es Befürchtungen, die im Zusammenhang mit der Beilegung des US-Steuerstreits erwartete Busse könnte höher sein, als allgemein erwartet wird.

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Auch die Aktien der Grossbanken büssten überdurchschnittlich an Wert ein. Credit Suisse sackten um 3,5 Prozent ab und UBS verloren 2,8 Prozent. Zu den grössten Verlierern zählten zudem die Papiere des Ölbohrplattformbetreibers Transocean, die wegen des fallenden Ölpreises 3,5 Prozent nachgaben. Das Massaker am Ölmarkt macht Transocean auf Wochensicht sogar zum Top-Verlierer: Von Montag bis Freitag verlor das in Zug ansässige Unternehmen 8,4 Prozent.

Uhrenfirmen verlieren

Nick Hayek hatte auch schon bessere Wochen: Seine Swatch-Gruppe verliert in fünf Handelstagen 7,4 Prozent, allein am Freitag sackten die Titel um 3,4 Prozent ab. Händler erwähnten negative Analystenkommentare von Bernstein und SocGen, die ihr Kursziel für die Papiere des Uhrenherstellers gesenkt haben. Die Konkurrenz bei Richemont hat die Woche besser überstanden: Die Titel verloren von Montag bis Freitag «nur» 6,3 Prozent.

«Es ist die Sorge um China», sagte ein Händler. Wegen des sinkenden Yens befürchteten die Anleger, dass es zu einer Wachstumsdelle in China kommt und die Uhrenhersteller weniger nach China und Hongkong, dem wichtigsten Markt, exportieren könnten.

Ausblick: Fed im Fokus

Die nächste Handelswoche steht ganz im Zeichen der US-Notenbank. Nach langem Zögern wird die «Fed» genannte Federal Reserve sehr wahrscheinlich das Ende der Nullzins-Ära einläuten. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 vergeben die Währungshüter den Finanzinstituten Zentralbankgeld praktisch zum Nulltarif, um damit Kreditvergabe und Konjunktur anzukurbeln. Damit ist es nun wohl bald vorbei, da in den USA nahezu Vollbeschäftigung herrscht.

Fed-Chefin Janet Yellen hat die Märkte weltweit für Mittwoch auf die erste Anhebung seit fast zehn Jahren vorbereitet. Dann werden auch in China und anderen Schwellenländern geldpolitisch neue Zeiten anbrechen, prophezeien Beobachter.

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(ise, mit awp/reuters//mbü)