Der Herbst war heiss an den Rohstoffbörsen: Der breite CRB-Rohstoff-Index hat Ende Oktober 24% eingebüsst. Es war die negativste Wertentwicklung seit 52 Jahren. Der Ölpreis brach um 36% ein, Gold verbilligte sich um 17%, Silber um gut ein Fünftel. Die Notierungen für Kakao gaben um 20 % nach, die für Kaffee um 16%. Am schlimmsten erwischte es die Industriemetalle, bei denen Kupfer zum Beispiel um 38% an Wert verlor. «Für Rohstoffinvestoren war das ein Albtraummonat», sagt Eugen Weinberg, Analyst bei der Commerzbank.

Beobachter sprechen von einem «perfekten Sturm» bei Rohstoffen. Rezessionsangst in Verbindung mit Zwangsverkäufen durch HedgeFonds und andere grosse Investoren hätten die Preise auf brutale Weise durcheinandergewirbelt.

Weniger Wachstum ist die Krux

«Wir erleben eine noch nie dagewesene ökonomische Verwerfung», sagt Jan Stuart, Volkswirt bei der Schweizer Grossbank UBS. Der Experte hat seine Prognose für den Ölpreis nahezu halbiert. Auch beim Kupfer, das vor allem in der Industrie nachgefragt wird, sieht er 2009 nur noch einen Durchschnittspreis, der bei 48% der alten Vorhersage liegt.

Hintergrund sind die drastisch reduzierten Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft von 2,2 auf 1,3%. Nicht nur in den Industrieländern, sondern auch in den Schwellenländern soll sich der Produktionszuwachs deutlich verlangsamen. Aber gerade dort werden die meisten Basismaterialien nachgefragt. Da entwickelte Ökonomien einen starken Dienstleistungssektor aufweisen, hängen Wachstum und Rohstoffverbrauch hier nicht so eng zusammen.

Anzeige

Doch der eigentliche Ausverkauf im Oktober geht nicht auf das Konto von Konjunkturpessimisten. Dahinter stecken vielmehr Notverkäufe von Hedge-Fonds. Diese häufig hochspekulativen Anlagevehikel hatten in den vergangenen Jahren grosse Positionen auf den Rohstoffmärkten aufgebaut – das Gros davon auf Pump. In der Finanzkrise wurden diese Kredite nun gekündigt. Als dann die Preise für Rohstoffe ins Rutschen kamen, verstärkte sich die Flucht aus dem Risiko: Es kam zu einer sich selber verstärkenden Abwärtsbewegung. «Fundamentale Faktoren haben dann irgendwann keine Rolle mehr gespielt», sagt BlackRock-Manager Evy Hambro.

Wie er gehen viele Experten davon aus, dass die Preise für Metalle und andere Schätze der Erde zu stark gefallen sind, selbst wenn sich die Weltwirtschaft abkühlt.

«Wir bleiben optimistisch für Rohstoffe», sagt John Baumgartner von Goldman Sachs. Er hat zwar die Kursziele für Rohstoffe nach unten genommen, doch liegen die Zwölfmonatsprognosen deutlich über den derzeitigen Ständen. Auf Sicht von drei bis sechs Monaten freilich könne es auf dem Markt noch einmal holprig zugehen. Für besonders aussichtsreich hält er Aluminium. Eher zurückhaltend äussert er sich hingegen zu Kupfer und Blei.

Ein ähnliches Szenario vertritt Allen Heap von der Citigroup, jener Stratege, der kurz nach der Jahrtausendwende den «Superzyklus» bei Rohstoffen ausrief. Zwar könnten die kommenden Monate bei dem einen oder anderen Grundstoff eventuell sogar neue Tiefstände sehen, der langfristige Aufwärtstrend sei jedoch intakt.

Das Hauptargument der Rohstoffbullen: Das Angebot, sprich die Produktion der Minen, kann nicht mit dem Wachstum der Nachfrage aus boomenden Schwellenlandnationen wie China, Brasilien und Indien mithalten. Jedenfalls nicht, solange diese Volkswirtschaften nicht völlig implodieren, was aus heutiger Sicht unwahrscheinlich scheint.

Rohstoffinvestments langfristig

Rohstoffinvestments scheinen sich damit lediglich für langfristig orientierte Anleger zu eignen. Anlagemöglichkeiten bieten Rohstoff-ETF, die direkt in die Schätze der Erde investieren, sowie Minenaktien und Minenfonds (zum Beispiel der BlackRock World Mining Fund), die mittelbar via Börsennotierungen der kotierten Minen von den steigenden Preisen profitieren können.