Der jüngste Geschäftsbericht von BP liest sich wie ein Buch mit zwei Kapiteln: Dank verdoppeltem Rohölpreis, höheren Reserven und bereinigtem Beteiligungsportfolio stieg der Gewinn im 4. Quartal um 68% gegenüber dem Vorjahr.

Allerdings hat lediglich die Förderungssparte Geld eingebracht. In der Verarbeitung, zu der das grosse Raffineriegeschäft zählt, brach der Gewinn um 99% ein, obwohl die Kapazitäten weltweit stark reduziert wurden. Der an der SIX gelistete Raffineriebetreiber Petroplus verzeichnete sogar einen Reinverlust von 250 Mio Fr.

Zurückhaltender Ausblick

Dieses Jahr dürfte auch die Förderung weniger lukrativ sein. Nicht nur, weil im Golf von Mexiko eine Rückkehr zu einer «normalen» Hurrikansaison droht. Sowohl BP-CEO Tom Hayward als auch die Opec-Länder und die Internationale Energieagentur (IEA) gaben sich zurückhaltend. Obwohl die globale Wirtschaftsleistung um 4% zunehmen soll, erwarten die Förderer ein Plus von 1 bis 2%.

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Laut Analysten gibt es dafür mehrere Gründe: So zeichnet sich eine «Jobless Recovery» ab, eine Erholung ohne neue Arbeitsplätze. Wenn Arbeitnehmer nicht öfter pendeln, verbrauchen sie weniger fossile Treibstoffe. Hinzu kommt, dass viele Energiesparmassnahmen, die während des Preisanstiegs vor gut drei Jahren beschlossen wurden, jetzt greifen. Dasselbe gilt für die Förderung: Wichtige Nicht-Opec-Länder wie die USA, Russland und Brasilien fördern heute wesentlich mehr Rohöl als noch vor drei Jahren. Die «Jobless Recovery» könnte daher mit einer «Fuelless Recovery» einhergehen - einer Erholung der Weltwirtschaft ohne den üblichen Anstieg beim Verbrauch. Das widerspiegelt sich in vielen nach unten korrigierten Prognosen, die von 100 Dollar pro Barrel auf 65 bis 75 Dollar pro Barrel angepasst wurden.

Verdienen bei fallenden Kursen

Viele Anleger partizipieren heute über Preistracker-Zertifikate, Aktienbaskets und Hebelpapiere auf die WTI- und Brent-Rohölfutures an der Entwicklung des Rohölpreises.

Besonders aufgefallen durch hohe Volumina ist letzte Woche der Put LCOBP auf den Brent-Future. Wenn der Rohölpreis weiter fällt, verdienen die Anleger damit Geld. Der Ausübungspreis des Scheins liegt bei 100 Dollar. Allerdings gab es in den letzten zwölf Monaten nur wenige gute Kaufzeitpunkte; das Timing ist auch für erfahrene, risikofähige Anleger kein Kinderspiel. Bei Calls wie BCOPO wurden dagegen lediglich einige Positionen verschoben.

Die ETC, ETF-ähnliche Konstrukte auf Rohölindizes, haben sich in der Schweiz als Alternative zu den Zertifikate-Preistrackern etabliert. Produkte wie ECLCI, TCLCI oder TCMCI wurden in den letzten Tagen rege gehandelt. Sie zeichnen den Rohölpreis eins zu eins nach, sind teilweise gegenüber dem Dollarkurs abgesichert, fallen aber auch mit niedrigeren Rohölnotierungen. Auf dem deutschen Markt gibt es zudem einige Discount-, Bonus- und Garantiezertifikate, mit denen Anleger auch dann Geld verdienen, wenn die Rohölpreise in dem prognostizierten engen Preisband bleiben.

Unter die am meisten gehandelten Produkte mischte sich auch der Mini-Future MPPHA auf die Petroplus-Aktie. Sowohl der Schein als auch der Basiswert stiegen. Grund ist hier der positive Ausblick für das laufende Jahr - der Raffineriebetreiber erwartet eine deutliche Verbesserung und jedenfall keine Verluste mehr.