Die deutschen Behörden sind gewillt, nochmals gestohlene Bankdaten zu kaufen, darunter offenbar auch solche deutscher Kunden von UBS und Credit Suisse. Was sind die Folgen für die Schweizer Institute?

Hans Brunhart: Die Fakten sind noch nicht klar. Ein solcher Datendiebstahl ist jedoch nicht nur für ein Institut, sondern für den ganzen Finanzplatz schädlich. Die Sicherstellung der Privatsphäre des Kunden muss unabhängig von der Steuerthematik weiterhin einen wichtigen Teil der Positionierung der Banken in der Schweiz und auch in Liechtenstein bilden. Das Vertrauen in deren Gewährleistung wird durch solche Vorkommnisse erschüttert.

Tatsächlich haben die Datendiebstähle bei den Liechtensteiner Banken LGT und LLB 2008 auch zu Mittelabflüssen bei der VP Bank geführt. Was muss die Schweiz tun, um weiteren Schaden abzuwenden?

Brunhart: Es hat sich gezeigt, dass sich Vertrauen nicht auf ein einzelnes Unternehmen bezieht, sondern den ganzen Finanzplatz betrifft. Die Regierung Liechtensteins hat damals prompt auf die Entwicklungen reagiert und durch bilaterale Abkommen erreicht, dass sich Liechtenstein auf der weissen Liste der OECD befindet.

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Wie hat sich die Lage verändert, seit Liechtenstein auf der weissen Liste der OECD steht?

Brunhart: Die weisse Liste hat massgeblich geholfen, die Unsicherheit bei den Kunden abzubauen und Rechtssicherheit für diese zu schaffen. Die Wahrung der Privatsphäre der Kunden hat bei uns nach wie vor oberste Priorität.

Haben Sie heute einen Standortvorteil gegenüber den Schweizer Konkurrenten?

Brunhart: Ja, doch hat dies nichts mit der Steuerdiskussion zu tun. Liechtenstein ist Mitglied im EWR. Das ist ein wesentlicher Vorteil bei der Bearbeitung des EU-Raumes. Eine Schweizer Bank ohne Niederlassung in Deutschland ist dort beispielsweise massiv eingeschränkt.

Und was das Image betrifft?

Brunhart: Liechtenstein und die Schweiz sollten einen Schlussstrich ziehen. Natürlich wird die Steuerdiskussion weitergehen. Doch wir verhalten uns nach den OECD-Richtlinien. Ich sehe keinen Grund für weitere Kritiken aus dem Ausland.

Aus der Schweiz schaut man fast neidisch nach Liechtenstein. Was halten Sie davon?

Brunhart: Es stört mich natürlich nicht, wenn Liechtenstein beneidet wird - wir haben auch schon andere Situationen erlebt. Das Lob jedoch, das Liechtenstein für seinen Kurs erhält, kommt eher nicht von der Kundenseite. Vor allem das England-Abkommen hat grosse Verunsicherung gebracht, obwohl es ein Abkommen ist, welches nicht eins zu eins auf andere Länder ausgeweitet werden kann. Insgesamt hat Liechtenstein als Kleinstaat den Vorteil, dass Politik und Finanzplatz gemeinsam und konsequent eine Strategie umsetzen können. Doch auch die Schweiz geht im Kern denselben Weg, wenngleich man dies nicht immer so wahrnimmt.

Den gleichen Weg, aber deutlich weniger erfolgreich, wie es scheint.

Brunhart: Das England-Abkommen ist nicht einfach kopierbar, mit Deutschland kann ich mir etwas Vergleichbares nicht vorstellen. Beispielsweise sind die britischen Kunden in Liechtenstein gegenüber ihren Landsleuten mit Vermögen an anderen Auslandstandorten privilegiert. Wenn man Steuerhinterzieher zuerst als Kriminelle definiert, hat die Politik später ein Problem, den Bürgern zu erklären, weshalb dieselben nun privilegiert werden.

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Wie manifestiert sich die erwähnte Verunsicherung bei den Kunden der VP Bank?

Brunhart: Im 1. Halbjahr 2009 haben sich die Konsequenzen gezeigt, auch wenn sie nicht dramatisch waren. Wenn wir nur ein Schwarzgeldgeschäft hätten, dann wären die Auswirkungen erheblicher. Das Problem ist die generelle Verunsicherung. Aus diesem Grund investieren wir heute deutlich mehr Zeit in die Kundenberatung, um die Kunden optimal über die Situation und entsprechende regulatorische Änderungen zu informieren.

Mit dem automatischen Informationsaustausch wäre die Situation klar. Braucht es hier nicht auch eine Vorwärtsstrategie?

Brunhart: Das wäre kein sinnvoller Weg. Schliesslich wäre ein automatischer Informationsaustausch auf Europa reduziert. Wer damit nicht einverstanden ist, würde seine Gelder folglich aus Europa abziehen. Ich denke nicht, dass dies im Sinne der EU ist. Hinzu kommt der enorme administrative Aufwand, der durch die weltweit unterschiedlichen Steuergesetze entstehen würde. Man würde am Ende nicht die Resultate erzielen, die man sich verspricht.

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Auch die Finanzkrise hat zu Verunsicherung geführt. Wie geht es damit weiter?

Brunhart: Derzeit scheint sich die Gesamtwirtschaft positiv zu entwickeln, getrieben durch die Schwellenländer. Ich habe Vertrauen in die Zentralbanken, dass diese weiterhin vernünftige Entscheide treffen. Sie sind, was die Reputation betrifft, die grossen Gewinner der Krise. Wenn es ihnen gelingt, die Liquidität kontrolliert aus dem System zu nehmen, wird das Vertrauen in die Finanzmärkte zurückkehren. Doch wir befinden uns auf dünnem Eis. Derzeit besteht kein grenzenloses Vertrauen mehr.

Welche Lehren hat die VP Bank aus der Krise gezogen?

Brunhart: Die Controlling-Fragen haben noch mehr an Bedeutung gewonnen. Zweitens braucht es angesichts der Steuerdiskussion ein verstärktes Monitoring der unterschiedlichen nationalen Gesetze. Auch wird dem Gegenparteirisiko, als Lehre aus der Krise, noch mehr Beachtung geschenkt.

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Und wie wird das Geschäftsergebnis 2009 der VP Bank ausfallen?

Brunhart: Als Grundlage dienen unsere 1.-Halbjahres-Zahlen. Starke Abweichungen davon hat es in keinem Bereich gegeben. Aufgrund der Markterholung konnten wir Rückstellungen auflösen, was sich positiv auf das Ergebnis auswirkt. Auch das bankinterne Kostensenkungsprogramm wird positiv zu Buche schlagen. Was die Erträge betrifft, so sind wir stark im Geldmarkt investiert. Daher kommt uns die Zinsentwicklung im Moment nicht entgegen. Im Kommissionsgeschäft stellen wir fest, dass wir eine sehr konservative Kundschaft haben, die stark Cash-orientiert ist. Zudem investieren viele Kunden in Sachwerte wie Gold oder Immobilien.

Wie sieht es beim Nettoneugeld aus?

Brunhart: Wir verzeichneten im 1. Semester 2009 einen Abfluss von rund 1 Mrd Fr. Konkrete Zahlen für das 2. Semester kann ich aus börsenrechtlichen Gründen nicht mitteilen. In Anbetracht der anspruchsvollen Rahmenbedingungen konzentrieren wir uns darauf, unsere bestehenden Kunden zu halten. Die Akquisition neuer Kunden ist heute aufwendiger.

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Und welche Ziele strebt die VP Bank im laufenden Geschäftsjahr an?

Brunhart: Wir werden unsere strategischen Ziele konsequent weiterverfolgen. Dazu gehört der Ausbau in Asien, wo wir unseren Standortvorteil mit der Bank in Singapur verstärkt nutzen wollen. Gleichzeitig ist hohe Qualität gefragt, da im globalisierten Markt der Wettbewerb intensiv ist. Deshalb investieren wir gezielt in unsere Mitarbeiter. Für die VP Bank ist 2010 ein Jahr der Konsolidierung unter neuen Rahmenbedingungen.

Sie arbeiten mit 5-Jahres-Zielen. Haben diese noch Gültigkeit?

Brunhart: Ja, sie gelten nach wie vor, doch erreicht man sie nicht jedes Jahr.

Seit Ende August 2009 führt CFO Fredy Vogt die VP Bank interimistisch. Wann stellen Sie den neuen CEO vor?

Brunhart: Die Besetzung einer Position im Top-Management dauert erfahrungsgemäss mehrere Monate. Wegen der Strukturveränderung im Bankensektor stehen viele Kandidaten zur Verfügung. Derzeit sind wir in der Abschlussphase, sodass wir den neuen CEO bald vorstellen können. Vom CEO erwarten wir eine konsequente interne Führung und eine starke Positionierung der VP Bank nach aussen.

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