Branchli, Pralinen, Baumbehang, Weihnachtsmänner, einfache oder handgeschöpfte Schokoladen, Milch, Praliné, Nuss oder Zartbitter: Die Schweizer greifen mit unverminderter Begeisterung ins Schoggi-Regal. Die acht im IHA-GfK RetailScan erfassten Verteiler (Coop, Migros, Manor, Denner, Globus, Carrefour, Volg, Spar) meldeten Süsswarenverkäufe im Wert von 1,8 Mrd Fr. Zu den Süsswaren zählen neben der Schokolade Kuchen, Biscuits und Zuckerwaren (Bonbons und Ähnliches). Der Schokoladenmarkt allein macht 725 Mio Fr. aus und legte im vergangenen Jahr in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr um rund 4% zu. Thomas Hochreutener, Detailhandelsexperte bei IHA-GfK, stellt fest, dass bei den Grossverteilern insgesamt mehr Schokolade verkauft worden sei als im Vorjahr. Neben einer Steigerung im Segment der Tafelschokoladen um 3% seien Branchli und Mohrenköpfe ebenfalls um 3%, Saisonprodukte (Weihnachts- und Osterschokolade) um fast 4% gestiegen. Die Pralinen waren 2007 bei den Schweizern offensichtlich die zarteste Versuchung: Hier gab es eine Steigerung von fast 7,5% .

Premiumschokolade bevorzugt

Eine aktuelle Studie von IHA-GfK zeigt zudem grosse Unterschiede in den Preis- und Qualitätsstrukturen. Während die Schweizer zu drei Viertel Qualitäts- oder sogar Premiumschokolade bevorzugen, greifen die deutschen Konsumenten zu 80% im Tief- und Tiefstpreissegment zu. IHA-GfK hat Ende letzten Jahres die Situation am Schokoladenmarkt länderübergreifend analysiert und Schweizer Konsumentenverhalten unter anderem mit dem in Österreich, Italien, Deutschland, den Niederlanden und Norwegen verglichen. In allen Ländern sind alle Segmente vertreten, in der Schweiz das Hochpreissegment deutlich stärker.

Auch in der Schweiz gibt es ein Tiefpreissegment, hier wird aber wesentlich weniger Schokolade gekauft (17%) als im Premiumbereich (32%). Thomas Hochreutener: «Es zeigt sich ganz klar: Die Schweizer achten viel genauer auf die Qualität der Schokolade, die sie kaufen, als die Konsumenten der Vergleichsmärkte: Nur 17% der Tafelschokolade werden zu einem Preis von etwa 80 Rappen pro 100 Gramm gekauft, die Deutschen und die Holländer machen rund 40% ihrer Einkäufe an Tafelschokolade in diesem Preissegment, das in allen Ländern eine grössere Bedeutung hat als in der Schweiz.» Auch in den Niederlanden und in Österreich gebe es ein starkes Tiefpreissegment, daneben in allen untersuchten Ländern ein mittleres Preissegment sowie ein mehr oder weniger stark gekauftes Hochpreissegment. Gerade dieser Bereich sei ein idealer Exportmarkt für mittlere und kleine Schweizer Unternehmen mit hochwertigen, exklusiven und ausgefallenen Produkten.

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Sommerloch gilt es zu füllen

Wohl keine Überraschung dürfte der Umstand sein, dass zu Weihnachten und zu Ostern vermehrt Schokolade in bewährter oder saisonal bedingter Formenvielfalt gekauft wird. Die Schweizer kaufen beim Grossverteiler zur Weihnachtszeit für rund 150 Mio Fr. Schokoladeprodukte ein, zu Ostern nur unerheblich weniger. Kein Wunder, versuchen die Hersteller diese Kauflust auf das ganze Jahr auszudehnen und saisonal angepasste Spezialitäten anzubieten. Vor allem das Schokoladen-Sommerloch gilt es zu füllen. Deshalb bleibt abzuwarten, was sich die Schweizer Chocolatiers für die Euro 2008 haben einfallen lassen.