Wenn Sie, was mehr als wahrscheinlich ist, nicht zu den Glücklichen gehören, welche nur die besten Schweizer Aktien im Portfolio haben, wird für Sie das Anleger-Jahr 2018 wohl zu keinem guten Jahrgang.

Der Schweizer Standardwerte-Index SMI ist im Verlaufe des Donnerstags auf den tiefsten Stand des Jahres gefallen. Die Verluste haben sich auf über drei Prozent summiert. Alle 20 Aktien im SMI haben deutlich an Terrain eingebüsst – die Index-Schwergewichte Roche, Novartis und Nestlé eingeschlossen.

Nicht schwarz, aber schwach

Ohnehin waren Schweizer Aktien dieses Jahr eine schlechte Wette. Das auslaufende Börsenjahr war zwar nicht gerade ein schwarzes, aber doch das schwächste seit 2011. Damals hatte der SMI zum letzten Mal im zweistelligen Bereich an Terrain verloren. Aktuell liegt das Minus dieses Jahr bei über 13 Prozent.

Miserabel war der Start ins Jahr mit klaren Abgaben in allen drei Monaten des ersten Quartals, dann waren aber auch der Mai und insbesondere der Dezember sehr schwache Monate. Eine Zwischenerholung brachte der Juli.

Im Gegensatz zu den Vorjahren hielten sich die Aktien aus dem breiten Markt kaum besser als die grosskapitalisierten Bluechips. Bei letzteren schlugen sich die Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis, welche trotz beschränkter Gewichtung noch immer rund 60 Prozent der gesamten Börsenkapitalisierung ausmachen, im Vergleich zum Vorjahr passabel und sorgten für eine gewisse Absicherung nach unten.

Belastet wurde die allgemeine Börsenstimmung insbesondere von den sich eintrübenden Konjunkturaussichten, nicht zuletzt wegen der Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump, sowie von einer etwas strafferen Geldpolitik der Notenbanken. Diese blieb allerdings insgesamt immer noch expansiv.

Optimisten auf dem falsche Fuss erwischt

Während die Optimisten, welche im Vorfeld des Jahres 2018 per Saldo weiter steigende Kurse prognostizierten, also falsch lagen, behielten die Warner vor einer steigenden Volatilität recht. Bereits Ende Januar stiegen die Schwankungen an und im Februar kletterte der Volatilitäts-Index VSMI – auch Angstbarometer genannt – auf Werte von über 20 Prozent, was als sehr hoch gilt.

Im internationalen Vergleich liess der SMI wie im Vorjahr etwa den deutschen Dax und den britischen FTSE hinter sich und schnitt ähnlich ab wie der französische CAC und der japanische Nikkei. Etwas besser als der SMI stand vor dem Jahresende der amerikanische Dow Jones Industrial, welcher sich unmittelbar vor Weihnachten und am zweiten Weihnachtstag mit Tagesveränderungen von bis zu über 1'000 Punkten noch einmal sehr volatil zeigte.

Die geringsten Verluste erlitten die an der Nasdaq gelisteten Technologie-Aktien, allerdings fielen diese nach dem Allzeithoch vom August in der zweiten Jahreshälfte massiv zurück. Dabei wurden auch einige Schweizer Aktien mit nach unten gerissen.

Das Makro-Umfeld wird nicht besser

Wirtschaftlich gesehen sind sich die Ökonomen weitgehend einig, dass das globale Wachstum den Zenit überschritten hat. Uneinig ist man sich allerdings im Ausmass des zu erwartenden Rückgangs im kommenden Jahr. Dabei hat zuletzt insbesondere die Entwicklung in China die Konjunkturängste genährt und die Aktienkurse unter Druck gesetzt.

Was das nun jahrelang sehr billige Geld betrifft, hat sich die Ausganslage 2018 zwar noch nicht dramatisch, aber doch spürbar verändert. Der Rückenwind für die Aktien hat im auslaufenden Jahr nachgelassen. Die amerikanische Notenbank hat sich mit mehreren Straffungen bereits dem Ende des Zinserhöhungs-Zyklus genähert, während die erste Zinserhöhung in Europa zwar noch immer auf sich warten lässt, im kommenden Jahr aber Tatsache werden könnte. Der Spielraum für die Schweizerische Nationalbank (SNB) bleibt somit weiterhin eingeschränkt.

Schaut man sich die Entwicklung der 30 wichtigsten Aktien des SMI/SLI an, fallen insbesondere AMS auf, welche wegen des schwächeren Geschäftsgangs beim wichtigen Kunden Apple rund drei Viertel ihres Wertes von Ende 2017 eingebüsst haben.

Mit immer noch massiven Einbussen im Bereich von 35 bis 40 Prozent folgen auf den Plätzen Adecco, Dufry und die Banken Julius Bär und Credit Suisse. Zwischen 30 und 35 Prozent des Wertes mussten sich die Aktionäre von Clariant, Richemont und UBS ans Bein streichen, zwischen 25 und 30 Prozent jene von Kühne+Nagel, ABB, LafargeHolcim oder Swatch. Für die drei letztgenannten ist wie für Richemont der chinesische Markt sehr wichtig. ABB half dabei auch der erst vor kurzem bekanntgegebene und von Aktionären schon lange geforderte Verkauf der Stromnetzsparte nicht viel.

Schwergewichte verleihen Stabilität

Stabilisiert wurde der Gesamtmarkt von Nestlé, Roche und Novartis, welche sich im Vergleich zum Schlussstand von 2017 um jeweils maximal 4 Prozent veränderten, Novartis gar mit positivem Ausgang.

Als bester unter diesen Werten beendeten Swiss Life mit einem Plus von rund 8 Prozent das Jahr. Leichte Gewinne verbuchten noch Sonova und Givaudan.

Richtig Geld verlieren konnte ein Investor auch im breiten Markt, wenn er auf Aktien von Aryzta, Airopack oder Santhera gesetzt hatte. Allesamt verloren mehr als vier Fünftel ihres Börsenwertes, beim Backwarenkonzern Aryzta waren es gar rund 90 Prozent.

Aktionäre des Vermögensverwalters GAM, des Biotechunternehmens Kuros oder der Messebetreiberin MCH Group, welche unter dem Gegenwind für die Uhrenmesse Baselworld litt, mussten ebenfalls massive Einbrüche von über 70 Prozent verkraften.

Aber auch die Werte von grösseren und grundsätzlich soliden Industrieunternehmen wie Georg Fischer, Bossard, Bobst, Rieter, Autoneum oder auch des Baukonzerns Implenia brachen um 40 bis über 50 Prozent ein.

Mit Edisun liess sich eine Aktienrendite von über 60 Prozent erzielen, mit CPH eine solche von knapp 50 Prozent und mit Orascom, Alpiq oder auch Huber+Suhner noch immer von 25 bis 30 Prozent.

(sda/spm)

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