Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag mit deutlich höheren Kursen eröffnet und schliesst damit an die Erholung vom Vortag an. Händler verweisen dabei vor allem auf den Anstieg des Ölpreises, der bereits am Donnerstag-Nachmittag begonnen hat. Aktuell notieren die wichtigsten Sorten klar höher und übertreffen dabei die Marke von 30 US-Dollar wieder relativ deutlich. Aber auch Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi am Vortag anlässlich der regulären EZB-Sitzung sowie am Berichtstag in Davos würden das gute Sentiment noch unterstützen, so Marktteilnehmer.

Bereits die asiatischen Märkte reagierten darauf mit deutlichen Avancen, wobei vor allem der japanische Nikkei mit einem Plus von fast 6 Prozent hervorragt. Insgesamt seien die Märkte aber nach wie vor sehr verunsichert und die Volatilität bleibe sehr hoch, heisst es bei Investoren. Nach einem Anstieg komme es immer wieder sehr schnell zu Gewinnmitnahmen, wobei News derzeit fast immer irgendwie negativ interpretiert würden. Dass es zum Wochenschluss dann wieder zu deutlichen Gewinnmitnahmen kommen wird wie an den letzten beiden Freitagen, sei jedenfalls nicht auszuschliessen.

SMI steigt

Der Swiss Market Index (SMI) steht um 09.30 Uhr 1,96 Prozent höher bei 8'192,40 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, zieht um 2,07 Prozent auf 1'222,75 Punkte an und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,90 Prozent auf 8'450,38 Punkte. Von den 30 SMI/SLI-Titeln notieren zur Berichtszeit alle im Plus.

Nach einem Minus von insgesamt über 8 Prozent in den ersten beiden Börsenwochen zeichnet sich damit insgesamt in dieser Woche doch eine leichte Beruhigung ab. Auf dem aktuellen Niveau ergäbe sich für die Gesamtwoche gar ein Plus von rund 1 Prozent. Und das letztjährige Jahrestief von 7853 Punkten kurz nach dem SNB-Entscheid, das noch am Mittwoch phasenweite in Reichweite war, scheint jedenfalls wieder relativ weit weg.

Transocean im Aufwind

Auf Titelebene sind die bisherigen Jahres-Veränderungen noch deutlich ausgeprägter als beim Index. So haben etwa Transocean nach einem bereits sehr schwachen Vorjahr wegen des Ölpreises bereits wieder ein Minus von über 20 Prozent (Stand Vortag) auf der Bilanz. Dank der erwähnten Stabilisierung erholten sich die Titel allerdings am Donnerstag bereits um über 10 Prozent und gehören auch am Freitag wieder zu den Top-Werten (+4,0 Prozent).

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Ansonsten sind in einem nachrichtenarmen Umfeld vor allem Zykliker die grössten Profiteure der heutigen Erholung. So etwa die Papiere des Baustoffherstellers LafargeHolcim (+4,0 Prozent auf 43,32 Franken), welche kurz vor dem Unterschreiten der 40 Franken-Marke am Mittwoch gedreht haben und heute wieder komfortabel darüber notieren.

Uhrenwerte ziehen an

Aber auch die Uhrenwerte Swatch und Richemont (je +2,5 Prozent), die vor allem im Vorjahr wegen der eingebrochenen Uhrenverkäufe im Raum Hongkong/China zu den schwächsten Performern gehört hatten, sind jetzt im oberen Tabellenfeld zu finden. News gibt es dabei von Richemont. Der Luxusgüter-Hersteller hat den Genfer Uhrenhersteller Roger Dubuis vollständig übernommen, wie am Freitag bekannt wurde.

Stark präsentieren sich aber auch Lonza (+3,0 Prozent) und ABB (+2,6 Prozent auf 16,64 Franken). Beim Technologie-Konzern hat die UBS ihr altes Anlagerating 'Sell' zwar erhöht, gibt sich aber mit der neuen Einstufung 'Neutral' doch weiterhin zurückhaltend. Auch wurde das Kursziel auf 16 von 18 Franken gesenkt.

Bankentitel erholen sich

Eine Erholung finden auch die Grossbankenwerte UBS (+2,2 Prozent) und CS (+2,1 Prozent). Bei der zweitgrössten Schweizer Bank gab es – vor allem am Vortag – Gerüchte, wonach der neue CEO Tidjane Thiam bereits wieder auf dem Absprung sei und neuer IWF-Chef werden könnte. Nachdem die bisherige Amtsinhaberin Christine Lagarde heute aber ihre Wiederkandidatur bekannt gegeben hat, dürften sich diese Gerüchte wieder verflüchtigen. Tatsache ist aber, dass die CS-Aktie nach dem bereits sehr schwachen Vorjahr auch dieses Jahr unter dem grossen Vertrauensverlust der Aktionäre leidet.

Zur Gesamtmarkterholung tragen auch die drei Schwergewichte bei, wobei Roche (+2,3 Prozent) klar vor Novartis (+1,7 Prozent) und Nestlé liegen (+1,4 Prozent). Vor allem die Pharmawerte hätten zuletzt zu stark korrigiert und hätten jetzt einen Aufholbedarf, heisst es im Markt. Am Schluss der SMI/SLI-Tabelle liegen aktuell Galenica (+0,3 Prozent) am Tag nach den (guten) Umsatzzahlen sowie Kühne+Nagel (+1,2 Prozent) und Swiss Life (+1,4 Prozent).

Im breiten Markt gibt es News von diversen kleineren Titel wie etwa Dätwyler (-2,0 Prozent), Interroll (+3,6 Prozent), CFT (-1,1 Prozent), Leclanché (+1,4 Prozent), BB Biotech (+5,6 Prozent), DKSH (+0,8 Prozent), AFG (+2,0 Prozent) oder Basilea (+1,3 Prozent).

(awp/ise)