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Sinkkurs
Schweizer Anleger sind auf der Hut wegen Katalonien

Schweizer Börse: Der SMI sinkt die zweite Woche in Folge. Keystone

Die Sorgen um die Zukunft Spaniens belasten den Schweizer Börsenhandel - der SMI schliesst mit einem Verlust. Auch auf Wochensicht sinkt der Schweizer Leitindex deutlich.

Veröffentlicht am 27.10.2017

Die Schweizer Börse hat am Freitag schwächer geschlossen. Die Angst vor einer Eskalation der Katalonien-Krise habe die Anleger vorsichtig werden lassen, sagten Händler. Der SMI sank um 0,2 Prozent auf 9183 Punkte. Im Wochenvergleich büsst der Leitindex damit 0,6 Prozent ein und steuert auf die zweite negative Woche zu.

Die Stimmung sei bis zur Erklärung der Unabhängigkeit Kataloniens eigentlich ganz gut gewesen. «Dann aber hat die Abstimmung in Barcelona die Anleger ein wenig aufgeschreckt», sagte ein Händler. Im Parlament Kataloniens stimmten die Abgeordneten für die Unabhängigkeit von Spanien. Kurz darauf billigte der spanische Senat eine Zwangsverwaltung der Region.

Kein Ausverkauf

Zu Verkäufen in grossem Stil kam es aber nicht. «Die Leute sind vorsichtig und nehmen vereinzelt Gewinne mit», sagte ein Händler. Viele Anleger hofften aber, dass sich die Katalonien-Krise wieder beruhigt und hielten an ihren Positionen fest.

Im Fokus standen die Aktien von Clariant. Die Aktien verloren 0,9 Prozent, schlossen damit aber deutlich über dem am Morgen markierten Tagestief. Der Spezialchemiekonzern bläst die geplante 20-Milliarden-Dollar-Fusion mit dem US-Rivalen Huntsman ab. «Nun dürften die Spekulationen um Clariants Zukunft wieder losgehen», sagte ein Händler und wies darauf hin, dass Clariant lange immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt wurde. «Da die Aktie um fast die Hälfte gestiegen ist, dürften sich manche Anleger nun auch dankend verabschieden», sagte ein anderer Händler.

LafargeHolcim senkt Ziele

Die Aktien von LafargeHolcim verloren knapp ein Prozent. Der Zementkonzern hat nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal und wegen der schwächeren Zementnachfrage die Finanzziele gesenkt. Die bisherigen Prognosen seien unrealistisch gewesen, sagte Konzernchef Jan Jenisch auf einer Telefonkonferenz.

Die Aktien der Grossbank UBS gaben frühe Gewinne nicht nur ab, sondern rutschten gar um 0,75 Prozent ins Minus. Der Quartalsbericht sei unter dem Strich besser als erwartet gewesen, hiess es am Markt. UBS hat im Sommerquartal dank den Vorsteuergewinn um 39 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken gesteigert. «Vielleicht waren manche Anleger aber etwas enttäuscht, weil die Dividende nicht kräftig angehoben werden soll», sagte ein Experte. Auch habe sich die Bank auf der Telefonkonferenz vorsichtig zu den Aussichten geäussert.

Credit Suisse kann zulegen

Die Aktien der Rivalin Credit Suisse notierten um gut ein Prozent tiefer. Die Papiere der Versicherer schlossen sich dem Trend ebenfalls an und büssten Terrain ein. Europaweit schwächten sich die Finanzwerte im Sog der Katalonien-Krise ab. Die beiden Pharmaschwergewichte Novartis und Roche notierten bei geringen Kursänderungen uneinheitlich. Der Lebensmittelwert Nestlé, ein weiteres SMI-Schwergewicht, ermässigte sich um 0,2 Prozent.

Mehrheitlich im Plus lagen die Aktien zyklischer Firmen. ABB schwächten sich gegen den Trend nach dem Kursgewinn vom Vortag aber leicht ab. Der Elektrotechnikkonzern hatte die Anleger am Donnerstag mit guten Quartalszahlen überrascht.

Leonteq-Gründer verkauft Aktien

Am breiten Markt stiegen die Aktien von Meyer Burger um vier Prozent. Der Solarzulieferer hat nach der Bekanntgabe eines Grossauftrags das Interesse der Anleger angezogen. Die Aktien von Leonteq sanken um 2,6 Prozent. Gründer Jan Schoch hat sich von seiner Beteiligung von 6,6 Prozent an der Derivatfirma getrennt. Schoch hat sich kürzlich aus der Firma zurückgezogen. Die Aktien von Basilea zogen um 2,5 Prozent an. Über die Biotechnologiefirma keimten immer wieder Übernahmespekulationen auf, sagte ein Händler. «Die Firma hat vielversprechende Produkte und -kandidaten in der Pipeline sowie eine prall gefüllte Kasse», sagte ein Händler.

(reuters/mbü)

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